Hintergrundbild Epoche
Erich Kästner
Als ich ein kleiner Junge war

Der Schriftsteller Erich Kästner ist vor allem bekannt durch seine Kinderbücher, wie "Emil und die Detektive" oder "Das fliegende Klassenzimmer". Er wurde 1899 geboren. In "Als ich ein kleiner Junge war" erzählt Kästner, wie seine Eltern und Großeltern ihre Kindheit verlebt haben und wie er selber aufgewachsen ist. Das war die Zeit zwischen 1907 und 1914.

In seinem Vorwort schreibt Kästner, dass das nun fünfzig Jahre her sei und wie viel sich doch verändert habe. Für Kinder von heute sind diese Veränderungen natürlich noch viel größer - und inzwischen mehr als 100 Jahre her! Gerade darum ist es aber ungeheuer spannend zu hören, wie es damals war: Damals, als man noch eine Petroleumlampe anzünden musste, um Licht zu haben; als noch Pferdebahnen fuhren; als es noch keine Supermärkte gab. Über all dies schreibt Kästner in seinem unnachahmlichen Ton, immer mit einem Augenzwinkern und auch heute noch wunderbar zu lesen!

Erich Kästner: Als ich ein kleiner Junge war
dtv
Autobiografischer Roman - empfohlen ab 10 Jahren

Gabriele Beyerlein
Berlin, Bülowstraße 80a

Wie erging es Mädchen und Frauen um 1890 im Kaiserreich? Darum geht es in Gabriele Beyerleins Roman "Berlin, Bülowstraße 80a". Sophie will es anders machen als ihre Mutter und entkommt dem Regiment ihrer strengen Mutter nur durch eine Heirat, weit unter ihrem adligen Stand. Auch ihre Tochter Charlotte sucht schließlich ihren eigenen Weg. Sie will   Abitur machen, Medizin studieren und Ärztin werden. Und das will sie in einer Zeit, in der so etwas überhaupt nicht selbstverständlich ist, im Gegenteil: Mädchen ist der Zugang zu Hochschulen in Preußen verwehrt. Ob Charlotte es schafft, ihr Ziel zu erreichen?

Gabriele Beyerlein: Berlin, Bülowstraße 80a

Thienemann Verlag
Jugendroman - empfohlen ab 13 Jahre

Emmy von Rhoden
Der Trotzkopf

Der Trotzkopf ist ein Zeitdokument. Was heißt das? Als die im Jahr 1823 geborene Autorin Emmy von Rhoden dieses Mädchenroman geschrieben hat, sah das Leben der meisten Frauen und Mädchen noch ganz anders aus als heute.

Die Heldin des Romans heißt Ilse  und ist ein eigenständiges und widerspenstiges junges Mädchen, das eben ihren eigenen Kopf hat. Den Vorstellungen des Vaters und der Stiefmutter will sie sich nicht beugen. So  muss  sie auf Wunsch des Vaters ins Internat. Hier trifft sie auf Menschen, die  ihr ans Herz wachsen. Doch es zeigt sich, auch Ilse ist ein Kind ihrer Zeit, sie lernt sich anzupassen und zu fügen. Denn ein Mädchen, das sich nicht fügt, findet am Ende keinen Mann, was einer Katastrophe gleichkam. Um die Jahrhundertwende hatten die meisten Frauen wenige Möglichkeiten, eigenständig und sich selbstversorgend ihren Weg zu gehen. Vielleicht konnten sie  als Lehrerin wie Ilses Erzieherin Fräulein Güssow arbeiten. Ansonsten gab es fast keine Berufe für Frauen.

Der Trotzkopf geht eben genau den Weg, den Frauen um die Jahrhundertwende gehen mussten. Sie verliebt sich, findet einen Mann, mit dem sie sich sehr schnell verlobt und heiratet, um auch dem Elternhaus zu entkommen. Doch Ilse versucht im Rahmen ihrer Möglichkeiten, so zu leben, wie sie es sich vorstellt. Trotz aller Anpassung, ein Stück weit bleibt sie der Trotzkopf, der sie war, auch wenn dies nicht zu einer Revolte führt. Autorin und Heldin wagen es nicht, diesen Schritt zu gehen.

