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Hintergrundbild Epoche

Dada


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Plakette am Haus Spiegelgasse 1 in Zürich
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Die 1. Internationale Dada-Messe 1920 wird eröffnet.
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Hannah Höch sammelte Ausschnitte aus Zeitungen für ihre Collagen.
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Eine Besucherin betrachtet Hannah Höchs Bild "Die Journalistin" in einer Ausstellung. Die Collage stammt aus dem Jahr 1925.
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Kurt Schwitters 1927
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Titelblatt des Merz-Magazins aus dem Jahr 1924, Layout von El Lissitzky

Eine Gruppe von Schriftstellern und Künstlern gründete 1916 in Zürich die Dada-Bewegung. Zu ihnen gehörten Hugo Ball, Tristan Tzara, Hans Arp, Richard Huelsenbeck und Marcel Janco. Sie lehnten die althergebrachte Kunst und ihre Formen ab. Die Kunstwerke oder auch die Gedichte sollten willkürlich entstehen, ohne große Planung.

Die Dadaisten wandten sich auch gegen die Gesellschaft, gegen ihre Werte und gegen den Krieg. Sie wollten provozieren und mit Absicht unlogisch sein. Bei Bühnenauftritten beschimpften sie gerne auch das Publikum, hüpften umher oder musizierten wild. Sie wollten eine Anti-Kunst, also eine Gegen-Kunst. Ihre Kunst war auch eine Absage an die bürgerliche Kultur und speziell gegen die Kunst der Expressionisten gewandt.

Dada breitet sich aus

Noch während des Ersten Weltkriegs, also bis 1918, breitete sich die Dada-Bewegung aus. In mehreren deutschen Städten, insbesondere in Berlin, Köln und Hannover, aber auch in New York und Paris bildeten sich Gruppen von Dada-Künstlern. Das Ende des Dadaismus setzt man 1922 an. Die Künstler konnten sich nicht einigen, wie es weitergehen sollte und viele wandten sich anderen Strömungen wie dem Surrealismus zu, z. B. Hans Arp oder Max Ernst.

Dada-Werke: Lautgedicht, Collage, Ready-Made

Das "typische" Dada-Werk ist wohl das Lautgedicht, z.B. die "Karawane" (siehe Bild). Gerne wollten einige Dadaisten auch Gesamtkunstwerke schaffen. So nennt man Kunstwerke, die verschiedene Elemente enthalten, beispielsweise aus der Musik, der Malerei, dem Tanz und der Dichtung. Ein bekanntes Dada-Gesamtkunstwerk ist Kurt Schwitters "MERZbau".

Gern benutzt wurden auch Fotomontagen und Collagen, in denen Fotos, Zeitungsausschnitte und Alltagsgegenstände montiert wurden. Die Dadaisten, insbesondere Marcel Duchamp, waren auch die Wegbereiter der "Ready-mades". So wurden Kunstwerke genannt, die aus "gefundenen" Gegenständen hergestellt wurden, z. B. Duchamps "Fahrrad-Rad", eine Kombination aus Rad, Fahrrad-Vordergabel und Holzhocker. Statt von Kunstwerken sprachen die Dadaisten übrigens von ihren "Erzeugnissen".

Die Berliner Dadaisten

Zu den ersten, die mit Fotomontagen experimentierten gehörte Hannah Höch, die zu den Berliner Dadaisten zählte. Zu den Dadaisten in Berlin gehörte auch John Heartfield, der eigentlich Helmut Herzfeld hieß. Er wurde für seine politischen Fotomontagen bekannt. "Väter und Söhne 1924" zum Beispiel zeigt Paul von Hindenburg vor Soldatenskeletten, an denen Kinder in Uniform vorbeimarschieren.

Zum "Oberdada" erklärte sich Johannes Baader, der sich auch gleich zum Präsidenten des Erdballs ausrief. Die Dadaisten gaben sich alle solche Namen. So war Raoul Hausmann der "Monteurdada". In Berlin fand 1920 auch die Erste Internationale Dada-Messe.

Dadaisten in Köln

Auf dem Bild links ist ein Werk von Johannes Theodor Baargeld zu sehen. Baargeld? Klingt komisch und war auch tatsächlich nicht sein richtiger Name, sondern ein Künstlername. Johannes Baargeld und Max Ernst gründeten die Kölner Dada-Gruppe. Sie erregten mit einer Ausstellung 1920 großes Aufsehen, denn die Ausstellung musste durch eine öffentliche Toilette betreten werden und Max Ernst forderte dazu auf, seine Kunstwerke mit einem Beil zu zerstören.

Kurt Schwitters in Hannover

Der Berliner Kreis der Dadaisten wollte Kurt Schwitters nicht in ihre Kreise aufnehmen und gestattete ihm zum Beispiel nicht, an der Internationalen Dada-Messe teilzunehmen. So ging Schwitters seinen eigenen Weg. Schwitters malte nicht nur, sondern dichtete auch, fertigte Collagen und komponierte. Er nannte seine Technik "MERZ". Das waren Collagen aus Zeitungsausschnitten, Reklame und Abfall. Das Wort stammte aus einer Anzeige der "Kommerz- und Privatbank" (der späteren Commerzbank). Sein Gesamtkunstwerk, in dem er verschiedene Techniken vereinte, nannte er dann auch MERZbau. Das ist ein Raum mit zahlreichen Hohlräumen, die persönliche Erinnerungen enthielten. Bekannt ist auch sein Gedicht "An Anna Blume":

An Anna Blume
Oh Du, Geliebte meiner 27 Sinne, ich liebe Dir!
Du, Deiner, Dich Dir, ich Dir, Du mir, ---- wir?
Das gehört beiläufig nicht hierher!
Wer bist Du, ungezähltes Frauenzimmer, Du bist, bist Du?
Die Leute sagen, Du wärest.
Laß sie sagen, sie wissen nicht, wie der Kirchturm steht.
Du trägst den Hut auf Deinen Füßen und wanderst auf die Hände,
Auf den Händen wanderst Du.
Halloh, Deine roten Kleider, in weiße Falten zersägt,
Rot liebe ich Anna Blume, rot liebe ich Dir.
Du, Deiner, Dich Dir, ich Dir, Du mir, ----- wir?
Das gehört beiläufig in die kalte Glut!
Anna Blume, rote Anna Blume, wie sagen die Leute?
Preisfrage:
1. Anna Blume hat ein Vogel,
2. Anna Blume ist rot.
3. Welche Farbe hat der Vogel?
Blau ist die Farbe Deines gelben Haares,
Rot ist die Farbe Deines grünen Vogels.
Du schlichtes Mädchen im Alltagskleid,
Du liebes grünes Tier, ich liebe Dir!
Du Deiner Dich Dir, ich Dir, Du mir, ---- wir!
Das gehört beiläufig in die ---- Glutenkiste.
Anna Blume, Anna, A----N----N----A!
Ich träufle Deinen Namen.
Dein Name tropft wie weiches Rindertalg.
Weißt Du es Anna, weißt Du es schon,
Man kann Dich auch von hinten lesen.
Und Du, Du Herrlichste von allen,
Du bist von hinten, wie von vorne:
A------N------N------A.
Rindertalg träufelt STREICHELN über meinen Rücken.
Anna Blume,
Du tropfes Tier,
Ich-------liebe-------Dir!

Eine Rekonstruktion des Merzbau ist im Sprengelmuseum Hannover zu sehen.


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