Wohnen - Wohnungen in der DDR

Wohnen in der DDR

Nach dem Zweiten Weltkrieg war die Wohnungsnot in der DDR groß. Viele Wohnungen waren durch Bomben zerstört oder schwer beschädigt worden. Trotz aller Anstrengungen gelang es nicht, den Bedarf zu decken. Junge Eheleute konnten nicht zusammenziehen, weil es keine Wohnung für sie gab. Manchmal mussten sogar Geschiedene aus diesem Grund weiter in einer Wohnung leben.

Deshalb wurde 1973 ein Wohnungsbauprogramm beschlossen. Endlich sollte es genügend Wohnungen für alle geben. In großem Umfang sollten neue Wohnhäuser entstehen, und zwar in der schnellen Plattenbauweise. Neben dem Neubau von Wohnungen wurde auch die umfassende Sanierung der Altbauten beschlossen.
 

DDR-Wohnung: Begehrter Plattenbau

Die so entstehenden Wohnungen in den Plattenbau-Siedlungen waren in der DDR sehr begehrt. Anders als in den immer noch meist unsanierten Altbauten gab es hier nämlich ein Bad, fließend warmes Wasser und eine Fernheizung. Die Küchen waren klein, aber dafür schon voll ausgestattet inklusive Herd und Spüle.

Zur Siedlung gehörten Kinderkrippen und Kindergärten  sowie Spielplätze, was die Wohnungen besonders attraktiv für junge Familien machte. Und natürlich war auch hier die Miete unschlagbar niedrig. Eine Dreiraumwohnung war für 109 Mark Miete im Monat zu beziehen! Spöttisch nannte der Volksmund die Bauten nicht nur "Platte", sondern auch "Arbeiterschließfach" oder "Wohnklo mit Kochnische".

Der Staat aber wollte gleich zwei Fliegen mit einer Klappe schlagen: Neue Wohnungen und die Verwirklichung der Gleichheit aller Menschen. Der Status in der Gesellschaft sollte nicht an den Wohnverhältnissen ablesbar sein. Der Professor wohnte hier neben dem Fließbandarbeiter. Ihre Kinder besuchten gemeinsam den Kindergarten. Sozialistische Hausgemeinschaften waren das Ziel.
 

Altbau in der DDR

Die Altbauten in der DDR waren fast alle in Privatbesitz. Die Höhe der Miete, die der Vermieter einnehmen durfte, war schon 1945 festgelegt worden. Niemand sollte sich an Wohneigentum bereichern können und so wurde der Stand der Mieten auf der Höhe des Vorkriegsstandes eingefroren. Das blieb bis zum Ende der DDR so.

Altbauten, die der Gemeinde oder dem Staat gehörten, verfielen allerdings ebenfalls, weil auch hier kein Geld vorhanden war oder die notwendigen Baustoffe nicht erhältlich waren. Die Häuser blieben darum überwiegend unsaniert, weil dem Vermieter das Geld dafür fehlte. Man heizte mit Kohleöfen und musste die Toilette im Treppenhaus oder auf dem Hof benutzen. Und das auch noch in den 1980er Jahren!

Die beschlossene Altbau-Sanierung erfolgte langsam. Straße für Straße ging man vor. Dabei begann man in Ost-Berlin. Erst danach kamen die Bezirksstädte dran, dann die touristischen Gebiete und dann erst die Provinz. Für manche Altbauviertel war es jedoch längst zu spät: Sie waren nicht mehr zu retten. So entstanden auch mitten in den Altstädten Neubaugebiete, die die gewachsene Struktur der Stadt grundlegend änderte.
 

Antrag auf Zuweisung einer Wohnung

Einen Wohnungsmarkt, der Angebot und Nachfrage regelte, gab es in der DDR nicht. Wohnungen wurden allein vom Staat zugewiesen. Man musste beim Amt für Wohnungswesen einen Antrag stellen, wenn man umziehen wollte. Wie groß die Wohnung sein durfte, regelten ebenfalls gesetzliche Bestimmungen. Für eine Familie mit zwei Kindern waren das z. B. etwa 60 Quadratmeter.

Die Wartezeit betrug oft mehrere Jahre. Im Zuge des Wohnungsbauprogramms wurde auch beschlossen, junge Ehepaare bevorzugt bei der Vergabe zu berücksichtigen. Viele junge Leute heirateten aus diesem Grund besonders schnell.
 

Ein Eigenheim in der DDR?

In einem eigenen Haus lebten in der DDR nur sehr wenige Menschen. Das Wohnungsbauprogramm ermöglichte allerdings kinderreichen Familien, eine Baugenehmigung zu erhalten, da für sie der Platz in einer Plattenbauwohnung zu klein war.

Das Besorgen von Baustoffen blieb aber auch für sie ein großes Problem. Fast die Hälfte aller bestehenden Eigenheime stammte aus der Zeit vor 1918. Auch sie verfielen zusehends.
 


Blick voraus

Das Ansehen der Plattenbau-Siedlungen sank mit dem Ende der DDR. Viele Mieter zogen aus. Der Wunsch nach mehr Komfort spielte dabei genauso eine Rolle wie die Anonymität und die Gleichförmigkeit solcher Siedlungen.