Die Endlösung

Warum ist der Begriff „Endlösung“ so problematisch?

Das Wort „Endlösung“ klingt zunächst sachlich und fast harmlos. Genau das war beabsichtigt. Die Nationalsozialisten verwendeten oft eine Sprache, die ihre Verbrechen verschleiern sollte. Sie sprachen zum Beispiel von „Umsiedlung“, „Evakuierung“ oder „Sonderbehandlung“, obwohl damit häufig Deportation, Gewalt und Mord gemeint waren.

Auch der Ausdruck „Judenfrage“ war ein Begriff aus der antisemitischen Sprache der Täter. Die Nationalsozialisten stellten jüdische Menschen als angebliches „Problem“ dar. Das war eine Lüge und Teil ihrer menschenverachtenden Ideologie.

Es bedeutete am Ende nur eines: Mord

Unter Adolf Hitler wurden Jüdinnen und Juden Schritt für Schritt ausgegrenzt, entrechtet, verfolgt und beraubt. Sie durften viele Berufe nicht mehr ausüben, wurden aus Schulen, Vereinen und dem öffentlichen Leben ausgeschlossen. Später wurden sie in Ghettos gepfercht, verschleppt und ermordet.

Wenn die Nationalsozialisten von der „Endlösung der Judenfrage“ sprachen, meinten sie am Ende die planmäßige Ermordung der europäischen Jüdinnen und Juden. Millionen Menschen wurden Opfer dieses Verbrechens.

Gab es einen schriftlichen Befehl Hitlers?

Lange wurde gefragt, ob es einen schriftlichen Befehl Hitlers zum Mord an den europäischen Jüdinnen und Juden gab. Ein solches Dokument wurde bisher nicht gefunden. Wir wissen also nicht, ob es je existierte.

Trotzdem gehen Historikerinnen und Historiker davon aus, dass Hitler von der Ermordung der Jüdinnen und Juden wusste und sie wollte. Viele wichtige Entscheidungen gab Hitler mündlich weiter. Seine engsten Vertrauten verstanden sehr genau, was von ihnen erwartet wurde.

Pass auf!

Die „Endlösung der Judenfrage“ war ein verharmlosender Begriff der Nationalsozialisten. Gemeint war die systematische Ermordung der Jüdinnen und Juden Europas. Heute sprechen wir von Holocaust oder Schoah. Der Begriff zeigt auch, wie gefährlich Sprache sein kann, wenn sie Verbrechen verschleiert.

Wer organisierte die „Endlösung“?

Zu den wichtigsten Tätern gehörten Heinrich Himmler und Reinhard Heydrich. Himmler war Reichsführer SS, Heydrich leitete das Reichssicherheitshauptamt. Beide waren entscheidend daran beteiligt, die Verfolgung, Deportation und Ermordung der Jüdinnen und Juden zu organisieren.

Schon nach dem Überfall auf die Sowjetunion im Juni 1941 begannen sogenannte Einsatzgruppen damit, jüdische Menschen massenhaft zu erschießen. Diese Morde fanden vor allem in den von Deutschland besetzten Gebieten im Osten Europas statt.

Bald danach entstanden Vernichtungslager wie Chelmno, Belzec, Sobibor, Treblinka, Majdanek und Auschwitz-Birkenau. Dorthin wurden Menschen in Zügen deportiert. Viele wurden direkt nach ihrer Ankunft ermordet.

Welche Rolle spielte die Wannsee-Konferenz?

Eine wichtige Rolle spielte auch die Wannsee-Konferenz am 20. Januar 1942 in Berlin. Dort trafen sich hohe Vertreter des NS-Staates und der SS. Sie besprachen, wie die Verfolgung, Verschleppung und Ermordung der europäischen Jüdinnen und Juden organisiert werden sollte.

Der Massenmord hatte zu diesem Zeitpunkt bereits begonnen. Die Wannsee-Konferenz zeigt aber, wie bürokratisch die Nationalsozialisten ihr Verbrechen planten und verwalteten.

Mehr dazu erfährst du in unserem Artikel zur Wannsee-Konferenz.

Was waren die Vernichtungslager im Osten?

Viele Vernichtungslager lagen im besetzten Polen. Sie wurden gebaut, um möglichst viele Menschen möglichst schnell zu ermorden. Das unterscheidet sie von vielen Konzentrationslagern, in denen Menschen gefangen gehalten, gequält und zur Arbeit gezwungen wurden. Auch dort starben sehr viele Menschen. Die Vernichtungslager aber hatten vor allem den Zweck des Massenmords.

Die Nationalsozialisten versuchten, ihre Taten zu vertuschen. Deshalb benutzten sie verharmlosende Wörter und vernichteten später viele Spuren.

Die Posener Rede Himmlers

Von Heinrich Himmler gibt es Reden, in denen er den Mord an den Jüdinnen und Juden offen ansprach. Besonders bekannt ist die sogenannte Posener Rede vom Oktober 1943. Himmler hielt sie vor führenden SS-Männern in Posen, dem heutigen Poznań in Polen.

Diese Rede ist ein wichtiges historisches Dokument. Sie zeigt, dass die Täter genau wussten, was sie taten. Sie wussten auch, dass es ein Verbrechen war.

Warum ist es wichtig, den Begriff zu erklären?

Der Ausdruck „Endlösung“ war ein Tarnwort. Er sollte verschleiern, dass es um Mord ging. Deshalb setzen Historikerinnen und Historiker den Begriff oft in Anführungszeichen oder erklären ihn genau.

Für uns heute ist wichtig: Wir sollten die Sprache der Täter nicht einfach übernehmen. Wenn wir den Begriff verwenden, müssen wir deutlich machen, was wirklich gemeint war: der Holocaust, also die Ermordung von etwa sechs Millionen Jüdinnen und Juden durch die Nationalsozialisten.

Hier kannst du dir selbst ein Bild machen und in die sogenannte “Posener Reder” einmal hineinhören. 

Hitlers Rede in Posen vor SS-Führern benannte den Judenmord genau. Es sprach von der Ausrottung der Juden und was dies in Konsequenz bedeutete. [ © Bilder Bundesarchiv ]