WERBUNG
 
 
 
 

Der Bitterfelder Weg


0
Der Schriftsteller Erwin Strittmatter auf der 1. Bitterfelder Konferenz, 24. April 1959
1
Drei Seiten eines Brigadetagebuches
2
Zweite Bitterfelder Konferenz 1964: Blick auf einen Teil des Präsidiums mit (1. Reihe von links nach rechts) Willi Bredel, Otto Gotsche, Alexander Abusch, Stellvertreter des Vorsitzenden des Ministerrates, Erwin Strittmatter, und Walter Ulbricht.

Auf den Bitterfelder Konferenzen 1959 und 1964 wurde es zum Ziel erklärt, die Arbeiterschaft und die Kultur näher zueinander zu bringen. Arbeiter sollten selber schriftstellerisch tätig werden, Autoren im Gegenzug in die Fabriken und Betriebe gehen, um über das Arbeitsleben schreiben zu können (siehe auch: Bitterfelder Weg).

Am 24. und 15. April 1959 fand die erste Bitterfelder Konferenz statt. Berufsautoren und schreibende Arbeiter trafen sich in einer Chemiefabrik und besprachen, wie die Arbeiterklasse mehr als bisher an der Kultur beteiligt sein könnte.

Verknüpfung von Kultur und Produktion

Schon auf dem V. Parteitag hatte Staats- und Parteichef Walter Ulbricht 1958 eine stärkere Verknüpfung der Arbeiter mit der Kultur gefordert.  Nach der 1959 stattfindenden Konferenz wurde dieses Ziel nun als "Bitterfelder Weg" bekannt. Unter dem Motto "Greif zur Feder, Kumpel! Die sozialistische Nationalkultur braucht Dich!" wurden die Arbeiter aufgefordert, literarisch aktiv zu werden. Zugleich sollten hauptberufliche Schriftsteller den umgekehrten Weg in die Produktionsbetriebe gehen, um authentisch vom Arbeitsleben zu berichten.

Zirkel Schreibender Arbeiter

Um Arbeiter zum Schreiben zu bewegen, wurden die "Zirkel Schreibender Arbeiter" gegründet. Dort besprach man Werke von Autoren, bildete sich theoretisch fort und stellte vor, was man selber geschrieben hatte. Tatsächlich wurde die Literaturproduktion durch Arbeiter angekurbelt - verkaufen ließ sich diese jedoch nicht besonders gut. Die Qualität zum Beispiel der "Brigadetagebücher" kam eben doch nicht an die von Berufsschriftstellern heran.

Arbeiterfestspiele

Seit 1959 fanden zudem einmal im Jahr (ab 1972 alle zwei Jahre) die Arbeiterfestspiele statt, die ersten ebenfalls in Bitterfeld. Eine Woche lang traten Künstler der Arbeiterklasse auf. Es gab Lesungen und Theater- und Musikaufführungen. Auch die Arbeiter aus den Zirkeln hatten hier die Möglichkeit, ihr Schaffen bekannt zu machen.

Zweite Bitterfelder Konferenz

Am 24. und 25. April 1964 fand die zweite Bitterfelder Konferenz statt. Künstlern und Autoren wurde nahegelegt, mit ihren Werken die "Bildung des sozialistischen Bewusstseins" und der "sozialistischen Persönlichkeit" zu fördern.

Das Ende des Bitterfelder Weges

Schon im Dezember 1965 wurde der Bitterfelder Weg aber im Prinzip aufgegeben. Der Plan, Künstler an die Partei und die Werktätigen zu binden, indem man sie in die Produktion schickte, ging nicht auf. Im April 1967 versuchte der VII. Parteitag der SED den Bitterfelder Weg noch einmal wiederzubeleben, indem sie ihn ins Parteiprogramm nahm, doch ohne Erfolg.

Berufskunst und Laienkunst war eben nicht so einfach aufzuheben, wie man erhofft hatte. Auch prominente Autoren wie Christa Wolf oder Stefan Heym waren nicht angetan von dieser Verschmelzung. Nicht nur weil ihre Arbeit damit herabgewürdigt wurde, man fürchtete auch eine weiter zunehmende Bevormundung.


WERBUNG
WERBUNG
  • Hintergrund BRD
  • Hintergrund DDR

Gefördert in den Jahren 2011 bis 2013 von: