Reinhard Heydrich - der Henker

Reinhard Heydrich – Chef des RSHA und Organisator der Wannseekonferenz

Wer war Reinhard Heydrich?

Reinhard Heydrich war einer der gefährlichsten Männer im Nationalsozialismus. Er leitete den Sicherheitsdienst der SS, später das Reichssicherheitshauptamt, kurz RSHA. Dort wurden wichtige Terrorapparate des NS-Staates zusammengeführt: Gestapo, Kriminalpolizei und Sicherheitsdienst.

Heydrich war an der Verfolgung politischer Gegner beteiligt und spielte eine zentrale Rolle bei der Verfolgung und Ermordung der europäischen Jüdinnen und Juden. Am 20. Januar 1942 leitete er die Wannseekonferenz.

Heydrichs Herkunft

Reinhard Heydrich wurde am 7. März 1904 in Halle an der Saale geboren. Sein Vater war Musiker. Heydrich wuchs in einer gebildeten und national geprägten Familie auf. Schon als Kind erhielt er Musikunterricht und spielte ein Instrument.

Als Jugendlicher kam Heydrich mit nationalistischen und antisemitischen Ideen in Kontakt. Nach dem Schulabschluss trat er in die Reichsmarine ein. Dort machte er zunächst Karriere, wurde aber 1931 nach einem Ehrengerichtsverfahren entlassen.  Im selben Jahr lernte er Heinrich Himmler kennen. Heydrich trat der NSDAP und der SS bei.

Heydrich und der Sicherheitsdienst der SS

1932 wurde Heydrich Leiter des Sicherheitsdienstes, kurz SD. Der SD war der Nachrichtendienst der SS. Er sammelte Informationen über politische Gegner und über Menschen, die das NS-Regime als Feinde betrachtete. Für Heinrich Himmler wurde Heydrich schnell zu einem besonders wichtigen Mitarbeiter. Er galt als ehrgeizig, kalt und rücksichtslos. Unter seiner Leitung wurde der SD zu einem wichtigen Werkzeug der Überwachung und Verfolgung.

Nach der Machtübernahme der Nationalsozialisten 1933 stieg Heydrich weiter auf. Er wurde Chef der bayerischen Politischen Polizei und wirkte am Aufbau des nationalsozialistischen Terrorapparats mit. 

Was war das Reichssicherheitshauptamt - RSHA?

1939 wurde Heydrich Chef des neu gegründeten Reichssicherheitshauptamtes, kurz RSHA. Diese Behörde war eine Schaltzentrale des Terrors. Hier wurden Gestapo, Kriminalpolizei und SD zusammengefasst. Das RSHA verfolgte politische Gegner, organisierte Überwachung, Deportationen und Mordaktionen. Heydrich war eine wichtige Person bei der Planung und Koordination der europaweiten sogenannten „Endlösung“

Reinhard Heydrich als Chef von Sicherheitspolizei und RSHA

1936 wurde Heydrich Chef der Sicherheitspolizei und des SD. Zur Sicherheitspolizei gehörten die Gestapo, also die Geheime Staatspolizei, und die Kriminalpolizei.

Heydrich und die Judenverfolgung

Heydrich spielte eine wichtige Rolle bei der Verfolgung der jüdischen Bevölkerung. Er war an der Planung von Vertreibung, Ghettoisierung und Deportationen beteiligt. Nach dem Überfall auf Polen 1939 wurden viele Jüdinnen und Juden in Ghettos gezwungen. Später folgten Massendeportationen in besetzte Gebiete und in Vernichtungslager. Heydrich gehörte zu den Männern, die diese Politik organisierten.

Am 31. Juli 1941 erhielt Heydrich von Hermann Göring den Auftrag, Vorbereitungen für die sogenannte „Endlösung der Judenfrage“ zu treffen. Damit war die Ermordung der europäischen Jüdinnen und Juden gemeint.

Heydrich und die Wannseekonferenz

Am 20. Januar 1942 leitete Heydrich die Wannseekonferenz in Berlin. An der Besprechung nahmen Vertreter der SS, der NSDAP und verschiedener Reichsministerien teil. Das Thema war die sogenannte „Endlösung der Judenfrage“.

Auf der Wannseekonferenz wurde der Holocaust nicht erst beschlossen. Die Massenmorde hatten bereits begonnen. Die Konferenz diente dazu, die Zusammenarbeit der Behörden bei der Ermordung der europäischen Jüdinnen und Juden zu organisieren. 

Der „Henker von Prag“

1941 wurde Heydrich stellvertretender Reichsprotektor in Böhmen und Mähren, also in den von Deutschland besetzten tschechischen Gebieten. Dort ging er mit großer Brutalität gegen die Bevölkerung und gegen den Widerstand vor. Deshalb wurde er auch „Henker von Prag“ genannt.

Am 27. Mai 1942 verübten tschechoslowakische Widerstandskämpfer in Prag ein Attentat auf Heydrich. Die Aktion war unter dem Namen Operation Anthropoid vorbereitet worden. Heydrich wurde schwer verletzt und starb am 4. Juni 1942. 

Die Racheaktion von Lidice

Nach Heydrichs Tod rächten sich die Nationalsozialisten grausam. Sie machten das tschechische Dorf Lidice verantwortlich, obwohl sie dafür keine echten Beweise hatten.

In der Nacht vom 9. auf den 10. Juni 1942 zerstörten deutsche Polizei- und SS-Einheiten das Dorf. Die Männer wurden erschossen. Viele Frauen wurden in Konzentrationslager verschleppt. Die meisten Kinder wurden ermordet; nur wenige wurden zur sogenannten „Germanisierung“ ausgewählt. Das Dorf Lidice wurde vollständig zerstört.