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Mode im Sozialismus


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Messevorbereitung im VEB Quintett-Moden Glauchau 1963: Zur Leipziger Herbstmesse werden Damenmäntel aus "Greysin", einem Mischgewebe aus Viskose- und Dederon-Fasern, angeboten. In der Musterabteilung werden die Massenmodelle hier einer letzten Kontrolle unterzogen.
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Frankfurt an der Oder 1987, Originaltext: "Mannequin spielen macht Spaß. Franka Jäckel (l.) und Ulrike Nierling aus der 1. Klasse der Frankfurter Lenin-Oberschule dürfen Kleider und Schuhe vorführen."
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Der Jugendmodeklub des VEB Textilwerke Palla in Glauchau gibt 1976 Anregungen, wie neue Mode - z. B. diese Jeans-Ensembles - verarbeitet werden kann.

Auch die Anfertigung von Kleidung unterlag den Zwängen des sozialistischen Wirtschaftssystems. Es fehlte an Geld für hochwertige Stoffe und selbst Nähte, Verzierungen und Knöpfe mussten häufig eingespart werden. Das ging natürlich zu Lasten der Mode.

Aber auch die Muster und Schnitte der Kleidung ließen die Bürger nicht unbedingt jubeln. Neuen Trends hinkte die Planwirtschaft stets hinterher, die Mode galt als eintönig und langweilig.

Dederon und andere Chemiefasern

Preiswerte Kunstfasern sollten der Mode neuen Chic geben. Chemiefasern galten als modern, nicht nur im Osten. Als Lederersatz erfand man Lederol, als modernen Stoff pries man ab 1959 Dederon an. Dieser Stoff wurde gar nach dem jungen Staat benannt, denn in seinem Namen steckte die DDR! In Kittelschürzen und Einkaufsbeuteln war Dederon bald überall zu finden.

Die Erzeugnisse der Chemiekombinate kamen aber nicht bei allen gut an. Vor allem die Jugend war von den neuen Stoffen nicht begeistert. Insbesondere gefielen ihnen die altmodischen Muster und der Schnitt der Kleidungsstücke nicht - sie wollten westliche Kleidung. Außerdem ließen sich die Kunstfasern nicht wirklich gut tragen, denn man schwitzte furchtbar in ihnen...

Jeans

Jeans waren in den 1950er und 1960er Jahren verpönt - kamen sie doch aus dem kapitalistischen Westen. Wer in Jeans erschien, musste sich die Frage nach seinem Klassenstandpunkt gefallen lassen. Weil die jungen Leute sich aber nicht von den blauen Hosen abbringen lassen wollten, stellte man sie schließlich auch in der DDR her. 1978 kamen sie auf den Markt.

Shanty, Wisent und Boxer hießen die Jeansmarken, made in East-Germany. Leider kamen diese längst nicht so gut an wie eine Levis oder Wrangler-Jeans, die im Westen von den Jugendlichen getragen wurden. Wer Glück hatte, bekam eine Jeans in einem Paket von der West-Verwandtschaft oder fand eine auf dem Schwarzmarkt.

Begehrte West-Ware

Auch andere West-Kleidung war begehrt, jedoch schwer zu bekommen. In den teuren Exquisit-Läden, die ab 1962 eröffnet wurden, gab es neben West-Kleidung auch hochpreisige Ware aus eigener Produktion zu kaufen. 30 Modedesigner entwarfen jedes Jahr eine neue Kollektion und stellten diese zur Leipziger Messe vor. Die Stoffe kamen aus dem Ausland. Allerdings waren die Preise entsprechend hoch.

Sibylle

Modezeitschriften wie die "Sibylle" gaben vor, wie die Frauenmode auszusehen hatte. Jedes Foto wurde vorab auf ideologische Kriterien überprüft, kein Model durfte zu "westlich" dastehen, zu kurze Röcke waren verpönt. Mode war ein Politikum. Die "Sibylle" war wegen ihrer anspruchsvollen Fotos und Texte dennoch heiß begehrt. Sie erschien nur sechs Mal im Jahr und war immer schnell vergriffen.

Selbst ist die Frau

Eine Nähmaschine gehörte zu fast jedem DDR-Haushalt. Denn wer sich der von oben diktierten Mode nicht beugen wollte oder das Geld für teure Exquisit-Mode nicht besaß, der musste sich eben selber etwas schneidern. Fotos und Schnittbögen aus Frauenzeitschriften wie der "Sibylle" lieferten Vorlagen oder man wurde eben selbst kreativ.


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