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Endlich ein Telefon!


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Telefonleitungen verliefen oberirdisch und waren in der DDR aus dem anfälligen Stahl (Limbach 1983)
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Hinweisschild in einer Telefonzelle. Ausstellung im Museum für Kommunikation Frankfurt/Main
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Zum Telefonieren konnte man auch ins Postamt gehen (Postamt 1954 in Berlin-Biesdorf)
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DDR-Telefon

Selbst 1989 besaßen nur elf von 100 DDR-Bürgern ein Telefon. Jahrelang musste man nach der Bestellung darauf warten - zehn bis 25 Jahre. Als die DDR 1990 aufhört zu existieren, gibt es noch 1,6 Millionen unbearbeitete Anträge...

Nach dem Krieg

Nach Ende des Zweiten Weltkriegs bauten die sowjetischen Besatzer alle fernmeldetechnischen Anlagen ab und brachten sie als Reparationen nach Russland. Selbst die privaten Telefone wurden in vielen Orten eingesammelt. Langsam begann darum der Wiederaufbau des Telefonnetzes. Bis zur Mitte der 1950er Jahre musste (wie in der Bundesrepublik) jede Verbindung einzeln gestöpselt werden, erst dann setzte sich das Selbstwahlsystem durch. Fernverbindungen wurden auch später noch per Hand gestöpselt.

Stahl- statt Kupferdraht

Anders als im Westen versäumte man in der DDR jedoch ein modernes Telefonnetz aufzubauen. Viele Orte blieben telefonisch nicht erreichbar. Die Telefonleitungen aus Stahl - billiger als der übliche Kupferdraht - leiteten schlecht, was zu schlechten Verbindungen führte. Im Winter war es besonders schlimm, wenn die blanken Drähte in der Luft vereisten. Zudem mangelte es auch an Vermittlungsstellen.

Auf dem Land

Wer auf dem Dorf wohnte, musste ein "berechtigtes Interesse" an einem Telefonanschluss nachweisen. So bekamen z. B. der Arzt und der Pfarrer ein Telefon. Außerdem wurden in wenigen Privathaushalten Telefone angeschlossen, die dann zu öffentlichen Fernsprechern wurden. Ein Schild am Zaun verkündete, dass man hier telefonieren könne. Außerdem konnte man noch in der Post telefonieren.

In der Stadt

In der Stadt und insbesondere in Berlin war es einfacher, einen Telefonanschluss zu bekommen. Vor allem in den neuen Plattenbauten war ein Anschluss meist schon vorgesehen. Mehrere Wohnungen teilten sich jedoch einen Anschluss, sodass man nur telefonieren konnte, wenn das andere Telefon frei war.

Öffentliche Telefonzellen

Um den Mangel an Telefonen zu lindern, wurden in den 1960er Jahre Telefonzellen aufgestellt. Vor diesen bildeten sich abends oft lange Schlangen. Ein Schild wies darauf hin, dass man nicht allzu lang telefonieren solle: Fasse dich kurz! Oft gingen die Telefone in diesen Zellen kaputt, denn die Technik war alt und anfällig. So war die Instandhaltung teuer und täglich waren viele Fernmeldetechniker unterwegs, um sie zu reparieren.

Vorwahl

Es gab kein einheitliches Vorwahlsystem. In einem Ort konnte es mehrere Vorwahlen geben, je nachdem, von wo aus man dort anrief. Es gab zwei- und dreistellige Vorwahlen. Wer in den Westen telefonieren wollte, musste das Gespräch über das Fernmeldeamt vermitteln lassen. Nur in Berlin war es möglich, direkt in der Bundesrepublik anzurufen.

Ansagedienste

Automatische Ansagedienste waren in der DDR besonders beliebt. Da konnte man sich die Wettervorhersage und das Kinoprogramm genauso ansagen lassen wie Informationen zur Berufsberatung bekommen, Lottoergebnisse oder Kurznachrichten hören.

Mithören

Oft gab es bei Telefonaten Mithörer - die Stasi. Mit riesigem Aufwand wurden unzählige Telefonanschlüsse angezapft und verwanzt. Das galt natürlich vor allem für die Leitungen in den Westen. Nur 111 davon gab es von DDR-Seite aus. Die Stasi nutzte übrigens wie auch das Militär oder die Partei ein eigenes Telefonnetz. Die wurden besser ausgebaut und mit neuerer Technik ausgestattet als das Netz für die Bürger.


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