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Politisch gefangen


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"Fotostuhl" des MfS für Aufnahmen der erkennungsdienstlichen Fotos. Vorne links ist der Tisch zur Abnahme von Fingerabdrücken.
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Stasi-Untersuchungshaftanstalt in Berlin-Hohenschönhausen
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Haftbeschluss für den deutschen Journalisten Karl Wilhelm Fricke, 1955, mit Unterschrift des Stasi-Chefs Erich Mielke.

"Feindlich-negative Personen"

Wer für einen politischen Gegner des Systems der DDR oder allgemein des Sozialismus gehalten wurde, wurde in der Sprache der Stasi zu einer "feindlich-negativen Person". Sich mehrfach kritisch über das System der DDR zu äußern, konnte schon ausreichen, um als Gegner eingestuft und nun beobachtet zu werden. Wer einen Ausreiseantrag stellte oder in einer oppositionellen Gruppe mitarbeitete, gehörte ebenfalls zu den "Feinden".

Wurde man festgenommen, z. B. nach versuchter Republikflucht, kam man in Untersuchungshaft (U-Haft) der Stasi. Nun war man ein politischer Gefangener. Nach Schätzungen gab es im Laufe der Zeit 200.000 Menschen, die aus politischen Gründen in der DDR in Haft saßen. Knapp 34.000 von ihnen wurden durch die Bundesrepublik freigekauft.

Verhöre

Wer in U-Haft saß, wurde immer wieder verhört. Die Schuld des Verhafteten stand aus Sicht der Stasi sowieso schon fest. Das Ziel war nicht die unvoreingenommen Untersuchung des "Strafbestands", sondern von dem Gefangenen Informationen zu erhalten, die (anders als die illegal beschafften Informationen) vor Gericht verwertet werden konnten.

Die Methoden der Zersetzung fanden auch in Verhören Anwendung. Man versuchte, den Gefangenen zu verunsichern und Ängste zu schüren. Stundenlang mussten die Gefangenen auf einem ihnen zugewiesenen Platz verharren, ohne dass sie wussten, was weiter geschah. Oft wussten sie nicht einmal, in welche Stadt sie gebracht worden waren. Wenn andere Familienangehörige ebenfalls verhaftet worden waren, erfuhren sie nicht, wo diese waren.

Haftbedingungen

Auch in der Zelle war der Gefangene Maßnahmen der Zersetzung ausgeliefert. So erzeugte man etwa Geräusche und Lichteffekte, die zu Schlaflosigkeit, Angstzuständen oder Desorientierung führen sollten. Einzelhaft, nächtliche Verhöre oder andere Schikanen wie die willkürliche Änderung der Temperatur in der Zelle gehörten zum Alltag der politischen Gefangenen.

Gefängnisse der Stasi

Das Ministerium für Staatssicherheit betrieb in jedem Bezirk eine eigene Untersuchungshaftanstalt. Bis zur Verurteilung wurden die politischen Gefangenen hier inhaftiert. Das zentrale Untersuchungsgefängnis befand sich in Berlin-Hohenschönhausen. Nach der U-Haft wurden die politischen Gefangenen in "normale" Gefängnisse verlegt. Politische Gefangene wurden jedoch besonders häufig in Bautzen inhaftiert. Frauen, die aus politischen Gründen inhaftiert waren, kamen meistens in das Frauengefängnis Hoheneck.

Zu den gesetzlichen Grundlagen der politischen Haft siehe Justiz.

 

Beim Hellen Köpfchen erzählt Karl-Heinz Richter von seiner Zeit im Stasi-Gefängnis.


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