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Jugend in Opposition


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Schauprozess gegen neun Jugendliche am 15. Juni 1949: Sie sollen versucht haben, die Wahlen zum Volkskongress zu behindern. Der 19-jährige Student Jürgen Gerull wurde als Urheber der Aktion angeklagt.
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Mit einem Schüler-Druckkasten fertigt Hermann Flade Flugblätter gegen die undemokratischen Wahlen zur Volkskammer am 15. Oktober 1950.
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Fahndungsplakat nach Hermann Flade
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Die Mitglieder des Eisenberger Kreises schreiben ihre politischen Forderungen auf einen Eisenbahnwaggon, so wie hier am 21. Oktober 1956. So sind sie öffentlich für alle sichtbar. Die Losung "Wie fordern Freiheit" bezieht sich auf die Volksaufstände in Ungarn und Polen.
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Mit einem Stempelkasten für Kinder fertigt der Eisenberger Kreis im November 1956 dieses Flugblatt zum Aufstand in Ungarn an.

Gerade junge Menschen lehnten sich gegen das unmenschliche und undemokratische Regime der DDR auf. Schon in der Sowjetischen Besatzungszone gab es unter Jugendlichen und Studenten Widerstand. Der setzte sich vor allem Anfang der 1950er Jahre fort. In den 1970er Jahren waren es ebenfalls viele junge Menschen, die oppositionelle Gruppen gründeten oder sich ihnen anschlossen, insbesondere in der Kirche und in Umwelt- und Friedensgruppen.

Die Belter-Gruppe

An der Universität Leipzig entstand 1949 eine Widerstandsgruppe. Um Herbert Belter versammelten sich Studenten, die nicht bereit waren, in die FDJ einzutreten. Ihr Protest richtete sich auch gegen die Auflösung des gewählten Studentenrates, der mit FDJ-Mitgliedern neu besetzt wurde. Die Studenten verteilten Flugblätter, in denen sie sich gegen die für den 15. Oktober 1950 geplanten, undemokratischen Volkskammerwahlen wandten.

Belter und neun weitere Studenten wurden am 4. Oktober 1950 verhaftet und vor ein sowjetisches Militärgericht gestellt. Belter wurde zum Tode verurteilt, die anderen zu mindestens 25 Jahren Zwangsarbeit in sowjetischen Lagern. Herbert Belter wurde im April 1951 hingerichtet, die anderen kamen 1955 in die Bundesrepublik frei.

Hermann Flade

Hermann Flade protestierte ebenfalls gegen die Scheinwahl 1950. Der 18-jährige fertigte mit einem Schülerdruckkasten Flugblätter an, die er in seinem Wohnort Olbernhau (Erzgebirge) an Hauswände und Laternenmasten klebte. Am 14. Oktober überraschte ihn eine Streife der Volkspolizei. Als diese ihn festnehmen wollte, stach Flade mit seinem Taschenmesser auf die Arme und den Rücken des einen Polizisten ein und floh.

Mit Plakaten (siehe links) wegen "Mordversuchs" wurde er gesucht und bei einer Großfahndung am 16. Oktober festgenommen. In einem Schauprozess wurde Flade im Januar 1951 wegen "Boykotthetze" und versuchten Mordes zum Tode verurteilt. Das Urteil sorgte für großes Aufsehen und Proteste. Die SED lenkte schlißlich ein und ließ die Wiederaufnahme des Verfahrens zu, in dem Flade nun zu 15 Jahren Haft verurteilt wurde. 1960 wurde er aufgrund einer Amnestie entlassen.

Die Werdauer Oberschüler

Gegen die Scheinwahlen von 1950 und gegen die Einparteienherrschaft der SED richtete sich auch der Protest einer Gruppe Oberschüler aus Werdau. 19 Schüler stellten sich in die Tradition der Weißen Rose, einer Widerstandsgruppe von Studenten in der Zeit des Nationalsozialismus. Auch sie verteilten Flugblätter und riefen zum Widerstand gegen die SED-Diktatur auf. Sie protestierten auch gegen das Todesurteil von Hermann Flade.

Im Mai 1951 wurden die Schüler verhaftet, im Oktober zu Haftstrafen zwischen 2 und 15 Jahren verurteilt. Sechs von ihnen waren noch minderjährig. Die Eltern durften ihre Kinder nicht sehen und wurden aus dem Gerichtsgebäude geprügelt.

Eisenberger Kreis

In Eisenberg (Thüringen) wurde 1953 eine Widerstandsgruppe gegründet. Ihr gehörten rund 30 Jugendliche an, darunter Thomas Ammer. Ihr Protest richtete sich zunächst gegen den Verweis mehrerer Schüler von der Oberschule, weil sie der Jungen Gemeinde angehörten. Später forderten sie freie Wahlen und machten mit Flugblättern auf politische Willkür aufmerksam. 1958 kam es zu einer Verhaftungswelle, 24 junge Leute wurden schließlich zu Haftstrafen bis zu 15 Jahren verurteilt. Ammer wurde 1964 von der Bundesrepublik freigekauft.

Neue Bewegungen in den 1970er Jahren

Bis zum Mauerbau 1961 verließen viele junge Intellektuelle die DDR. Auch die harten Urteile mögen abschreckend gewirkt haben. Der Protest ließ in den 1960er Jahren jedenfalls nach. Er flammte merklich erst Mitte bis Ende der 1970er Jahre wieder auf. In dieser Zeit entstand die Friedens- und Umweltbewegung. Eine neue Generation junger Menschen wollte sich nicht mehr alles gefallen lassen.

Friedensgruppen

Anfang der 1980er Jahre bildeten sich weitere Friedensgruppen, z. B. in Dresden um Johanna Kalex (1982) oder die Jenaer Friedensgemeinschaft (1983), zu der auch Roland Jahn gehörte.


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