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Willy Brandt
* Geboren:
18. Dezember 1913 in Lübeck
† Gestorben:
8. Oktober 1992 in Unkel
Beruf:
Journalist, Bundeskanzler (SPD)
Befreundet mit:
Egon Bahr
Beziehungsstatus:
verheiratet mit Carlota (1941-48), Rut (1948-80), Brigitte (ab 1983)
Kinder:
Ninja, Peter, Lars, Matthias
Hobbys:
Hunde
Besondere Kennzeichen:
Markante Stimme

Wer war er?

Willy Brandt wurde 1969 Bundeskanzler der Bundesrepublik Deutschland. Er war der erste sozialdemokratische Bundeskanzler. Er trug maßgeblich dazu bei, dass sich mit der "Neuen Ostpolitik" das Verhältnis der beiden deutschen Staaten entspannte. Sein Kniefall von Warschau als Geste der Demut schrieb Weltgeschichte.

Kindheit und Jugend

Als Herbert Frahm wurde Willy Brandt am 18. Dezember 1913 in Lübeck geboren. Er war das uneheliche Kind von Martha Frahm. Seinen Vater lernte er nie kennen. Zu einem Ersatzvater wurde ihm der Stiefvater seiner Mutter, Ludwig Frahm. Bei ihm und dessen Frau Dora blieb der junge, als eine Mutter 1927 heiratete und einen zweiten Sohn bekam. Ludwig Frahm gehörte der SPD an und kandidierte 1926 und 1929 für die Lübecker Bürgerschaft.

Seit 1925 gehörte Herbert der Kindergruppe der Sozialistischen Jugend Deutschlands (SJD - die Falken) an, seit 1929 der Sozialistischen Arbeiter-Jugend (SAJ). In der SPD-Zeitung "Lübecker Volksbote" veröffentlichte er schon als 13-jähriger erste Artikel. 1932 machte er sein Abitur. Er wollte gerne Journalist werden, doch für ein Studium fehlte ihm das Geld. So begann er 1932 ein Volontariat bei einer Reederei und Spedition in Lübeck.

In der SAP - Arbeit im Untergrund - Exil in Norwegen - Rückkehr

1930 trat er der SPD bei, verließ diese 1931 aber schon wieder und schloss sich der Sozialistischen Arbeiterpartei Deutschlands (SAPD oder SAP abgekürzt) an. Diese Partei hatte sich im Oktober 1931 am linken Flügel von der SPD abgespalten. Sie vertrat linkssozialistische und marxistische Ziele. Sie wurde von den Nationalsozialisten 1933 verboten. Aus dem Untergrund wollte man weiter gegen die Nationalsozialisten kämpfen.

Herbert Frahm erhielt die Aufgabe, in Oslo (Norwegen) eine Zelle der Organisation aufzubauen. In Norwegen arbeitete er für mehrere norwegische Zeitungen. 1934 legte er scih den Decknamen Willy Brandt zu. Unter einem Pseudonym reiste er 1936 als norwegischer Kriegsberichterstatter nach Deutschland, 1937 berichtete er über den spanischen Bürgerkrieg.

1938 erkannten die Nationalsozialisten ihm die deutsche Staatsbürgerschaft ab. Bei der deutschen Besetzung Norwegens 1940 gelang ihm die Flucht nach Schweden. In Stockholm gründete er eine Presseagentur. Er bekam im August 1940 die norwegische Staatsbürgerschaft zugesprochen, blieb aber bis Kriegsende in Stockholm. Als Korrespondent kehrte er 1945 zurück nach Deutschland und berichtete über die Nürnberger Prozesse. 1948 erhielt er die deutsche Staatsbürgerschaft zurück, 1949 ließ er den Namen Willy Brandt offiziell anerkennen.

Bürgermeister von Berlin, Kanzlerkandidat, Außenminister

1949 wurde er Abgeordneter für die SPD im Bundestag, ab 1950 gehörte er auch dem Abgeordnetenhaus von Berlin an. 1957 wurde er zum Regierenden Bürgermeister Berlins gewählt. Hier erreichte er große Popularität. 1961 trat Brandt erstmals als Kanzlerkandidat der SPD gegen den amtierenden Bundeskanzler Adenauer an. Die SPD gewann zwar deutlich an Stimmen dazu, doch die CDU regierte weiter.

