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Hintergrundbild Epoche

Gast oder Arbeiter?


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Gastarbeiterfamilie in Walsum (Ruhrgebiet) 1962.
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Gastarbeiter im VW-Werk in Wolfsburg 1973
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Italienische Gastarbeiterkinder in Walsum 1962

Die Wirtschaft der Bundesrepublik wuchs in den fünfziger Jahren so sehr, dass man bis 1973 Arbeiter aus anderen Ländern anwarb. Diese Politik hatte Auswirkungen auf das Leben in der Bundesrepublik, das plötzlich viel bunter wurde. Die Einwanderung brachte aber auch Probleme mit sich. Gegenseitiges Unverständnis oder gar Ablehnung waren anzutreffen. Bis heute ist Integration ein wichtiges Thema in der Politik.

Ein Gast, der arbeitet?

Die Arbeitnehmer, die aus dem Ausland kamen, um in Deutschland zu arbeiten, nannte man "Gastarbeiter". Ein komisches Wort – war er nun Gast oder Arbeiter? Einen Gast lässt man doch nicht arbeiten, oder? Es war ursprünglich geplant, dass die ausländischen Arbeitnehmer nur für wenige Jahre in die Bundesrepublik kommen sollten. Dann sollten sie nach Hause zurückkehren und von neuen Arbeitern abgelöst werden.

Immer mehr Gastarbeiter

Die Zahl der Gastarbeiter stieg schnell an. 1966 waren es schon 1,31 Millionen Menschen. Die meisten kamen damals aus Italien und Jugoslawien, gefolgt von Griechenland und Spanien. Erst später holte die Türkei auf und wurde schließlich zu dem Land, aus dem die meisten ausländischen Arbeitnehmer kamen. 1971 hatte sich die Zahl der "Gastarbeiter" im Vergleich zu 1966 noch einmal verdoppelt.

...und sie blieben

Die Gastarbeiter kamen, um in der Bundesrepublik Geld zu verdienen. Sie kamen also auch in ihrem eigenen Bewusstsein vor allem als Arbeitskräfte. Die Aufenthaltsdauer aber stieg an. Das hatte mehrere Gründe. So stiegen die Löhne in dieser Zeit generell sehr an. Der Verdienst der Gastarbeiter stieg also auch, insbesondere im Vergleich zu dem Verdienst in ihren Heimatländern. Auch die Lebensverhältnisse in der Bundesrepublik waren weitaus besser als in vielen südeuropäischen Ländern. Außerdem war es schwierig, auszureisen und dann wiederzukommen. Darum überlegten sich viele Menschen, ganz in Deutschland zu bleiben. Sie begannen ihre Familien nachzuholen. Das geschah verstärkt nach dem Anwerbestopp 1973.

Rückkehrhilfe

Ein Problem war, dass es immer mehr Ausländer gab, die dann aber arbeitslos waren. Um ihnen die Rückkehr in ihre Heimatländer zu erleichtern, wurde 1983 sogar ein Gesetz beschlossen. Man zahlte eine "Rückkehrhilfe" an solche arbeitslosen Ausländer. Einige von ihnen kehrten heim, andere blieben.

Wie erging es den Kindern und Enkeln?

Und die Kinder der Gastarbeiter? In der Bundesrepublik wurden viele Kinder geboren, deren Eltern Italiener oder Türken waren. Mit der Geburt in Deutschland waren sie dennoch nicht "Deutsche", denn es gilt das Gesetz der Herkunft (anders als in den USA: ein dort geborenes Kind ist automatisch amerikanischer Staatsbürger). Um die deutsche Staatsbürgerschaft zu erwerben, mussten sie genauso wie ihre Eltern, Bedingungen erfüllen. Man musste 15 Jahre hier leben und arbeiten. Heute ist das übrigens anders: Kinder, deren Eltern hier schon mindestens acht Jahre leben, werden automatisch zu deutschen Staatsbürgern. Später (im Alter zwischen 18 und 23 Jahren) müssen sie sich dann allerdings entscheiden, ob sie die deutsche Staatsangehörigkeit oder die ihres Herkunftslandes besitzen wollen.

Von den bis 1973 angeworbenen 14 Millionen Ausländern kehrte übrigens der Großteil, nämlich 11 Millionen, wieder zurück in ihre Heimat. Den höchsten Zuzug erlebte die Bundesrepublik erst 1988 bis 1993. Heute leben knapp 7 Millionen Ausländer in der Bundesrepublik. Die Türken stellen den größten Teil mit 1,6 Millionen.


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