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Hintergrundbild Epoche

Was ist die Literatur des Fin de siècle?


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Hugo von Hofmannsthal war ein bedeutender Dichter des Fin de siècle.
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„Die Panther“ des impressionistischen Malers Max Slevogt.

Der Schmerz der Seele

Während der Naturalismus die Wirklichkeit möglichst getreu abbilden wollte, gab es auch Strömungen, die sich ganz gegen den Naturalismus richteten. Die Dichter verstanden die Zeit um die Jahrhundertwende als eine Zeit, in der die Menschen einerseits verunsichert waren, andere auch dekadent (heruntergekommen, degeneriert) lebten. Und dieses Lebensgefühl wollten sie mit ihrer Dichtung verdeutlichen.

Die Gedichte in ihrer Zeit verstehen lernen

Diese Dichter dachten über das Leben nach, über sich selbst, ihre Seele, ihre Ängste, ihre Verlorenheit und Unsicherheit. So klang die Dichtung dieser Zeit manchmal ein bisschen wehleidig, auch wenn das Ergebnis dieses Weltschmerzes oft sehr schöne Gedichte waren. Um sie verstehen zu können, musst du aber wissen, in welcher Zeit die Dichter lebten und was sie mit ihren Gedichten überhaupt sagen wollten. Die Seele des Menschen steht im Mittelpunkt, nicht die Tatsache, dass jemand hungrig war oder keine Arbeit fand oder ein totes Kind zu beklagen hatte. Das war Sache der Naturalisten.

Die Traurigkeit fand vor allem in den Gedichten ihren Ausdruck

Man kann diese Literatur auch vereinfacht Fin de Siècle-Literatur nennen, also Literatur, die gegen Ende des 19. Jahrhunderts geschrieben wurde. Vor allem in der Lyrik fand die Traurigkeit und die Melancholie der Dichter ihren Ausdruck. Bedeutende Vertreter dieser Fin-de-siècle-Dichtung waren Stefan George, Rainer Maria Rilke und Hugo von Hofmannsthal.

Am besten kannst du das verstehen, wenn du ein Gedicht dieser Zeit liest. Sehr bekannt wurde der "Panther" von Rainer Maria Rilke. Dieses Gedicht wird auch oft im Schulunterricht besprochen.

Der Panther, Im Jardin des Plantes, Paris

Sein Blick ist vom Vorübergehn der Stäbe
so müd geworden, dass er nichts mehr hält.
Ihm ist, als ob es tausend Stäbe gäbe
und hinter tausend Stäben keine Welt.

Der weiche Gang geschmeidig starker Schritte,
der sich im allerkleinsten Kreise dreht,
ist wie ein Tanz von Kraft um eine Mitte,
in der betäubt ein großer Wille steht.

Nur manchmal schiebt der Vorhang der Pupille
sich lautlos auf -. Dann geht ein Bild hinein,
geht durch der Glieder angespannte Stille -
und hört im Herzen auf zu sein.


Rainer Maria Rilke, 6.11.1902, Paris

Vielleicht eines der schönsten Gedichte überhaupt, aber das ist wieder ein sehr subjektiver Eindruck.

Herzlichen Dank an Konrad Frank, der uns dieses wunderschöne Video zur Verfügung gestellt hat. http://www.ennoks.de

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