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Bürgerrechtler und Dissidenten


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Marianne Birthler, Mitglied der IFM, bei einer Großdemonstration am 4. November 1989
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Robert Havemann 1960
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Jens Reich, Mitglied des Neuen Forums
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Bärbel Bohley, Mitbegründerin des Neuen Forums

Dissidenten und Bürgerrechtler übten öffentlich Kritik am System der DDR. Sie nahmen dafür bewusst Nachteile in Kauf. Als Dissidenten bezeichnet man Systemkritiker in Diktaturen. Bürgerrechtler setzen sich insbesondere für die Menschen- und Bürgerrechte ein. In der DDR sahen sie diese verletzt. In den 1980er Jahren entstanden in der DDR immer mehr Gruppen von Bürgerrechtlern. Sie hatten großen Anteil an der friedlichen Revolution von 1989.

Systemkritik von links

Unter den Kritikern waren viele, die sich als Anhänger des Marxismus verstanden und durchaus für den Aufbau eines sozialistischen Staates waren - aber die Ausführung und damit den "real existierenden Sozialismus" missbilligten. Bekannte Systemkritiker waren z. B. Rudolf Bahro und Robert Havemann. Auch Künstler wie Wolf Biermann, Stephan Krawczyk oder Stefan Heym gehörten dazu.

Verfolgung

Die Dissidenten wurden vom Ministerium für Staatssicherheit verfolgt. Während unter Ulbricht Verhaftungen und offener Staatsterror angewandt wurden, setzte man ab den 1970er Jahren auf eine andere Methode, die man als "Zersetzung" bezeichnet. Die Verfolgten wurden dabei seelisch zermürbt. Man vermied Inhaftierungen und offene Gewalt, um den internationalen Ruf nicht zu gefährden.

Beispiel Robert Havemann

Robert Havemann war Professor für Chemie an der Humboldt-Universität Berlin. Schon in den 50er Jahren war er durch Kritik aufgefallen. Als er im Wintersemester 1963/64 eine systemkritische Vorlesungsreihe über "Naturwissenschaftliche Aspekte philosophischer Probleme" hielt, wurde ihm Lehr- und schließlich Berufsverbot erteilt und wurde aus der SED ausgeschlossen.

Die erzwungene Ausbürgerung von Wolf Biermann 1976 kritisierte Havemann heftig. Er richtete einen öffentlichen Appell an Erich Honecker, der im westdeutschen Nachrichtenmagazin Der Spiegel veröffentlich wurde. Daraufhin wurden er und seine Familie am 26. November 1976 unter Hausarrest gestellt. Sie durften bis zum Mai 1979 ihr Haus nicht mehr verlassen. Rund um die Uhr wurden sie überwacht, auch nach Aufhebung des Hausarrests.

1982 veröffentlichte Havemann zusammen mit Rainer Eppelmann den Berliner Appell. Sie warnten darin vor einem Atomkrieg und forderten zur Abrüstung in Ost und West auf. Gefordert wurde außerdem das Recht auf freie Meinungsäußerung. 35 DDR-Bürger unterzeichneten den Berliner Appell, der ebenfalls im Westen veröffentlicht wurde.

Initiative Friede und Menschenrechte (IFM)

Eine der ersten Bürgerrechtsgruppen, die sich regelmäßig traf, war die Initiative Friede und Menschenrechte, die 1986 in Ost-Berlin gegründet wurde. Zu den Gründungsmitgliedern gehörten Bärbel Bohley, Werner Fischer, Ralf Hirsch, Gerd und Ulrike Poppe und Wolfgang Templin. Die IFM gab eine Zeitschrift heraus, den "grenzfall". Sie musste als Samisdat, eine politische Untergrundzeitschrift, heimlich gedruckt werden. Man arbeitete auch mit der Umweltbibliothek zusammen (siehe 1987). 1988 wurden mehrere Mitglieder der IFM verhaftet und in den Westen abgeschoben (1988).

Bürgerbewegungen 1989

Die Bevölkerung reagierte auf die Verhaftungen mit Protestaktionen, Mahnwachen und Fürbittengottesdiensten in mehr als 25 Städten. Im Herbst 1989 wurden dann weitere Bürgerbewegungen gegründet, darunter am 9. September 1989 im Haus von Katja Havemann, der Witwe von Robert Havemann, das Neue Forum. Das Neue Forum wurde der größte und bekannteste Zusammenschluss von Bürgerrechtlern. Am 8. November 1989 ließ die SED das Neue Forum als politische Gruppierung zu.

Am 12. September 1989 wurde die "Bürgerbewegung Demokratie Jetzt" gegründet, am 1. Oktober folgte der "Demokratische Aufbruch" und am 7. Oktober 1989 eine Gruppe zur Gründung einer Sozialdemokratischen Partei (SDP). Alle forderten einen Rechtsstaat, Gewaltenteilung und Demokratie für die DDR.

Über die Zeitschrift "grenzfall" und die Oppositionsarbeit der IFM gibt es einen Comic, siehe Buchtipps.


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