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Die Methoden der Stasi


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Deckblatt der MfS-Richtlinie Nr. 1/76 zur Entwicklung und Bearbeitung Operativer Vorgänge

Neben einer umfassenden Kontrolle  - des gesamten Staatsapparates, der Polizisten und Soldaten oder der Betriebe - war es die Hauptaufgabe der Stasi im Inland, die Bürger der DDR zu überwachen.

Jegliche mögliche Gegnerschaft sollte ausfindig gemacht werden. Dazu wurden die Massenorganisationen überwacht und kontrolliert (also z. B. die FDJ oder der FDGB). Aber auch alle DDR-Bürger standen grundsätzlich unter Verdacht. Erschien etwas verdächtig oder wurde gemeldet, z. B. dass jemand eine Flucht plane, wurde sofort die Überwachung eingeleitet oder der Verdächtige gleich verhaftet. Bürgerrechte wurden missachtet.

Operative Personenkontrolle und Operativer Vorgang

Während in der Ära Ulbricht offen gegen Gegner vorgegangen wurde, setzte man in den 1970er Jahren auf Geheimhaltung. Terror wurde ersetzt durch die Methode der Zersetzung. War jemand verdächtig, wurde er zunächst beobachtet und überwacht. Jemand verfolgte die Person, seine Post wurde heimlich geöffnet, das Telefon wurde abgehört. Nach der "Operativen Personenkontrolle" (OPK, jährlich ca. 9000 Mitte der achtziger Jahre) folgte bei hinreichendem Verdacht der "Operative Vorgang" (OV, jährlich ca. 4500 Mitte der achtziger Jahre).

Zersetzung

Um vermeintliche oder tatsächliche politische Gegner zu bekämpfen, nutzte die Stasi vor allem eine Methode: die Zersetzung. Wie Zersetzung angewendet werden sollte, wurde 1976 in der "Richtlinie 1/76" genau beschrieben.

Die Gegner sollten psychisch (seelisch) mürbe gemacht werden. Man versuchte sie zu manipulieren oder zu schädigen. Das Selbstvertrauen des "Gegners" sollte untergraben werden, er sollte Angst und Verunsicherung spüren. Eine Bespitzelung konnte auch offen erfolgen, sodass sie auf jeden Fall bemerkt wurde - was den so Verfolgten noch mehr verunsicherte.

Ständige Enttäuschung und Angst sollte denjenigen so in eine Krise stürzen, dass er weder Zeit noch Motivation mehr haben sollte für staatsfeindliche Aktivitäten. Strafen in der Schule oder am Arbeitsplatz, der Ausschluss aus dem Sportverein oder zeitweise Verhaftung konnten auch dazu gehören.

Der Ruf der Person sollte geschädigt werden, indem Dinge verbreitet wurden, die derjenige lieber geheim gehalten hätte (Rufmord). Die Person sollte bloßgestellt werden. Sogar die Vergiftung von Lebensmitteln oder die Manipulation am Fahrzeug der Person konnten vorkommen. Oder die Stasi verschaffte sich Zugang zur Wohnung und hinterließ dort Gegenstände oder entfernte welche, was den so Verfolgten an der eigenen Wahrnehmung zweifeln ließ.

Bis in die persönlichsten Beziehungen zu Eltern, Kindern, dem Ehepartner, Geschwistern oder Freunden reichte der Arm der Stasi. Alle persönlichen Beziehungen konnten manipuliert werden, z. B. durch gefälschte Briefe oder Fotos (Intrigen).

Zersetzung gegen Gruppen

Zersetzung betraf nicht nur einzelne Personen, sondern konnte sich auch gegen ganze oppositionelle Gruppen richten. Hier sollte innerhalb der Gruppe Misstrauen sät werden, sodass sich die einzelnen Mitglieder gegenseitig verdächtigten. Oder es wurden mehreren Personen Arbeitsplätze zugewiesen, die dann so weit entfernt voneinander lagen, dass ein Kontakt erschwert wurde.

Bei Gruppen versuchte man zudem, Inoffizielle Mitarbeiter (IM, siehe dazu auch "Die Stasi") einzuschleusen. Oder es wurde mit Absicht Zweifel an einzelnen Gruppenmitgliedern gesät, indem jemand Vorrechte gewährt wurden oder jemand in eine staatliche Stelle vorgeladen wurde.


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