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Hintergrundbild Epoche

Gertrud


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Das ist Gertrud im Jahr 1918.
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Gertrud und ihre Schwestern

Ich heiße Gertrud und wurde am 3. November 1905 geboren. Heute ist der 10. November 1918. Ich bin also jetzt 13 Jahre alt. Ich wohne in Heringsdorf, das ist ein kleines Dorf nah an der Ostsee in Holstein. Der Herr Lehrer hat uns auf einer Karte gezeigt, wo Heringsdorf liegt: ganz weit im Norden des Deutschen Reiches.

Meine Eltern besitzen einen Bauernhof. Wir haben Schweine, Kühe und Hühner. Wir heißen übrigens Störtenbecker mit Nachnamen. Meine Großmutter sagt immer, dass wir von dem berühmten Seeräuber abstammen. Der soll ja auch auf Fehmarn einen Schatz versteckt haben. Da wohnen meine Großeltern. Meine Brüder Georg und August wollen ihn unbedingt finden, aber bis jetzt haben sie noch keine Spur.

Ich habe übrigens sechs Geschwister. Ich bin die zweitälteste nach Joachim. Nach mir kommen Thea, Anni, Georg, August und Emmi. Wir hatten noch einen Bruder, aber der ist gestorben, als er zwei Jahre alt war.

Von dem, was in der Welt passiert, bekommen wir hier nicht so viel mit. Auch vom Krieg nicht, zum Glück. Der ist nun endlich zu Ende. Das Gute hier auf dem Land ist, dass wir immer genug zu essen haben. Für frische Milch und Eier muss ich nur in den Stall gehen. Im Sommer fallen die Äpfel, Birnen und Kirschen direkt in unsere Münder… Und natürlich Erdbeeren, mmh. Das Getreide von unseren Feldern mahlen wir nach der Ernte und haben so unser eigenes Mehl. Im Backhaus duftet es dann bald lecker!

In den großen Städten soll es ganz schlimm sein im Moment. Das heißt, im Krieg war es das natürlich auch schon. Die Menschen hungern und werden krank. Aber wie es in so einer Stadt aussieht, kann ich mir gar nicht richtig vorstellen. Einmal war ich in Oldenburg, das ist die nächste, größere Stadt hier. Dort findet manchmal ein Markt statt. Meistens fährt mein Vater mit Joachim dorthin und ab und zu auch mit meiner Mutter. Dann wird die Kutsche angespannt und los geht es. Wir Kinder sind dann immer ganz schön aufgeregt und winken hinterher.

Bis zum nächsten Frühling gehe ich noch in die Schule. Hier in unserer Dorfschule gibt es nur eine Klasse. Jeden Morgen stehe ich um 6 Uhr auf, wasche mich, flechte meine Zöpfe und gehe mit meinen Geschwistern los. Nach Ostern gehe ich dann in Stellung. Mein Vater hat sich schon darum gekümmert. Ich komme zur Familie Sebendt in Neustadt. Dort lerne ich dann, wie man einen Haushalt führt.

Heute haben wir erfahren, dass der Kaiser weg ist. In Berlin haben sie die Republik ausgerufen. Was sich wohl daduch ändern wird? So ganz vorstellen kann ich mir nicht, was das bedeutet.


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