1964 übernahm Brandt den Parteivorsitz der SPD und behielt diesen bis 1987. 1965 kandidierte er erneut für das Amt des Bundeskanzlers, unterlag aber diesmal Ludwig Erhard. 1966 wurde Kurt Georg iesinger zu Erhards Nachfolger gewählt und bildete die erste Große Koalition in der Bundesrepublik. Brandt wurde Außenminister und Vizekanzler und zog nach Bonn.

Bundeskanzler

Bei der Bundestagswahl 1969 trat Brandt nun gegen Kiesinger an. Obwohl die CDU/CSU erneut stärkste Fraktion wurde, hatten SPD und FDP gemeinsam mehr Stimmen und bildeten nun die erste sozialliberale Koalition. Brandt wurde der erste sozialdemokratische Bundeskanzler. Eine Woche anch seiner Wahl kündigte er ein umfangreiches Reformprogramm an.

Mit seinem Staatssekretär Egon Bahr und Außenminister Walter Scheel (FDP) gilt Brandt als Vater der Entspannungspolitik, die als Neue Ostpolitik in die Geschichte eingeht. Das Verhältnis zu den Ostblockländern und insbesondere zur DDR lockert sich, die beiden deutschen Staaten kommen ins Gespräch. Brandts Kniefall von Warscheu am 7. Dezember 1970 findet weltweit Beachtung und Anerkennung. 1971 erhielt Brandt für seine Ostpolitik den Friedensnobelpreis. Innenpolitisch wagt Brandt "mehr Demokratie" und stößt Reformen in der Sozial- Bildungs- und Rechtspolitik an.

Von Seiten der Konservativen erntete er Kritik für sein Ostpolitik, weil diese nach ihrer Meinung zu einer Anerkennung der DDR als Staat führe, was diese ablehnten. Einige Abgeordnete des Koalitionspartners FDP oder auch der SPD wechselten darum zur CDU. Dadurch verlor die Koalition ihre Mehrheit, die eh nur aus 12 Stimmen standen hatte. Nun aber hatte die CDU eine Mehrheit von zwei Stimmen.

Misstrauensvotum und Vertrauensfrage

Sie stellte den Antrag für ein Misstrauensvotum. Gegen Brandt trat Rainer Barzel (CDU) an. Doch Barzel erhielt überraschend nur 247 Stimmen statt der erforderlichen 249, die die absolute Mehrheit ausgemacht hätten. Zwei Abgeordnete der CDU/CSU hatten also nicht für Barzel gestimmt. Nach dem Ende der DDR kam heraus, dass die Stasi ihre Hände im Spiel gehabt hatte: Sie hatte Abgeordnete bestochen, sich zu enthalten.

An der Situation im Bundestag, dass keine Fraktion eine Mehrheit besaß und Abstimmungen damit schwierig waren, hatte sich nichts geändert. So stellte Brandt schließlich die Vertrauensfrage. Die Mitglieder der Regierung enthielten sich der Stimme. Somit wurde die Niederlage bewusst herbeigeführt, um den Weg für Neuwahlen frei zu machen. Es stimmten 233 der Abgeordneten für Brandt und 248 gegen ihn. Der Bundestag wurde aufgelöst, Neuwahlen fanden am 19. November 1972 statt.

Kabinett Brandt II - Rücktritt

Die Bundestagswahl im November 1972 gewann Brandt, die SPD wurde erstmals stärkste Fraktion im Bundestag. Im Dezember wurde der Grundlagenvertrag mit der DDR geschlossen, ein wichtiger Meilenstein in der Neuen Ostpolitik. Die Ölkrise und der damit verbundene Abschwung der Wirtschaft fallen ebenfalls in die Zeit von Brandts zweitem Kabinett. Auslöser für Brandts Rücktritt am 6. Mai 1974 war die Enttarnung des DDR-Spions Günter Guillaume, der seit 1972 als persönlicher Referent von Brandt garbeitet hatte. Brandt übernahm mit seinem Rücktritt die Verantwortung. Doch auch Brandts angeschlagene Gesundheit war wohl mit ausschlaggebend für die Entscheidung zum Rücktritt.

Nach der Kanzlerschaft

Brandt behielt seinen Parteivorsitz bis 1987 und war weiterhin politisch aktiv. So war er von 1979 bis 1983 Mitglied im Europäischen Parlament. Bis zu seinem Tod am 8. Oktober 1992 blieb Brandt Abgeordneter im Bundestag.
 
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