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Hintergrundbild Epoche

Wirtschaftskrise in den 70er Jahren


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Wer arbeitslos ist, hat oft leere Taschen.
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Ansteckbutton „35-Stunden-Woche“ der IG Metall aus der Tarifauseinandersetzung um eine Verkürzung der Wochenarbeitszeit

Nach dem Zweiten Weltkrieg hatte es in der Bundesrepublik ein "Wirtschaftswunder" gegeben. Von einem kleinen Einbruch 1966/67 abgesehen, war die Wirtschaft stets gewachsen. Seit 1971 mehrten sich die Zeichen einer Wirtschaftskrise oder zumindest einer "Stagnation", d. h. dass die Wirtschaft nicht mehr wuchs.

Zeichen der Krise

Messbar ist das an verschiedenen Zeichen wie der Arbeitslosenquote (wie viele Menschen sind prozentual arbeitslos), dem Wachstum des Bruttosozialprodukts und der Inflation (sie sollte möglichst niedrig sein).
Zwischen 1970 und 1975 stieg die Arbeitslosigkeit von 0,7 Prozent auf 4,6 Prozent an, danach sank sie bis 1980 wieder. Viele Firmen gingen pleite, andere führten Kurzarbeit ein.

Das Bruttosozialprodukt wuchs 1970 noch um 5,4 Prozent, danach sank der Wert. 1973 betrug er aber immer noch 4,7 Prozent, ehe er 1974 auf 0,0 Prozent fiel. 1975 betrug der Wert sogar minus 1,1 Prozent – ein Rückgang der Wirtschaft. Außerdem stieg die Inflation. Sie betrug 1970 noch 3 Prozent und stieg 1973 und 1974 auf 7 Prozent: ein hoher Wert des Geldverfalls. Für die Menschen bedeutete das, dass viele Produkte wesentlich teurer wurden.

Gründe

Es gab verschiedene Gründe für den Rückgang der Wirtschaft. So sank zum Beispiel die Nachfrage – es wurde schlicht weniger gekauft. Das galt nicht nur für die Bundesrepublik selbst, sondern auch für die Länder, in die wir lieferten (Waren ausführen, exportieren). Auch dort nahm man also die Waren nicht mehr ab. Der Markt war "gesättigt". Aber auch die technische Entwicklung führte dazu, dass weniger Arbeitskräfte benötigt wurden.

Höhere Löhne

Dann hatten die Gewerkschaften hohe Lohnabschlüsse erreicht, das heißt die Löhne der Arbeiter stiegen. Die Arbeitgeber versuchten ihre Kosten zu senken, indem sie die Preise erhöhten und indem sie Arbeitsplätze abbauten. Dadurch wurde aber noch weniger gekauft. Der Tiefpunkt war 1975 erreicht.

Maßnahmen

Die Bundesregierung mit Wirtschaftsminister Hans Friderichs (FDP) und Finanzminister Hans Apel (SPD) leitete einige Maßnahmen ein, um die Wirtschaft wieder anzukurbeln. Investitionen wurden steuerlich gefördert, nicht lohnende (unrentable) Wirtschaftszweige erhielten staatliche Unterstützung (Subventionierungen) in Form von Zuschüssen oder Steuererleichterungen. Der Erfolg war jedoch mäßig. Stattdessen wuchs die Staatsverschuldung enorm an (von 126 Milliarden 1970 auf 469 Milliarden 1980).

Die Entwicklung nach dem Tief

Positiv entwickelte sich nach dem Tiefpunkt 1975 die Außenwirtschaft. Exporte und Importe stiegen stark an: der Export von 222 auf 350 Milliarden bis 1980, der Import von 184 auf 341 Milliarden. Über 80 Prozent des Außenhandels erfolgte mit Ländern der Europäischen Union. Auch der Osthandel stieg nach dem Abschluss der Ostverträge 1970 bis 1973. Die Bundesrepublik war und ist ein Land mit starken außenwirtschaftlichen Verflechtungen.

Auswege?

Obwohl das Bruttosozialprodukt wieder stieg, sanken die Arbeitslosenzahlen kaum. Die Gewerkschaften setzen nach wie vor auf eine hohe Nachfrage, zum Beispiel durch Lohnerhöhungen. Teile der SPD wollten stattdessen die Unternehmen entlasten. Das führte zu Spannungen. Die Uneinigkeit in der Wirtschaftspolitik führte auch zum Ende der sozial-liberalen Koalition 1982. Umgesetzt bis dahin wurde aber die Abkehr von der Wirtschaftspolitik, bei der der Staat besonders stark eingreift, so wie Erhard sie befürwortet hatte und wie sie viele Jahre umgesetzt wurde.

Weniger arbeiten?

Die Gewerkschaften kämpften auch darum, dass weniger Stunden gearbeitet werden sollte. Die 35-Stunden-Woche war schon 1977 ihre Forderung. Wochenlange Arbeitskämpfe 1978/79 führten nicht zum Ziel. Bis 1985 galt die 40-Stunden-Woche. Dann einigte man sich auf die 38,5-Stunden-Woche und seit 1995 gilt nun tatsächlich die 35-Stunden-Woche für einen Großteil der Industrie.


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