Hintergrundbild Epoche

Heinrich und Marie List helfen aus Mitmenschlichkeit


Heinrich und Marie List waren einfache Bauern und völlig unpolitisch. Sie stehen für diejenigen, die aus Mitleid heraus anderen geholfen haben. Nicht politische Überzeugung, sondern die Bereitschaft zu unterstützen, brachten ihnen nur Nachteile ein. Nachteile, die sie in Kauf nahmen. Aufgrund ihres Mutes retteten sie ein Menschenleben.

Der Mensch, den Heinrich und Marie List retteten, hieß Ferdinand Strauß. Die Familien List und Strauß kannten sich, unterhielten auch vor der Ausgrenzung der Juden geschäftliche Beziehungen. Sie lebten alle im hessischen Odenwald, die Lists in einem kleinen Dorf namens Ernsbach und Strauß in dem nahe gelegenen Ort Michelstadt. Ferdinand Strauß flüchtete vor der drohenden Deportation. Große Angst hatte ihn befallen, war er doch zuvor schon eine Zeit im KZ Buchenwald inhaftiert gewesen.

Nun stand er eines Tages vor der Tür der Familie List, die ihn nicht abwiesen, sondern ihr Haus öffneten. Sie wussten, welches Risiko sie damit eingingen und nahmen den Flüchtenden trotzdem für eine Zeit auf und versorgten Ferdinand Strauß. Wahrscheinlich wäre das Ganze auch gut gegangen, aber ein mit dem Bauern zerstrittener Zwangsarbeiter zeigte den Bauern an, so dass die Sache letztlich beim Bürgermeister des Dorfes landete und damit bei der Polizei.

Marie List gab schließlich während eines Verhörs zu, einen Juden versteckt zu haben. Sie selbst wurde nur verwarnt, ihr Mann Heinrich allerdings wanderte ins Darmstädter Gestapogefängnis und später ins Konzentrationslager Dachau. Hier starb er wohl an den Folgen der schlechten Behandlung im KZ.

Ferdinand Strauß konnte rechtzeitig fliehen und entkam in die Schweiz.


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