Aber es war schon etwas Besonderes, dass ein Mädchen tatsächlich zur Buchheldin wurde. Bücher, die für Kinder und Jugendliche geschrieben wurden, waren noch gar nicht so häufig. In dieser Zeit entstand auch die so genannte "Backfischliteratur" - dies waren Bücher für Mädchen im Alter von 16 und 17 Jahren. Wenn du den "Trotzkopf" liest, musst du immer denken, dass "der Trotzkopf" im Jahr 1885 geschrieben wurde. Dann besitzt das Buch durchaus seinen Reiz.

Emmy von Rhoden, Der Trotzkopf
Ueberreuter Verlag
Mädchenroman - empfohlen 10-12 Jahre

Gabriele Beyerlein
Es war in Berlin

Zwei junge Frauen unterschiedlicher sozialer Herkunft begegnen sich. Clara arbeitet in der Fabrik und Margarethe stammt aus adeligem Hause. Beide verbindet eines: sie wollen ihr persönliches Glück finden und wehren sich gegen Unterdrückung und Bervormundung der Frauen, wie sie um 1900 üblich ist. Das gilt für Arbeiterinnen genauso wie für Frauen aus Adel und Bürgertum. Mit dem Unterschied, dass letztere meist besser finanziell abgesichert sind.

Es ist die Zeit der Anfänge der Arbeiter- und der Frauenbewegung und wie auch in den voraus gegangenen Romanen der Autorin spielt die Geschichte wieder im Berlin, dem Brennpunkt der politischen Ereignisse dieser Zeit. Die Unterschiede zwischen den beiden Frauen sind groß. Private und politische Interessen verbinden sich. Und dann verlieben sie sich auch noch in denselben Mann. Kann dies gut gehen? Wer etwas über die gesellschaftlichen Verhältnisse dieser Zeit erfahren und gleichzeitig einen spannenden Roman such, sollte diesen Roman aus einer wichtigen Zeit des Umbruchs lesen.

Gabriele Beyerlein, Es war in Berlin
Thienemann
empfohlen ab 13 Jahren

Frances Hodgson Burnett
Der geheime Garten

Der geheime Garten macht das England um die Jahrhundertwende zum Thema. Hier regiert die Königin Viktoria. Es ist die Zeit der Kolonien und vor allem Großbritannien hat zu dieser Zeit noch sehr viele Kolonien. So wächst die kleine Mary Lennox in Indien auf, das um die Jahrhundertwende noch britische Kronkolonie gewesen ist. Nachdem ihre Eltern durch eine schwere Krankheit ums Leben gekommen sind, muss Mary nach England zu einem Onkel.

Mary ist ziemlich verzogen und gar nicht besonders sympathisch. Das Hausmädchen Martha kümmert sich ums sie und Marthas Bruder Dickon wird ihr Freund, mit dem sie in dem verwilderten Garten des Gutes ihres Onkels spielt. Dickon kennt sich gut in der Natur aus und die beiden machen sich daran, den Garten aufzuräumen und zu beleben. Dies ist natürlich verboten, denn Marys Onkel hat den Garten nach dem Tod seiner Frau verschlossen und keiner darf den geheimen Garten betreten.

Mary lernt den Sohn ihres Onkels kennen, Colin, der schwer krank ist. Die beiden sind sich recht ähnlich und sagen sich erst einmal ihre Meinung. Doch sie freunden sich an. Colins großer Wunsch ist es, diesen Garten einmal auch zu sehen, um vielleicht gesund werden zu können. Ob ihm das wohl gelingt?

Der geheime Garten ist ein Kinderbuchklassiker, der schon viele Kinder begeistert hat. Das Buch eignet sich auch für jüngere Kinder.

