Hintergrundbild Epoche

Auswanderung der Juden


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Von 1932 bis 1934 konnten Juden noch relativ problemlos auswandern, doch viele taten es nicht. Hier ein Gruppe jüdischer Auswanderer mit dem Ziel Palästina.
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Polnische Juden, die aus Nürnberg ausgewiesen wurden.
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Diese jüdische Familie hat es geschafft und ist wohlbehalten in den USA gelandet. So viel Glück hatten allerdings nur wenige.

Die meisten der Juden, die auswanderten, waren noch jung. Verständlich, denn die älteren Leute hingen wesentlich mehr an ihrer alten Heimat, ihren Freunden und Bindungen. Auch wäre es ihnen sehr viel schwerer gefallen, Arbeit zu finden und mit einem neuen Leben in einem anderen Land zu beginnen. So wanderten bis zum November 1938 circa 169 000 Juden aus Deutschland aus.

Grenzländer

Viele suchten sich zunächst Länder aus, die an Deutschland angrenzten. Man ging ja davon aus, schnell zurückkehren zu können. Das waren zum Beispiel Polen und die Tschechoslowakei im Osten oder auch Frankreich im Westen. Ebenso Holland und Belgien und auch die Schweiz. Auch England war für manche Ziel der Auswanderung oder gar, sehr viel weiter, die Vereinigten Staaten.

Palästina - Warum dorthin?

Manche Juden wählten Palästina als Ziel ihrer Auswanderung. Doch für die meisten deutschen Juden war Palästina vor 1933 kein mögliches Ziel ihrer Auswanderung. Das Land benötigte für den Aufbau in erster Linie Handwerker und Bauern. Die jüdischen Bildungsbürger aus Deutschland, die Kaufleute und Künstler, die fliehen mussten und dringend nach einer neuen Heimat suchten, waren dort gar nicht willkommen. Viele Juden sahen in Palästina keine Zukunft für sich und ihre Familien. Was hätten sie dort tun können? Sie waren keine Arbeiter, sie waren keine Handwerker.

Eine Notlösung

Erst in der Not erkannten die deutschen Juden, dass Palästina für sie ein Zufluchtsort sein konnte. Sie gingen nicht, weil sie es wollten, sondern aus Zwang, um ihr Leben zu retten. So lautete ein jüdischer Witz, mit denen man Neuankömmlinge in Palästina begrüßte, folgendermaßen: "Kommst du aus Überzeugung oder kommst du aus Deutschland?"

Ohne Geld - keine Auswanderung

Besser ausgebildete Juden mit Besitz hatten erhöhte Chancen, in anderen Ländern aufgenommen zu werden. Deutsche Naturwissenschaftler waren willkommen, aber auch andere deutsche Akademiker mit guter Ausbildung. Vor allem die Juden, die sich schon früh um ihre Auswanderung gekümmert hatten, konnten sich noch "frei kaufen", weil ihr Besitz  nicht von den Nationalsozialisten eingezogen war. Für all die, die kein oder weniger Geld hatten, die nicht so gut ausgebildet waren oder arm, wurde eine Auswanderung erschwert. Und je länger das NS-Regime regierte, desto schwieriger bis gar unmöglich wurde es für die Juden, ihr Vermögen ins Ausland zu retten.

So manches Land nahm die jüdischen Flüchtlinge nicht aus Nächstenliebe auf, sondern weil man sich Vorteile durch die jüdischen Einwanderer erhoffte. Hatten sie nichts auf dem Konto, dann wurden sie auch nicht aufgenommen.


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