•  
 
 
Joseph Wirth
* Geboren:
6. September 1879 in Freiburg im Breisgau
† Gestorben:
3. Januar 1956 in Freiburg im Breisgau
Beruf:
Mathematiklehrer; Reichskanzler (Zentrumspartei)
Befreundet mit:
Matthias Erzberger
Beziehungsstatus:
-
Kinder:
-
Hobbys:
Mathematik, sein Schäferhund "Greif"
Besondere Kennzeichen:
schmaler Schnurrbart

Wer war er?

Joseph Wirth gehörte der Zentrumspartei an und wurde am 10. Mai 1921 Reichskanzler. Mit 41 Jahren war er damit der jüngste Kanzler Deutschlands überhaupt. Von ihm stammt der berühmte Ausspruch "Der Feind steht rechts". Im Exil setzte er sich vehement für das Ende des Nazi-Regimes ein. In der jungen Bundesrepublik war er ein Gegner der Westintegration und bemühte sich um eine Wiedervereinigung.

Abgeordneter

1914 zog Wirth als Abgeordneter der Zentrumspartei in den Reichstag. Wegen einer Herzschwäche wurde er nicht zum Ersten Weltkrieg eingezogen. Er meldete sich jedoch beim Roten Kreuz und war dann bis 1917 als Sanitäter tätig. Er befürwortete zunächst die Politik des Burgfriedens des Reichskanzlers Bethmann Hollweg, begrüßte dann aber auch die Novemberrevolution.

Finanzminister und Reichskanzler

Unter Reichskanzler Hermann Müller wurde Wirth nach dem Rücktritt Erzbergers Finanzminister. Diesen Posten behielt er uner Kanzler Fehrenbach. Als dieser zurücktrat, weil er sein Kabinett zur Frage der Annahme des Londoner Zahlungsplans nicht einigen konnte, wurde Joseph Wirth am 10. Mai 1921 neuer Reichskanzler. Seine Regierung nahm den Londoner Plan mit 220 gegen 172 Stimmen an.

Mit Wirths Kanzlerschaft begann die Erfüllungspolitik. Obwohl die Forderungen der Siegermächte den Deutschen viel zu hoch erschienen, entschied sich die Mehrheit des Reichstags für die Annahme. Mit der Erfüllung der Forderungen wollte man nämlich zeigen, dass sie praktisch undurchführbar waren. Rechte Politiker verurteilten diesen Weg, was in der Ermordung mehrerer Politiker durch rechtsextreme Terroristen gipfelte (Walther Rathenau, Matthias Erzberger).

Nachdem sich die Bevölkerung in Oberschlesien mehrheitlich für den Verbleib bei Deutschland ausgesprochen hatte, der Völkerbund aber beschloss, die Region zwischen Deutschland und Polen aufzuteilen, trat Wirths Kabinett aus Protest im Oktober 1921 zurück. Reichspräsident Ebert beaufragte Wirth erneut, die Regierung zu bilden. Wirth blieb also Kanzler. Neuer Außenminister wurde Rathenau.

Unter Wirth und Rathenau wurde mit der Sowjetunion ein Freundschaftsvertrag geschlossen, der Vertrag von Rapallo. Nachdem Walther Rathenau Opfer der rechtsextremen Gegner der Erfüllungspolitik geworden war, sprach Wirth in einer Rede vor dem Reichstag am 25. Juni 1922 seine wohl berühmtesten Worte:  "Da steht der Feind, der sein Gift in die Wunden eines Volkes träufelt. – Da steht der Feind – und darüber ist kein Zweifel: dieser Feind steht rechts!"

Der Versuch, darufhin alle demokratischen Parteien, von der SPD bis zur DVP, in einer Koalition zusammenzubringen, scheiterte. Daraufhin trat Joseph Wirth am 14. November 1922 von seinem Amt zurück.

Weitere Ministerämter

Wirth setzte sich in den folgenden Jahren für das Reichsbanner Schwarz-Rot-Gold ein, eine Organisation, die 1924 zum Schutz der Republik gegründet wurde. Er blieb Abgeordneter. 1928 wurde er unter Kanzler Hermann Müller (SPD) Minister für die besetzten Gebiete, 1930 unter Kanzler Heinrich Brüning Innenminister. 1931 schied er aus diesem Amt aus - er galt dem Reichspräsidenten von Hindenburg als zu links gerichtet. Das Ermächtigungsgesetz der Nationalsozialisten vom März 1933 lehnte Wirth entschieden ab. Nach dessen Annahme emigrierte Wirth in die Schweiz.

NS-Zeit

Während der Zeit des Nationalsozialismus reiste Wirth durch die USA, um über das Nazi-Regime aufzuklären. Er lebte in Paris und dann wieder in der Schweiz. Er bemühte sich, vom Vatikan eine Stellungnahme gegen die antisemitische Politik in Deutschland zu erhalten. Er hatte Kontakt zu Widerstandsgruppen und leistete Fluchthilfe für verfolgte Juden.

Gegner der Politik Adenauers

Wirth kehrte 1949 nach Deutschland zurück. Er bemühte sich um eine Wiedervereinigung Deutschlands und lehnte die Politik Adenauers einer Westintegration ab. Weil er mit Vertretern der DDR, also Kommunisten, Gespräche führte, verweigerte ihm die Bundesrepublik unter Adenauer eine Rente. In ärmlichen Verhältnissen lebte Wirth bis zu seinem Tod 1956 bei der Witwe seines Bruders.
 
  • Hintergrund BRD
  • Hintergrund DDR

Gefördert in den Jahren 2011 bis 2013 von: