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Hintergrundbild Epoche

Was ist Antisemitismus?


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Antisemitische Karikatur aus dem Jahr 1893 in einer französischen Zeitschrift. Den Antisemitismus gab es nicht nur im Deutschen Reich.
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Heinrich von Treitschke war ein bekannter Historiker im 19. Jahrhundert. Von ihm stammte der Spruch „Die Juden sind unser Unglück“, der später von den Nationalsozialisten aufgegriffen wurde.
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Der Historiker Theodor Mommsen sah im Antisemitismus schon damals eine große Gefahr und verurteilte die Hetze gegen die Juden.

"Die Juden sind unser Unglück"

"Die Juden sind unser Unglück". Dieser Satz stammt von einem Historiker namens Heinrich von Treitschke (1834-1896). Er veröffentlichte in den Jahren zwischen 1879 und 1880 eine Reihe von Artikeln, mit denen er diesen Satz bestätigen wollte. Später sollte dieser Satz auf den Plakaten der Nationalsozialisten zu lesen sein.

Woher stammte der Begriff "Antisemitismus"?

Der Begriff Antisemitismus selbst ist eine "Erfindung des 19. Jahrhunderts" und wurde angeblich von dem Journalisten Wilhelm Marr in seiner neuen Bedeutung eingeführt. Antisemitismus bedeutet so viel wie "Hass auf die Juden". "Anti" (gegen) die "Semiten", wobei der Begriff "Semiten" falsch gedeutet wurde. Die Semiten gehören zu einer gemeinsamen Sprachfamilie und stammen aus Nordostafrika oder Vorderasien. Diesen Begriff setzte man mit den Juden bzw. mit den Anhängern des jüdischen Glaubens gleich. Eng in Zusammenhang stand damit der Begriff der Rasse. So sprach man jetzt von der Rasse der Semiten und diese wurde als minderwertig bezeichnet.

Auch das war nichts Neues, denn Menschen jüdischen Glaubens wurden über Jahrtausende ausgegrenzt, schlecht behandelt, verfolgt und manchmal auch getötet. Die Juden allerdings nicht als Religion, sondern als Rasse zu sehen, das war neu und zeichnete den Antisemitismus im 19. Jahrhundert aus. Dieses falsche Verständnis und diesen irrationalen Hass mussten die Nazis später "nur" aufgreifen und in ihre gewünschte Richtung lenken. 

Der Hass auf die Juden erhielt einen "wissenschaftlichen Anstrich"

Mit dem Begriff "Antisemitismus" wollte man der Abneigung und dem Hass gegenüber dem Judentum einen quasi "wissenschaftlichen" Anstrich geben. Man versuchte, die Vorurteile gegenüber den Juden wissenschaftlich zu begründen. Was natürlich völliger Unsinn war. Trotzdem waren viele gebildete Menschen, Wissenschaftler und Professoren Antisemiten. Die Juden wurden rechtlich im Kaiserreich gleich gestellt, auch das passte den Antisemiten nicht und sie wollten diese Gleichstellung gerne rückgängig machten.

So gab es viele Hetzschriften gegen dMenschen jüdischen Glaubens. Man wollte ihnen die Einwanderung ins Deutsche Reich verweigern, sie sollten höhere Steuern zahlen  und einige Berufe nicht ausüben. Man betrachtete sie als Angehörige eines fremden Volkes. Auch dies war völliger Unsinn, denn die meisten Juden waren ja Deutsche, sie waren im Deutschen Reich geboren, lebten dort seit Generationen und sprachen als Muttersprache Deutsch. Sie übten nur einfach einen anderen Glauben aus. Und manche nicht einmal das, sie waren zwar als Juden getauft, aber vielleicht gar keine gläubige Juden, die jüdische Sitten und Gebräuche tatsächlich lebten.

Viele Menschen im Kaiserreich waren neidisch auf die jüdische Bevölkerung. Viele Juden waren gesellschaftlich oft sehr erfolgreich, arbeiteten in angesehenen Berufen als Ärzte, Bankiers und Rechtsanwälte und verfügten auch über beträchtliche Geldmittel. Und Erfolg ruft eben oft Neider auf den Plan.

Folge war die Gründung von antisemitischen Vereinen

In der Folge wurden Vereine und Organisationen gegründet, die das so genannte Judentum - der Begriff wurde immer negativ verwendet - in verschiedenen Bereichen bekämpften. Die Forderungen reichten bis zur Beseitigung der Juden, wenn das auch nur wenige wirklich so radikal aussprachen. Es entstanden schlimme Vergleiche, indem man Juden mit Bakterien oder  mit Parasiten gleichsetzte. Oft verband sich auch der Antisemitismus mit dem Nationalismus, eine verhängnisvolle Kombination. Deutschland sollte als Nation "judenrein" werden, das war die Forderung der radikalen nationalen Antisemiten.

Der Boden für die Nazis wurde schon im Kaiserreich vorbereitet

Auch wenn während der Kaiserzeit die rechtliche Gleichstellung der Juden - obwohl sie angefeindet und diskriminiert wurden - letztlich nicht abgeschafft wurde, die antisemitische Propaganda hatte die Bevölkerung beeinflusst. Die Nationalsozialisten mussten letztlich den vorhandenen Judenhass nur aufgreifen und ihren Zielen zunutze machen.

Gab es auch Gegner des Antisemitismus?

Es gab auch Gegenstimmen, vor allem auf der Seite der Linksliberalen und auch innerhalb der Arbeiterbewegung. Bekannte Wissenschaftler und Akademiker wie Theodor Mommsen oder Rudolf Virchow fanden es schlimm, wie gegen die jüdischen Mitbürger gehetzt wurde. Doch sie mussten schon recht bald einsehen, dass gegen Neid, Wut und Hass die besten Argumente nur geringe Chancen hatten.

Auch die Sozialdemokraten verurteilten den Antisemitismus

Auch viele Sozialdemokraten verurteilten den Antisemitismus. Allerdings wollten sie ihre Wähler nicht abschrecken, die zum Teil ja auch aus dem Kleinbürgertum stammten und unter Umständen antisemitisch dachten. So gab es auch in der Sozialdemokratischen Partei Antisemitismus, allerdings lange nicht so ausgeprägt wie bei den nationalen und konservativen Parteien.


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