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Franz von Papen
* Geboren:
29. Oktober 1879 in Werl
† Gestorben:
2. Mai 1969 in Obersasbach
Beruf:
Offizier, Reichskanzler der Weimarer Republik
Befreundet mit:
Wilhelm Freiherr von Ketteler
Beziehungsstatus:
verheiratet mit Martha von Boch-Galhau
Kinder:
Antoinette, Friedrich, Isabella, Margaret und Stephanie
Hobbys:
Reiten
Besondere Kennzeichen:
lang und schmal

Wer war er?

Franz von Papen wurde am 1. Juni 1932 Reichskanzler der Weimarer Republik. Sein Kabinett gehörte zu den drei Präsidialkabinetten, die von Reichspräsident Hindenburg eingesetzt wurden und der Machtübernahme durch die Nationalsozialisten voraus gingen.

Offizier und Diplomat

Franz von Papen ging mit elf Jahren auf eine Kadettenschule und begann so seine militärische Laufbahn. Er wurde Berufsoffizier. Ab 1913 arbeitete er als Militärattaché in Washington, d. h. er war als Diplomat an der dortigen Deutschen Botschaft tätig. Er war zuständig für die USA und Mexiko. In New York baute er nach Beginn des Ersten Weltkriegs einen Spionage- und Sabotagering auf.

Im Januar 1916 wurde er des Landes verwiesen. Auf der Heimreise wurden ihm alle Unterlagen, die er mit sich führte, von der britischen Marine abgenommen, so dass die Briten in den Besitz umfangreicher Geheiminformationen kamen. Quittungen, Rechnungsbücher und andere Unterlagen machten die Identifizierung zahlreicher Mitglieder von Papens amerikanischer Agentengruppe möglich, was eine Reihe von Verhaftungen nach sich zog.

Nach seiner Rückkehr nahm er am Krieg teil und wurde Generalstabsoffizier und Major. Er lernte in dieser Zeit Erich von Falkenhayn, Joachim von Ribbentrop und Paul von Hindenburg kennen.

Weimarer Republik

Im Frühjahr 1919 beendete er seine militärische Laufbahn, denn einer republikanischen Armee wollte er nicht dienen. 1921 wurde er politisch aktiv und trat er in die Zentrumspartei ein, wo er den rechten, monarchisch gesinnten Flügel vertrat. Er wurde sogleich in den Preußischen Landtag gewählt.

Bei der Reichspräsidentenwahl 1925 unterstützte Papen nicht Wilhelm Marx, den Kandidaten seiner eigenen Partei, sondern den konservativen Paul von Hindenburg. Mehrfach forderte Papen ein Ende der Großen Koalition in Preußen und warb für ein Bündnis der Zentrumspartei mit der rechtsgesinnten DNVP.

Im 1924 gegründeten "Deutschen Herrenklub", ein konservativer politisch aktiver Klub aus Großgrundbesitzern, Großindustriellen und Bankiers, engagierte sich Papen besonders intensiv.

Reichskanzler

Am 1. Juni 1932 wurde Franz von Papen von Reichspräsident Hindenburg zum Reichskanzler ernannt, nachdem Heinrich Brüning zurückgetreten war. Kurt von Schleicher hatte sich für Papen eingesetzt. Papen holte Minister in sein Minderheitenkabinett, die entweder parteilos waren oder der DNVP angehörten. Er selber trat am 3. Juni 1932 aus der Zentrumspartei aus und kam so seinem Ausschluss zuvor. Sieben der elf Minister waren adelig, sodass man auch spöttisch von einem "Kabinett der Barone" sprach.

Papen plante unter dem Schlagwort "Der neue Staat" eine Reform der Verfassung, die den Einfluss des Reichstags noch weiter verringern und die Macht des Reichspräsidenten noch mehr stärken sollte. Am Ende sollte die Monarchie wieder eingeführt werden. Im Reichstag hatte Papens Kabinett jedoch keine Mehrheit. Um seine Ziele durchsetzen zu können, hätte er aber eine Zweidrittelmehrheit im Reichstag benötigt.

