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Rudi Dutschke
* Geboren:
7. März 1940 bei Luckenwalde
† Gestorben:
24. Dezember 1979 in Aarhus, Dänemark
Beruf:
Soziologe
Befreundet mit:
Gaston Salvatore, Helmut Gollwitzer
Beziehungsstatus:
verheiratet mit Gretchen
Kinder:
Hosea Ché, Polly-Nicole, Rudi-Marek
Hobbys:
Sport
Besondere Kennzeichen:
lange Haare mit Seitenscheitel, bunte Pullis und Hemden

Wer war er?

Rudi Dutschke war der bekannteste Wortführer der Studentenbewegung Ende der 60er Jahre (68er-Bewegung). Die Springer-Presse hetzte gegen ihn besonders stark. 1968 wurde er bei einem Attentat schwer verletzt. An dessen Folgen starb er 1979.

Jugend und Studium

Rudi Dutschke wurde 1940 in Schönefeld bei Luckenwalde geboren. Hier wuchs er auf. Ab 1945 gehörte sein Heimatort zur Sowjetischen Besatzungszone, ab 1949 zur DDR. Neben Aktivitäten für die Junge Gemeinde betrieb Dutschke als Jugendlicher intensiv Sport. Im Zehnkampf belegte er in der DDR-Jugend der DDR sogar einen dritten Platz. Weil er nicht groß genug war für eine Profilaufbahn als Sportler, beschloss er, Sportreporter zu werden.

Doch, obwohl Mitglied in der FDJ, änderte sich seine Einstellung zur DDR, insbesondere nach dem Ungarn-Aufstand 1956, der mit sowjetischer Hilfe blutig nidergeschlagen wurde. In einer Rede vor der Schülerschaft setzte sich Dutschke öffentlich für die Wiedervereinigung Deutschlands und einen demokratischen Sozialismus ein. Außerdem sprach er sich gegen den Wehrdienst in der Nationalen Volksarmee aus. Daraufhin wurde ihm nach dem Abitur 1958 ein Studienplatz verweigert. Dutschke entschloss sich zu einer Ausbildung als Industriekaufmann.

Im Anschluss an die Ausbildung erhielt er weiterhin keinen Studienplatz. So beschloss er, im nahen West-Berlin zu studieren. Er musste zunächst das West-Abitur ablegen, da das Abitur aus der DDR hier nicht anerkannt wurde. Weil man hier nicht Sportjournalismus studieren konnte, entschied er sich für das Fach Soziologie und schrieb sich an der Freien Universität ein.

Er zog in ein Zimmer im Westteil Berlins. Das war im Sommer 1961 zunächst noch möglich und wurde von vielen Studenten so gehandhabt. Am Wochenende fuhr Dutschke meist nach Hause zu seine Eltern. Als er sich am 6. August 1961 verabschiedete, ahnte er nicht, dass wenige Tage später eine Mauer ihn von seiner Familie trennen würde.

Studentenbewegung

Neben seinem Studium engagierte sich Dutschke schon früh politisch. Intensiv widmete er sich außerdem der Lektüre soziologischer und philosophischer Schriften. Bernd Rabehl wurde ein früher Weggefährte Dutschkes. Im Januar 1965 traten beide dem Sozialistischen Deutschen Studentenbund (SDS) bei, schon im Februar wurde Dutschke in den politischen Beirat des SDS gewählt und bestimmte nun dessen Richtung mit.

Dutschke organisierte zahlreiche Veranstaltungen und Demonstrationen mit, z. B. für Hochschulreformen und gegen den Vietnamkrieg oder die geplanten Notstandsgesetze. Nach dem Tod von Benno Ohnesorg bei den Anti-Schah-Demonstrationen am 2. Juni 1967 forderte der SDS den Rücktritt der Verantwortlichen bei der Polizei und die Enteignung des Springer-Verlages, den man wegen seiner aufhetzerischen Berichterstattung mit verantwortlich für den Tod des jungen Mannes machte.

Im Februar 1968 gehörte Dutschke zu den Organisatoren der Internationalen Vietnamkonferenz mit mehreren tausend Teilnehmern. Bei einer Gegendemonstration "Pro Amerika", die der Berliner Senat organisierte, wurden Plakate mit der Aufschrift "Volksfeind Nr. 1: Rudi Dutschke" getragen.

Durch Podiumsdiskussionen und Interviews war Dutschke inzwischen bundesweit bekannt. Er wurde zur Symbolfigur der "68er" und polarisierte die Öffentlichkeit. In den Zeitungen des Springer-Konzerns wurde er wegen seines "ungepflegten Äußeren" und seiner DDR-Herkunft verunglimpft. Mehr oder weniger direkt wurde zu Gewalt gegen die Anführer der Studentenbewegung aufgerufen, z. B. in der BILD-Zeitung vom 7. Februar 1968: "Man darf auch nicht die ganze Dreckarbeit der Polizei und ihren Wasserwerfern überlassen."

Das Attentat und die Zeit danach

Am 11. April schoss der junge Hilfsarbeiter Josef Bachmann vor dem SDS-Büro auf Dutschke. Er traf ihn in Kopf und Schulter. Dutschke überlebte knapp nach einer mehrstündigen Operation. Als Bachmanns Motiv vermutete man einen rechtsextremen Hintergrund, denn er trug eine solche Zeitung mit der Titelzeile "Stoppt den roten Rudi jetzt" bei sich. Bachmann wurde zu einer Zuchthausstrafe von sieben Jahren verurteilt. Er beging 1970 in der Haft Selbstmord.

Nach dem Attentat auf Dutschke kam es nicht nur in Berlin, sondern in der ganzen Bundesrepublik zu Demonstrationen. Auseinandersetzungen mit der Polizei endeten teilweise blutig. Die Woche vom 11. bis 17. April war von Unruhen gekennzeichnet.

Dutschke musste in einer Therapie das Sprechen neu lernen. Zur Genesung hielt er sich in der Schweiz, in Italien und Großbritannien auf. Er begann ein Studium in Cambridge, doch dann wurde ihm die Aufenthaltserlaubnis für England entzogen. Er zog daraufhin nach Dänemark und wurde Soziologieprofessor an der Universität Aarhus. Ab 1973 hielt er sich auch immer mal wieder in der Bundesrepublik auf. Bei Besuchen in Ost-Berlin nahm er Kontakt zu DDR-Oppositionellen wie Robert Havemann oder Rudolf Bahro auf.

In Berlin schloss er 1973 außerdem seine Doktorarbeit ab. Sie wurde ein Jahr später als Buch unter dem Titel "Versuch, Lenin auf die Füße zu stellen" veröffentlicht. Er spielt auf einen Ausspruch von Marx an, er wolle "Hegel vom Kopf auf die Füße stellen". In den folgenden Jahren nahm sein politisches Engagement wieder zu. Den Terrorismus der Rote Armee Fraktion lehnte er ab und befürwortete stattdessen den "langen Marsch durch die Institutionen". Er nahm an Anti-Atomkraft-Demonstrationen teil, hielt Vorträge und wurde 1979 Mitglied der Bremer Grünen Liste.

Am Heiligabend 1979 ertrank Rudi Dutschke während eines epileptischen Anfalls in seiner Badewanne. Der Anfall war eine Spätfolge des Attentats.
 
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