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Hintergrundbild Epoche

Wie shoppen die Menschen um die Jahrhundertwende?


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Die meisten Kaufhäuser hatten tolle Galerien und waren mehrstöckig. Hier reichte es oft schon, nur zu gucken.
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Das Warenhaus Tietz in Berlin erinnert an einen Palast.
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Das Kaufhaus Harrods in London zeigt sich noch heute im Glanze alter Zeiten.

Heute sagen wir "shoppen", vor hundert Jahren hieß es wohl einkaufen oder einholen gehen. Gemeint ist das Gleiche. Schon Mitte des 19. Jahrhunderts änderte sich das Einkaufsverhalten der Menschen zumindest in der Großstadt. Anstelle kleiner Ladengeschäfte entstanden die großen Waren- und Kaufhäuser mit all ihren Reizen und Verführungen.

Warenhäuser entstanden

Die Idee des Warenhauses stammte aus Frankreich. Hier entstanden schon um die Mitte des 19. Jahrhunderts große Geschäfte, die über einzelne Abteilungen mit einem sehr großen Warenangebot verfügten. Bis im Deutschen Reich solche Großwarenhäuser üblich wurden, dauerte es noch eine Zeit. Doch Ende des 19. Jahrhunderts gab es auch im Kaiserreich sehr viele Warenhausgründungen.

Ein Ausflug ins Warenhaus war eine Reise in die Welt des Reichtums

Diese Warenhäuser waren oft gleichzeitig architektonische Meisterwerke und prägten die Stadtbilder der Innenstädte. So kamen viele Menschen nicht nur, um im Warenhaus einzukaufen, sondern sahen das als einen Ausflug in eine Welt der Schönheit und des Reichtums. Viele Kaufhäuser verfügten über lichtdurchflutete Innenhöfe mit mehrstöckigen Galerien, so wie du hier auf der linken Abbildung sehr gut erkennen kannst.  Es gab schon Rolltreppen und Fahrstühle, es glitzerte und schimmerte und für viele war der Besuch eines Warenhauses ein wichtiges Ereignis im Leben und ein tolles Freizeitvergnügen.

So war unser heutiges "Shopping" - auch wenn man es anders nannte - schon vor 100 Jahren durchaus "in" und eine Freizeitbeschäftigung.

Viele Warenhäuser gehörten Menschen jüdischen Glaubens

Vielen Warenhäuser waren übrigens Gründungen von jüdischen Kaufleuten, sodass die großen Warenhausketten der Jahrhundertwende und den Jahrzehnten vor Beginn des Nationalsozialismus in jüdischem Besitz waren. Das hatte  einen historischen Grund. Da Juden über viele Jahrhunderte aus sehr vielen Berufen ausgegrenzt worden waren und auch keine Mitglieder der Zünfte und Gilden werden durften, mussten sie auf die Berufe zurückgreifen, die ihnen noch offen standen. Dazu zählte eben der Beruf des Kaufmanns. So wurden viele Juden Kaufleute und waren mit diesem Geschäft auch sehr erfolgreich. Eine Tatsache, die wieder den Neid vieler nichtjüdischer Kaufleute hervorrief und seinen Höhepunkt mit schrecklichen Folgen zur Zeit des Nationalsozialismus erlangte. Doch Neid auf die jüdischen Kaufhausbesitzer gab es auch schon sehr viel früher und wurde von den Nationalsozialisten letztlich aufgegriffen.

Wertheim und Tietz kannte jeder

Nach Vorbild der Pariser Kaufhäuser entstanden in vielen deutschen Städten ebenfalls Kaufhäuser wie zum Beispiel die Warenhäuser Wertheim oder Tietz. Im Unterschied zu den kleinen Läden und Geschäften legten die Warenhäuser ihre Preise fest. Für die Kunden war das ein Vorteil, denn sie konnten die Waren anschauen, gegebenenfalls prüfen und mussten auch nicht kaufen. Das Feilschen um den Preis entfiel aufgrund der Festpreise. Zu den weiteren Kaufhausgründern gehörten Rudolph Karstadt und Adolf Jandorf, der 1907 in Berlin das Kaufhaus des Westens gründete. Dieses zählt heute gemeinsam mit Harrods in London und dem Kaufhaus Macys in New York zu den größten Warenhäusern der Welt.

Doch um die Jahrhundertwende durften Tietz und Wertheim diese Auszeichnung ebenfalls für sich in Anspruch nehmen.


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