Preußenschlag
Mit dem "Preußenschlag" vom 20. Juli 1932 setzte Papen die bedeutendste demokratische Landesregierung des Deutschen Reichs - und letzte SPD-Regierung - außer Kraft. Papen setzte sich selber als Reichskommissar in Preußen ein. Schon am 14. Juli hatte Hindenburg dem per Notverordnung zugestimmt, als Vorwand für den Preußenschlag diente dann der Altonaer Blutsonntag (17. Juli 1932), bei dem sich Nationalsozialisten und Kommunisten eine Schlacht lieferten, die am Ende 15 Tote forderte. Papen gab vor, in Preußen müsse wieder Sicherheit und Ordnung hergestellt werden.

Einbindung der NSDAP

Im Hintergrund zog zudem schon Reichswehrminister Kurt von Schleicher die Fäden. Er band die NSDAP ein. Die sagte der neuen Regierung ihre Unterstützung zu, wenn das unter Brüning verhängte Verbot der SA und der SS aufgehoben würde und wenn es Neuwahlen gäbe. Beides wurde ihnen zugesichert. Bei den Wahlen am 31. Juli 1932 errang die NSDAP noch einmal deutliche Stimmengewinne dazu.

Konferenz von Lausanne
Sowohl die Nationalsozialisten als auch die Kommunisten kreideten Papen an, dass er auf der Konferenz von Lausanne keine vollständige Streichung der deutschen Reparationszahlungen hatte durchsetzen können.

Ende der Kanzlerschaft

Mit dem Wahlsieg der NSDAP am 31. Juli 1932 kündigten die Nationalsozialisten auch ihre Unterstützung von Papens Regierung auf. Hitler verlangte die Kanzlerschaft von Hindenburg, der ihm diese jedoch (noch) verweigerte. Ein Misstrauensantrag fand am 12. September 1932, als der neu gewählte Reichstag zusammenkam, eine große Mehrheit. Der Reichstag wurde aufgelöst. Neuwahlen wurden für den 6. November 1932 ausgeschrieben.

Die Regierung Papen erhielt keine Mehrheit. Daraufhin gab Papen am 17. November seinen Rücktritt bekannt. Am 1. Dezember beauftragte Reichspräsident Hindenburg erneut Papen mit der Regierungsbildung. Er plante jedoch schon, den Reichstag erneut aufzulösen, diesmal ohne Neuwahlen anzusetzen – dies wäre jedoch einem Staatsstreich und einem Bruch der Verfassung gleichgekommen. Damit wäre die Regierung ausgeschaltet und eine spätere Volksbefragung hätte die Verfassung ändern und den gesamten Staat umbauen können. Die Reichswehr sollte dies militärisch unterstützen.

Kurt von Schleicher, der unter Papen Reichswehrminister gewesen war, ließ nun das "Planspiel Ott" im Kabinett präsentieren. Darin hatte der Oberstleutnant Ott untersucht, welche Chancen die Reichswehr im Falle von gewaltsamen Auseinandersetzungen mit den Linken und den Nationalsozialisten hätte. Er sagte die Unterlegenheit der Reichswehr voraus. Zu solchen Auseinandersetzungen und bürgerkriegsähnlichen Zuständen aber würde es vermutlich kommen, wenn die Regierung die Verfassung bräche.
Die Minister verweigerten nun Papen die Gefolgschaft. Am 3. Dezember ernannte Hindenburg Kurt von Schleicher zum neuen Reichskanzler.

Im Nationalsozialismus

Am 4. Januar 1933 traf sich Papen mit Hitler. Beide einigten sich auf die Kanzlerschaft Hitlers. Papen gehörte dann zu den Männern, die Hindenburg überzeugten, Hitler zum Kanzler zu ernennen. In dessen Kabinett wurde Papen dann Vizekanzler (30. Januar 1933 - 7. August 1934). Anschließend wurde er Botschafter des Deutschen Reiches in Wien und Ankara.

Nach 1945

Im Nürnberger Prozess gegen die Hauptkriegsverbrecher des Nationalsozialismus wurde Papen 1946 angeklagt, aber freigesprochen. Am 24. Februar 1947 wurde er aber dann doch in einem Spruchkammerverfahren im Rahmen der Entnazifizierung als "Hauptschuldiger" eingestuft. Er wurde zu acht Jahren Arbeitslager verurteilt. Schon 1949 wurde er aber entlassen und die Einziehung seines Vermögens rückgängig gemacht. Am 2. Mai 1969 starb Papen.
 
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