Menschenversuche und wer ist der Todesengel?

Menschenversuche in Konzentrationslagern

Ärztinnen und Ärzte sollen Menschen helfen und Krankheiten behandeln. In der Zeit des Nationalsozialismus missbrauchten jedoch viele Ärzte ihre Stellung. Sie führten in Konzentrationslagern grausame Menschenversuche durch. Die Opfer wurden nicht gefragt, konnten nicht ablehnen und sich nicht wehren.

Die Täter nannten diese Versuche oft „Forschung“. In Wirklichkeit waren sie schwere Verbrechen. Viele Menschen litten unter Schmerzen, wurden dauerhaft verletzt oder starben.

Menschenversuche im KZ

Menschenversuche fanden in mehreren Konzentrationslagern statt, zum Beispiel in Auschwitz, Dachau, Ravensbrück, Buchenwald, Sachsenhausen und Natzweiler. Die Opfer waren Häftlinge: Jüdinnen und Juden, Sinti und Roma, politische Gefangene, Kriegsgefangene und andere Verfolgte.

Die Experimente hatten unterschiedliche Ziele. Manche sollten der Wehrmacht helfen, etwa bei Kälte, Unterdruck oder schweren Verletzungen. Andere dienten der nationalsozialistischen Rassenideologie. Dazu gehörten Sterilisationsversuche und Experimente an Zwillingen.

Krankheiten, Kälte und Sterilisationsversuche

In einigen Lagern wurden Häftlinge absichtlich mit Krankheiten infiziert, zum Beispiel mit Fleckfieber, Malaria oder Tuberkulose. Die Täter wollten beobachten, wie Krankheiten verliefen oder ob bestimmte Medikamente wirkten. Viele Opfer starben an den Folgen.

In Dachau wurden Häftlinge extremer Kälte oder Unterdruck ausgesetzt. In Ravensbrück verletzten Ärzte Frauen schwer, um die Wirkung von Medikamenten oder die Heilung von Wunden zu testen.

In Auschwitz führte der Arzt Horst Schumann Sterilisationsversuche mit Röntgenstrahlen durch. Dabei sollten Menschen unfruchtbar gemacht werden. Viele Opfer erlitten schwere Verletzungen oder starben.

Josef Mengele und Auschwitz

Besonders bekannt wurde der SS-Arzt Josef Mengele. Er arbeitete in Auschwitz-Birkenau und war an Selektionen beteiligt. Später wurde er oft als „Todesengel von Auschwitz“ bezeichnet.

Mengele führte grausame Versuche an Häftlingen durch, besonders an Zwillingen und Kindern. Viele Opfer wurden schwer geschädigt oder starben. Mengele konnte nach dem Krieg fliehen und wurde nie vor Gericht gestellt.

Was ist der Nürnberger Kodex?

Der Nürnberger Kodex entstand nach dem Zweiten Weltkrieg. Er enthält Regeln für medizinische Forschung am Menschen. Niemand darf zu einem medizinischen Versuch gezwungen werden. Menschen müssen vorher informiert werden und freiwillig zustimmen.

Der Nürnberger Ärzteprozess

Nach dem Zweiten Weltkrieg wurden einige Täter im Nürnberger Ärzteprozess angeklagt. Dabei ging es um Ärzte und Verantwortliche, die an Menschenversuchen und anderen Verbrechen beteiligt waren.

Aus diesem Prozess entstand der Nürnberger Kodex. Er legt wichtige Regeln für medizinische Forschung fest. Besonders wichtig ist: Menschen dürfen nur dann an medizinischen Studien teilnehmen, wenn sie vorher informiert wurden und freiwillig zustimmen.


Blick zurück

Schon 1927 wurde mit dem Ziel, die deutsche "Rassenkunde" voran zu treiben, das Kaiser-Wilhelm-Institut für Anthropologie, Humangenetik und Eugenik gegründet. Schon hier wurden Theorien unterstützt, dass man "genetisch unwertes" Leben, oder was man darunter verstand, ausmerzen müsse. Somit waren schon einmal die Voraussetzungen dafür geschaffen, was die Nationalsozialisten dann später "im Dienst der Forschung" weiter betrieben, schreckliche Versuche an lebenden Menschen.


Blick voraus

Die Menschenversuche im Nationalsozialismus zeigen, was passieren kann, wenn Medizin nicht mehr dem Schutz des Menschen dient. Die Opfer wurden nicht als Menschen mit Rechten gesehen, sondern als Mittel für angebliche Forschung.

Heute gelten klare Regeln: Niemand darf zu einem Versuch gezwungen werden. Patientinnen und Patienten müssen informiert werden und freiwillig zustimmen. Das Thema erinnert daran, dass Wissenschaft Verantwortung braucht — und dass die Würde eines Menschen immer geschützt werden muss.