Frances Hodgson Burnett, Der geheime Garten
Arena Kinderbuch Klassiker
Kinderbuch empfohlen 7 bis 12 Jahre

Klaus Kordon
Im Spinnennetz

Wenn du die deutsche Geschichte der Jahrhundertwende hautnah erfahren willst, bist du mit dem Roman "Im Spinnennetz" von Klaus Kordon gut beraten. Im Mittelpunkt stehen auf der einen Seite, die schweren sozialen Konflikte dieser Zeit und auf der anderen Seite die persönliche Geschichte von David und Anna. Deren Schicksal steht nicht für sich, sondern ist wie immer bei Klaus Kordon eingebunden in die Entwicklung der Epoche, in der sie leben.

Der Roman spielt Ende der 1880er Jahre in Berlin. Dies ist die Zeit der so genannten Sozialistengesetze. Der Staat, in diesem Fall der Kaiser und vor allem sein Berater Bismarck, versuchten mit Hilfe dieser Gesetze den Einfluss der Sozialdemokratie zurückzudrängen. Doch die Familie Jakobi ist sozialdemokratisch eingestellt. Wer sich als Sozialdemokrat zu erkennen gibt und eine andere politische Meinung als die des Staates äußerst, landet schnell im Gefängnis. So passiert es dem Großvater Frieder. Doch auch der Enkel David wird erwischt, als er Plakate klebt, die zum Aufruhr aufrufen. Doch da kommt plötzlich Anna, die freche Göre, an die David schnell sein Herz verliert und noch einmal eine ganz andere Seite des Lebens, eines Lebens in täglicher Armut und Not, kennenlernt.

Ganz nebenbei erfährst du, wie die Menschen in der Hauptstadt Berlin in der Zeit noch vor der Jahrhundertwende lebten. Die Gegensätze zwischen prächtigen Bürgerhäusern und ärmlichen Mietshäusern und engen Hinterhöfen sind groß. Du tauchst ein in eine Zeit, in der es rasant voran ging, die Technik sich immer schneller ihren Weg bahnte, die Politik aber erst ganz langsam die ersten Schritte in Richtung Demokratie gehen lernt. Der Weg sollte noch weit sein, doch die Helden dieses Romans pflanzen die ersten Keime, die bald wachsen sollen.

 

Eine Feder für Winnetou

Noch heute rümpfen die Leute, die Literatur beurteilen, bei dem Autor Karl May oft die Nase. Doch das wird dem Schriftsteller, der neben Winnetou und Old Shatterhand auch noch viele weitere Helden wie Kara Ben Nemsi geschaffen hat, nicht gerecht. Auch wenn Karl May niemals im Wilden Westen lebte, schildert er die Zeit des Wilden Westens so phantasievoll, dass es für den Leser gleichgültig ist, ob der Autor nun in Amerika gewesen ist oder sich das alles nur in seiner Phantasie ausgemalt hat. Denn eines hatte Karl May gans sicher und das war Phantasie.

Karl May liebte übrigens den Frieden sehr, auch wenn er immer wieder die Kämpfe zwischen Indianern und Weißen schilderte. Er stand auf Seiten der Indianer, war gläubiger Christ und setzte sich für Gerechtigkeit ein. So ist Gerechtigkeit auch eines der wichtigsten Themen seiner Romane. Frei von Vorurteilen war allerdings auch Karl May nicht, dazu ist er zu sehr ein Kind seiner Zeit. Seine Helden sind "echte Helden", sie sind ohne Fehl und Tadel, sie irren nicht und sie geben immer ihr Bestens. Trotzdem scheitern sie oft genug.  1893 erschien der erste Band von Winnetou. Weitere sollten folgen. 1898 sind schon 30 Bände des Schriftstellers erscheinen.

Karl May ist nicht out. Frag mal deine Eltern oder Großeltern und auch heute noch gibt es Neuauflagen der Bücher und Hörbücher, neben einigen Verfilmungen und sogar Comics. Karl May ist auch heute noch lesenswert. Auch wenn er nicht für Kinder und Jugendliche, sondern für Erwachsene geschrieben hat, haben ihn Kinder und Jugendliche seit über 100 Jahren immer und immer wieder verschlungen.

