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Broiler, Grilleta und Ketwurst


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Broiler
1
Soljanka
2
Ketwurst
3
Straßencafé in Leipzig, 1981
4
Restaurant Moskau in der Karl-Marx-Allee, Berlin (August 1969)
5
Gaststätte unterhalb des Berliner Fernsehturms (Februar 1972)

An Imbiss-Ständen in Ost und West gleichermaßen beliebt waren die Currywurst und die Bockwurst. Nur in der DDR aber gab es Broiler, Ketwurst, Grilletta oder Krusta. Weißt du, um was es sich dabei handelt?

Der Siegeszug des Broilers

Broiler kennst du vielleicht, denn er wird auch heute noch verkauft. So nannte man in der DDR ein Brathähnchen. Und das trat Anfang der 1960er Jahre seinen Siegeszug an. Das kam so: Das gegrillte Huhn hatte ab 1955 die Münder der Westdeutschen erobert, als dort die Wienerwald-Gaststätten (siehe: Samstag bleibt die Küche kalt) eröffneten. Möglich war das geworden, nachdem in den USA ein Huhn gezüchtet worden war, das nach nur 56 Tagen Mast fertig zum Grillen war.

Die Erfolgsgeschichte des Wienerwalds blieb auch in der DDR nicht unbemerkt. Zudem sah man im Geflügel nun die Chance, die Versorgung der Bevölkerung mit Fleisch endlich zu verbessern. Die war nämlich nach wie vor sehr dürftig und vor Fleischereien bildeten sich immer lange Schlangen. Nur wer Glück hatte, erhielt nach zwei Stunden Anstehen noch ein Schnitzel...

Die Idee darum: Industrielle Hühnerzucht! In Kürze baute man in Königs Wusterhausen bei Berlin 1967 den ersten Betrieb des Kombinats Industrielle Mast, kurz: KIM. Die Abkürzung funktionierte man gleich auch zum Werbeslogan um, nämlich zu "Köstlich - Immer Marktfrisch". Insgesamt wurden schließlich 22 hochmoderne Mastbetriebe errichtet.

Wie sollte man das Huhn nun aber nennen? Man hielt sich einfach an das amerikanische Vorbild, wo das neue Masthuhn schließlich herkam. To broil bedeutet eben "ein Huhn grillen", also ist das dafür vorgesehene Huhn eben ein Broiler. Die besonders guten, saftigen und kross gebratenen Hühner nannte man "Goldbroiler".

Hühner und Eier gab es nun in Hülle und Fülle. Wie aber kam der Broiler nun in den Magen der DDR-Bürger? Die Broiler-Gaststätte musste her. Man schickte Kundschafter in den Westen und schließlich wurden im November 1967 die ersten drei Goldbroilerbars in Ost-Berlin eröffnet. Die Einrichtung war genauso speziell wie die Kleidung der Kellnerinnen, die die goldenen Vögelchen im Pepita-Dirndl servierten. Und das Konzept kam an: Der Broiler wurde zur Erfolgsgeschichte.

Ketwurst, Grilletta und Krusta

Neu aufgemischt wurde der Imbissmarkt in den 1980er Jahren. In der Bundesrepublik war inzwischen amerikanisches Fast Food zum Renner geworden. Dem wollte man in der DDR nicht nachstehen, aber englische Namen waren verpönt (obwohl auch der Broiler ja aus dem Englischen eingedeutscht worden war). Jedenfalls wurde der Hot Dog kurzerhand zur Ketwurst (aus Ketchup und Wurst) und der Hamburger zur Grilletta oder Grillette. Auch die ostdeutsche Pizza-Variante erhielt eine neuen Namen: Krusta.

Ein bisschen unterschieden sich diese Produkte schon von ihren westlichen Pendants. Die Wurst der Ketwurst war dicker als beim Hot Dog. Man erhielt die Grillette in einem Brötchen mit Kruste. Mangelte es an Ketchup, wurde einfach ein Chutney aus Tomaten gekocht und darüber gegeben. Und die Krusta war immer viereckig und hatte einen dunkleren Teig als die italienische Variante. Der Belag bestand z. B. aus Hühnerfleisch oder Sauerkraut mit Hackfleisch. Erhältlich waren diese Produkte allerdings nicht in der ganzen DDR, sondern überwiegend nur in Ost-Berlin.

"Sie werden platziert!"

Natürlich gab es nicht nur Imbisse, sondern auch Restaurants in der DDR. Eine Besonderheit war, dass man sich nicht einfach hinsetzen durfte, wo man wollte, sondern immer am Eingang warten musste, bis man "platziert" wurde. Dabei kam es immer wieder vor, dass man keinen Platz erhielt, obwohl es offensichtlich noch freie Tische gab. Köche und Kellner waren am Umsatz kaum beteiligt und sahen die Gäste mehr als Bittsteller. Von Service keine Spur.

Auf der Speisekarte sah man häufig das Wort "Sättigungsbeilage". War nämlich beim Druck der Karte noch nicht klar, ob Reis, Nudeln oder Kartoffeln zur Verfügung stehen würden, schrieb man dort eben einfach "Sättigungsbeilage" hin. Übrigens: Pommes frites gab es irgendwann auch in der DDR, jedoch nicht am Imbiss, sondern nur in gehobenen Restaurants!


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