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Hintergrundbild Epoche

Was sind "Halbstarke"?


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Der amerikanische Schauspieler James Dean wurde für viele Jugendlichen zur wichtigen Symbolfigur.
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Die Eltern schwärmen für Heimatfilme ...
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... die Kinder lieben Elvis und Rock ´n Roll.

Wer waren eigentlich die "Halbstarken"?

Ein Begriff, der in den 50er Jahren umging, war die Bezeichnung "Halbstarke". Doch was waren eigentlich die so genannten "Halbstarken"? Waren die stark oder nur halb stark oder ...? Heute empfinden wir diese Bezeichnung  als ziemlich altmodisch.

Man wollte anders sein als die Eltern

Während viele Eltern nach dem Krieg nur noch eines wollten, nämlich den Krieg vergessen und endlich wieder zu Wohlstand kommen, stellten sich den Jugendlichen dieser Zeit ganz andere Fragen. Sie hatten die Nase voll von solchen Begriffen wie Zucht, Ehre und Gehorsam. Man hatte ja gesehen, wohin solche Vorstellungen führten und die Jugend wollte einfach so einiges anders machen als die Generation der Eltern.

Revolte gegen die Spießigkeit

So revoltierten sie gegen Mutter und Vater und begehrten vor allem gegen die Spießigkeit und die Doppelmoral der Zeit auf. So sollten sie immer brav und artig sein, den Eltern und Lehrern gehorchen, unabhängig davon, ob diese nun im Recht waren oder nicht. Um 20 Uhr hatte man zu Hause zu sein, Männerbekanntschaften kamen für junge Mädchen nicht in Frage. Die Jugendlichen lebten lange nicht so frei wie heute. Vieles wurde genau beobachtet, junge Leute konnten sich nicht einfach so kennenlernen, alles war streng geregelt und fand immer unter den Augen der Eltern statt. Nicht ohne Grund lautete ein ganz beliebter Song der Zeit "Don´t fence me", was nichts anderes heißt als "Sperr mich nicht ein". Viele Jugendliche fühlten sich aber eingesperrt. Was heute selbstverständlich ist, sich zu treffen und auszuprobieren, war damals so gar nicht selbstverständlich.

Heimatfilm gegen Rock ´n Roll

Vor allem die Musik sollte das Lebensgefühl der jungen Leute zum Ausdruck bringen und das war eine Musik, die so gar nicht dem Musikgeschmack der Eltern entsprach. Während viele Eltern sich für Heimatfilme und Schlager begeisterten, suchten sich die Jugendlichen ganz andere Vorbilder. Sie wollten aussehen wie ihre Stars, wie Elvis Presley oder James Dean. Sie wollten ihre eigenen Kleider anziehen, ihre eigene Musik hören und einfach anders sein. Sie lasen ihre Zeitschriften, wie z.B. Twen und Bravo, die sich in erster Linie an jüngere Leserinnen und Leser richteten.

Die "Halbstarken" im Film

Ein Held der Jugendlichen war auch ein junger Schauspieler namens Horst Buchholz, der Hauptdarsteller in dem Film "Die Halbstarken". Die jungen Leute waren der Meinung, "die Eltern begreifen gar nichts". Halbstarke hingen gerne irgendwo herum und schraubten an ihren Motorrädern oder Vespas. Heute würde man vielleicht den Begriff "Chillen" für das damalige Lebensgefühl verwenden.

Lederjacken, Jeans und Nietengürtel: Igitt!

Schwarze Lederjacken waren für die Eltern eine Katastrophe, dazu kamen auch noch Blue Jeans, Nietengürtel und Stiefel, wie sie James Dean trug. Und eine Haartolle, die aussah wie die Haartolle von Elvis.  Puh! Was sollte daraus werden? Dann entsprach man schon ziemlich genau dem Bild eines "Halbstarken". Wer sich dann noch nach Rock ´n Roll-Rhythmen bewegte, war bei Erwachsenen komplett "unten durch". Diese Musik bezeichnete man als "Urwaldmusik" oder verwendete ein noch schlimmeres Schimpfwort wie "Negermusik".

Krawalle

Während die CDU 1957 auf ihren Wahlplakaten mit Sprüchen wie "Keine Experimente" warb, was nichts anderes bedeutete, als dass alles beim Alten bleiben sollte, begehrte ein Teil der Jugendlichen auf. All die, denen die Tanzstunde als Freizeiterlebnis nicht ausreichte und eine Vespa oder ein Petticoat noch nicht revolutionär genug waren, hauten mal so richtig auf den Putz.

"..., denn sie wissen nicht, was sie tun"

Im Kino lief ein Film mit dem Titel "... denn sie wissen nicht, was sie tun". Im Anschluss an den Film gab es immer wieder Randale. Von 1956 bis 1858 zählte man 93 "Großkrawalle", also mutwillige Zerstörungen, die oft  nach Filmen oder auch Konzertveranstaltungen stattfanden. Die Zeitschriften und Zeitungen befassten sich mit dem Thema und oft genug kamen die Jugendlichen hierbei nicht gerade gut weg. Aber anders als einige Jahre später mit der Revolution der Endsechziger war das Krawallmachen damals noch nicht unbedingt zielgerichtet und meist auch nicht politisch begründet. Viele junge Leute wollten einfach ihrem Unmut Luft machen.

Doch nicht alle so genannten "Halbstarken" machten gleich Krawall, das waren nur wenige. Die meisten jungen Leute wollten genau wie heute einfach nur ihre Musik hören, herumhängen, ihre spezielle Kleidung tragen und einfach so sein, wie sie waren: jung und neugierig auf die Welt.   


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