Wer sich mit dem Thema Karl May ausführlicher befassen will, der findet in "Eine Feder für Winnetou" die Zusammenfassung der besten Geschichten, die im Rahmen des  Schreibwettbewerbs "Karl May junior" zusammengefasst wurden. Es handelt sich hierbei um eine Auswahl von 550 Einsendungen, die zum Thema eingingen. Das Ergebnis sind 21 Erzählungen rund um Winnetou und Old Shatterhand, die von jungen Leuten im Alter von zehn bis 15 Jahren verfasst wurden. Wer Lust hat, Karl May und seine Bücher besser kennen zu lernen, findet hier einen guten Einstieg.

Lothar und Bernhard Schmid
Eine Feder für Winnetou: Die besten Geschichten des Schreibwettbewerbs "Karl May junior"
Altersempfehlung: 8-12 Jahre

Im Land der Kaffeeblüten

Ein Jahrhundert steht zwischen zwei jungen Frauen und ihren Ururgroßmüttern. Im Rahmen einer schulischen Projektarbeit erkennen die Julia und Isabell, dass sie etwas verbindet. Es ist das Schicksal ihrer Ururgroßmütter, die beide um die Jahrhundertwende nach Guatemala auswanderten. Auf der Atlantiküberfahrt lernten sich die beiden Frauen kennen und blieben verbunden.

Diese Verbindung fasziniert die beiden jungen Frauen und sie wollen unbedingt mehr über die Vergangenheit ihrer Vorfahren herausfinden. Sie stöbern in Briefen und Tagebuchaufzeichnung und im Leben der Ururgroßmütter Elise und Margarete. Diese führten ein nicht gerade gewöhnliches Leben für Frauen ihrer Zeit.

So tauchen die Leserinnen nicht nur ein fremdes Leben ein, sondern auch in die Welt von Guatemala, einem exotischen Land, das durch seine Schönheit besticht, aber auch mit vielen Problemen zu kämpfen hat. Die beiden Frauen stoßen auf Familiengeheimnisse, die auch ihre Gegenwart berühren.

Laura Antoni: Im Land der Kaffeeblüten
Thienemann Verlag
empfohlen ab 13 Jahren

Nikolaus Nützel
Mein Opa, sein Holzbein und der Große Krieg

Der Erste Weltkrieg ist lang her. Die Erinnerung an ihn wird gerade in Deutschland überlagert von der Erinnerung an den Zweiten Weltkrieg. Er erscheint hierzulande viel präsenter, anders als etwa in Großbritannien oder Frankreich, wo man den Ersten Weltkrieg auch den "Großen Krieg" nennt.

Was aber hat der Erste Weltkrieg, der vor 100 Jahren begann, heute noch mit uns zu tun? Dieser Frage nähert sich Nikolaus Nützel auf ganz persönliche Weise: In der Erinnerung an seinen Großvater, der 1916 in eben diesem Krieg sein Bein verlor. Dass der Erste Weltkrieg aber auch über solche persönlichen Dinge hinaus viel mit uns zu tun hat, wird deutlich: Die Europäische Landkarte sähe ohne diesen Krieg ganz anders aus!

Warum brach der Krieg überhaupt aus? Wie verlief er? Wie erging es den Soldaten und wie den Daheimgebliebenen? Spannend und informativ erklärt Nützel auch komplizierte Sachverhalte. Das Buch wird ergänzt durch eine Zeittafel, Landkarten und Begriffserklärungen. Rundum empfehlenswert!

Nikolaus Nützel: Mein Opa, sein Holzbein und der Große Krieg. Was der Erste Weltkrieg mit uns zu tun hat.
Ars Edition
empfohlen ab 12 Jahren

Hermann Vinke
Der Erste Weltkrieg: Vom Attentat in Sarajevo bis zum Friedensschluss von Versailles

Informatives Sachbuch mit vielen Bildern und gut zu lesenden Texten.

Hermann Vinke: Der Erste Weltkrieg: Vom Attentat in Sarajevo bis zum Friedensschluss von Versailles
Gerstenberg
empfohlen ab 13 Jahren

  • Hintergrund BRD
  • Hintergrund DDR

Gefördert in den Jahren 2011 bis 2013 von: