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Hintergrundbild Epoche

Was war die Spiegel-Affäre eigentlich?


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Das Titelblatt des Spiegel, der die Spiegel-Affäre hervorrief.
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Conrad Ahlers hieß der Redakteur des „Spiegel“, der den besagten Artikel schrieb und verhaftet wurde.

Vielleicht hast du den Begriff "Spiegel-Affäre" schon einmal gehört. Diese Affäre beschäftigte die Bundesbürger Anfang der 60er Jahre und stellte die Pressefreiheit auf den Prüfstand.

Pressefreiheit und Demokratie auf dem Prüfstand

Ein Spiegelredakteur namens Conrad Ahlers hatte für die 41. Ausgabe des Wochenmagazins "Der Spiegel" einen Artikel über die Bundeswehr verfasst. Dieser trug den Titel "Bedingt abwehrbereit" und berichtete über atomare Pläne der Bundeswehr. Die Bundeswehr könnte sich nur mit Hilfe atomarer Waffen im Ernstfall verteidigen, so hieß es. In diesem Artikel wurde über eine Übung der NATO berichtet, die für Europa und vor allem für Deutschland zeigte, dass im Verteidigungsfall die Abwehrbereitschaft der Bundesrepublik mehr als schlecht war. Sie war eben "bedingt abwehrbereit", wie dann auch der Titel lautete. Ganz nebenbei wären - sollte eine solche Übung zum Ernstfall werden - 15 Millionen Bundesbürger einfach tot.

Forderung nach Atomwaffen

Dem damaligen Verteidigungsminister Franz Josef Strauß fiel dazu nichts Besseres ein, als für die Bundesrepublik eine Verteidigung mit Atomwaffen zu fordern. Diese Pläne des Verteidigungsministers stießen auch in Militärkreisen nicht auf Begeisterung und wurden an den "Spiegel" weitergegeben, damit dieser die Öffentlichkeit darüber informieren könnte.

So wurde in der Folge gegen den "Spiegel" bzw. gegen dessen Herausgeber, Rudolf Augstein, und weitere Redakteure wegen Landesverrates ermittelt. Die Redaktionsräume des "Spiegel" im Hamburger Pressehaus und in der Redaktion in Bonn wurden durchsucht. Den Redakteur Conrad Ahlers, der im Urlaub in Spanien weilte, verhaftete man umgehend. Der Herausgeber Augstein wurde in Untersuchungshaft genommen.

"Spiegel tot - Freiheit tot"

Die Verhaftung der Redakteure kam einem Angriff auf die Pressefreiheit gleich. So gingen viele Menschen bundesweit auf die Straße, um gegen diese Maßnahme zu protestieren. So hieß es "Spiegel tot - Freiheit tot". Die Redaktion des "Spiegel" erfuhr breite Unterstützung. Doch der damalige Bundeskanzler Adenauer verteidigte das Vorgehen gegen den "Spiegel" in einer Rede für dem Bundestag am 7. November 1962.

Verteidigungsminister Strauß, um den es ja auch in dem besagten Artikel ging, behauptete, mit der ganzen Affäre nichts zu tun zu haben. Doch in Wirklichkeit hatte er die ganze Aktion eigens vorangetrieben. So kam es zu einer Regierungskrise und die fünf Minister der FDP traten aus Protest gegen Strauß zurück. Daraufhin verzichtete Strauß schließlich Ende November auf sein Amt als Verteidigungsminister. Adenauer bildete ein neues Kabinett, allerdings auch das letzte, bevor er selbst auf eine weitere Kandidatur verzichtete.

Die Tatsache, dass Konrad Adenauer seinem Verteidigungsminister beim Vorgehen gegen den "Spiegel" zuvor quasi "freie Hand" gelassen hatte, wurde erst später bekannt.


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