Die Todesmärsche
Was waren die Todesmärsche?


Gegen Ende des Zweiten Weltkriegs rückten die alliierten Truppen immer weiter vor. Im Osten näherte sich die Rote Armee, im Westen kamen amerikanische, britische und französische Truppen näher. Die Nationalsozialisten verloren immer mehr Gebiete.
In dieser Situation begann die SS, viele Konzentrationslager und Außenlager zu räumen. Die Häftlinge sollten nicht von den Alliierten befreit werden. Viele wurden zu Fuß angetrieben oder in Zügen abtransportiert. Diese Märsche und Transporte nennt man heute Todesmärsche.
Der Begriff stammt wahrscheinlich von den Häftlingen selbst. Sie bezeichneten damit die langen Gewaltmärsche unter schlimmsten Bedingungen: ohne genug Nahrung, ohne Schutz vor Kälte, oft ohne medizinische Hilfe und ständig bedroht von den Wachmannschaften.
Warum räumte die SS die Konzentrationslager?
Warum die Konzentrationslager genau geräumt wurden, hatte mehrere Gründe. Die SS wollte verhindern, dass die Häftlinge befreit wurden und über die Verbrechen in den Lagern berichten konnten. Außerdem sollten viele Häftlinge weiter als Zwangsarbeiter eingesetzt werden. Manche sollten auch als mögliche Geiseln dienen.
Einen eindeutigen Befehl Adolf Hitlers, alle Lager zu räumen, gab es nach heutigem Forschungsstand wohl nicht. Trotzdem war klar: Die Räumungen wurden von der SS organisiert und mit großer Brutalität durchgeführt.
Todesmärsche aus den Lagern im Osten
Besonders viele Todesmärsche begannen im Winter 1944/45, als die Rote Armee die Lager im Osten erreichte. Ein bekanntes Beispiel ist das Konzentrations- und Vernichtungslager Auschwitz-Birkenau. Am 18. Januar 1945 wurden dort Zehntausende Häftlinge auf Märsche Richtung Westen getrieben. Viele waren krank, unterernährt und völlig erschöpft.
Die Häftlinge mussten oft bei Schnee und eisiger Kälte laufen. Wer nicht mehr weiterkonnte, wurde von SS-Leuten erschossen oder zurückgelassen. Andere starben an Hunger, Erschöpfung, Krankheiten oder Kälte.
Ein Teil der Häftlinge wurde auch in Güter- und Viehwaggons transportiert. Auch diese Transporte waren oft tödlich. Die Menschen bekamen kaum Wasser und Nahrung. Viele starben unterwegs.
Warum Todesmärsche?
Die Häftlinge selbst nannten diese Gewaltmärsche wahrscheinlich Todesmärsche. Der Name beschreibt, wie tödlich diese Märsche waren. Die Menschen mussten oft viele Kilometer laufen, obwohl sie krank, hungrig und völlig erschöpft waren. Wer nicht weitergehen konnte, wurde häufig erschossen oder starb unterwegs. Deshalb steht der Begriff heute für eine besonders grausame Phase am Ende des Holocaust und des Zweiten Weltkriegs.
Todesmärsche kurz vor der Befreiung?
Zuerst führten viele Todesmärsche von Osten nach Westen. Doch auch im Inneren des Deutschen Reiches wurden kurz vor Kriegsende noch Lager geräumt. Dazu gehörten zum Beispiel Lager wie Sachsenhausen, Dachau, Buchenwald oder Mittelbau-Dora und ihre Außenlager.
Noch im April 1945 trieb die SS Tausende Häftlinge weiter, obwohl der Krieg für Deutschland längst verloren war. Im KZ Sachsenhausen wurden zum Beispiel am 20. und 21. April 1945 mehr als 33.000 Menschen auf Märsche Richtung Nordwesten geschickt. Viele überlebten nur, weil sie Anfang Mai 1945 von alliierten Truppen befreit wurden.
Wie viele Menschen starben auf den Todesmärschen?
Die genaue Zahl der Opfer ist nicht bekannt. Viele Todesfälle wurden nicht dokumentiert. Die Märsche führten durch viele Orte, Wälder und Straßen. Oft wurden die Toten verscharrt oder zurückgelassen.
Historikerinnen und Historiker gehen davon aus, dass Zehntausende, möglicherweise Hunderttausende Menschen auf Todesmärschen und bei Räumungstransporten starben. Ohne die Räumung der Lager hätten viele Menschen befreit werden können. Stattdessen kosteten die Todesmärsche noch in den letzten Wochen und Monaten des Krieges unzählige Menschenleben.
Warum erinnern wir heute an die Todesmärsche?
Heute erinnern Gedenktafeln, Mahnmale und Gedenkwege an vielen Orten an die Todesmärsche. Sie zeigen: Die Verbrechen des Nationalsozialismus geschahen nicht nur in großen Lagern wie Auschwitz. Sie fanden auch auf Straßen, in Dörfern, Städten und Wäldern statt.
Die Todesmärsche machen deutlich, dass die SS selbst in den letzten Kriegstagen weiter mordete. Der Krieg war fast verloren, doch die Gewalt gegen die Häftlinge ging weiter.
Häufige Fragen zu den Todesmärschen
Was waren die Todesmärsche?
Todesmärsche waren Gewaltmärsche von Häftlingen aus Konzentrationslagern. Die SS trieb die Menschen gegen Kriegsende aus den Lagern weg, oft unter tödlichen Bedingungen.
Warum gab es Todesmärsche?
Die SS wollte verhindern, dass die Häftlinge von den Alliierten befreit wurden. Außerdem sollten viele Häftlinge weiter als Zwangsarbeiter eingesetzt oder als Geiseln benutzt werden.
Wann fanden die Todesmärsche statt?
Viele Todesmärsche fanden in den letzten Monaten des Zweiten Weltkriegs statt, besonders im Winter 1944/45 und im Frühjahr 1945.
Wer wurde auf Todesmärsche geschickt?
Auf Todesmärsche wurden Häftlinge aus Konzentrationslagern und Außenlagern geschickt. Darunter waren Jüdinnen und Juden, Sinti und Roma, politische Gefangene, Kriegsgefangene und viele andere Verfolgte.
Wie viele Menschen starben auf den Todesmärschen?
Die genaue Zahl ist nicht bekannt. Man geht aber davon aus, dass Zehntausende, möglicherweise Hunderttausende Menschen auf den Todesmärschen und bei Räumungstransporten starben.
Blick voraus:
Die Todesmärsche zeigen, dass Verbrechen nicht nur an bekannten Orten wie Auschwitz stattfanden. Viele Menschen wurden auch auf Straßen, in kleinen Orten und vor den Augen anderer weitergetrieben, misshandelt oder ermordet.
Das ist für die Erinnerung heute wichtig. Denn Geschichte begegnet uns nicht nur in Büchern oder Museen. Sie kann auch mit Orten verbunden sein, an denen wir leben, zur Schule gehen oder vorbeikommen. Gedenktafeln an Straßen und Wegen erinnern daran, dass auch die letzten Wochen des Krieges für viele Häftlinge noch tödlich waren.
Warum sind die Todesmärsche heute wichtig?
Die Todesmärsche zeigen außerdem, wie gefährlich ein System ist, das Menschen entrechtet und ihnen jede Würde nimmt. Wer sich damit beschäftigt, lernt genauer hinzusehen: Wo werden Menschen heute ausgegrenzt, abgewertet oder ihrer Rechte beraubt?

Holocaust 
