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Gustav Heinemann 1969
Gustav Heinemann 1969
Gustav Heinemann
* Geboren:
23. Juli 1899 in Schwelm
† Gestorben:
7. Juli 1976 in Essen
Beruf:
Rechtsanwalt, Justizminister, Bundespräsident
Befreundet mit:
Johannes Rau, Bundespräsident 1999-2004
Beziehungsstatus:
verheiratet mit Hilda
Kinder:
Uta, Christa, Barbara, Peter
Hobbys:
Besondere Kennzeichen:
Brille

Wer war er?

Gustav Heinemann war ein Politiker in der Bundesrepublik. Er hatte eine bewegte Karriere hinter sich, als er 1976 starb. So wechselte er mehrmals die Partei, wurde vom Nicht-Kirchengänger zum engagierten Protestanten, war Bürgermeister, Innenminister und Justizminister und schließlich Bundespräsident.

Der Werdegang vor der Politik

Heinemann war von Beruf Rechtsanwalt. 1926 heiratete er Hilda. Sie hatte evangelische Theologie studiert und durch sie kam Heinemann in Kontakt mit der Kirche. Der Pfarrer ihrer Gemeinde brachte ihm den protestantischen Glauben nah. In der Zeit des Nationalsozialismus setzte er sich für die Bekennende Kirche ein, einer Oppositionsbewegung gegen die Gleichschaltung.

Nach dem Krieg

Nach 1945 wurde Heinemann zunächst Mitglied der neu gegründeten CDU. In seiner Heimatstadt Essen setzten ihn die britischen Besatzer als Bürgermeister ein,  1946 wurde er dort zum Oberbürgermeister gewählt. Ab 1947 saß er im Landtag von Nordrhein-Westfalen und wurde zum Justizminister dieses Bundeslandes ernannt.

Gegner der Wiederbewaffnung

1949 wurde Adenauer Bundeskanzler. Ihm wurde von seiner Fraktion vorgeworfen, in sein Kabinett zu viele Katholiken zu berufen So berief Adenauer den Protestanten Heinemann schließlich zum Innenminister, um zu zeigen, dass seine Regierung sich für alle Konfessionen zuständig sah.

Als Gegner von Adenauers Wiederbewaffnungspolitik trat Heinemann jedoch schon im Oktober 1950 von seinem Amt zurück. Er trat 1952 aus der CDU aus. Er arbeitete wieder als Rechtsanwalt und setzte sich insbesondere für Kriegsdienstverweigerer ein. Er vertrat auch den "Spiegel" im Prozess gegen Franz Josef Strauß.

GVP und Eintritt in die SPD

Mit anderen Gegnern der Wiederbewaffnung gründete er die Gesamtdeutsche Volkspartei (GVP). Diese erhielt bei der Bundestagswahl 1953 zwar nur 1,2 % der Stimmen, hielt aber die Diskussion um die Wiederbewaffnung aufrecht. 1957 wurde die GVP aufgelöst, viele ihrer Mitglieder (darunter Erhard Eppler und Johannes Rau – später der achte Bundespräsident) traten der SPD bei – so auch Gustav Heinemann.

Gegner der Atombewaffnung

Bei der Bundestagswahl 1957 kandidierte er, zog in den Bundestag ein und wurde sogleich in den Vorstand der SPD-Fraktion gewählt. Heinemann wurde zum erklärten Gegner von Adenauers Plänen einer Bewaffnung der Bundeswehr mit Atomwaffen. Am 23. Januar 1958 hielt er eine legendäre Rede im Bundestag. Er warf Adenauer eine gescheiterte Deutschlandpolitik vor sowie Volksbetrug und Hintergehen des Parlaments. In der zweiten großen Bundestagsdebatte zur Atombewaffnung im März 1958 setzte er sich für einen kompletten Verzicht von Massenvernichtungsmitteln ein.

Justizminister

In der Großen Koalition wurde Heinemann Ende 1966 Justizminister. 1969 setzte er die lange diskutierte Große Strafrechtsreform durch. Damit wurde die Rechtsordnung dem Wandel der Gesellschaft angepasst. Es ging Heinemann außerdem darum, Benachteiligte zu schützen und ihnen mehr Rechte einzuräumen. So wurden z. B. nichteheliche Kinder nun den ehelichen gleichgestellt.

Nach den Unruhen, die in Folge auf das Attentat auf Rudi Dutschke auftraten, verstand es Heinemann, die Wogen zu glätten. Sein besonnenes Auftreten und sein Eintreten auch für die junge Generation machten ihn zum geeigneten Kandidaten für das Amt des Bundespräsidenten. Die Wahl gewann er gegen seinen Gegner Gerhard Schröder von der CDU im dritten Wahlgang.

Bundespräsident

Von 1969 bis 1974 war Gustav Heinemann der dritte Bundespräsident der Bundesrepublik. Er sah sich als "Bürgerpräsident" und lud zu den traditionellen Neujahrsempfängen auch einfache und besonders benachteiligte Bürger ein. Er trat weiterhin für eine friedliche Welt ein. Außerdem bemühte er sich um die Versöhnung mit den Staaten, die Deutschland in der NS-Zeit besetzt hatte. Aus Altersgründen verzichtete Heinemann auf eine zweite Amtszeit und schied am 1. Juli 1974 aus dem Amt aus. Er starb am 7. Juli 1976 in Essen.
 
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