Arbeit im Arbeiter- und Bauernstaat


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Hüttenarbeiter am Hochofen, Hennigsdorf 1952
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Arbeiterin in einer Möbelfabrik, dem VEB Ede-Holz, Berlin 1956
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Ausbildung zum Agrarmechaniker 1980
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Lehrlinge im Gewächshaus 1973
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Werkstoffprüfer bei der Arbeit, 1977

Arbeit sollte im Sinne des Sozialismus eine wesentliche Rolle im Leben eines jeden Menschen einnehmen. Anders als im Kapitalismus ging es nicht darum, für andere zu schuften, nämlich für den Besitzer der Fabrik. Sondern weil die Fabriken dem Staat und somit allen gehörten, arbeitete man sozusagen auch für sich selbst.

So sollte die Arbeit dem Menschen näher sein als im Kapitalismus, er sollte ihr nicht "entfremdet" sein. Das Recht auf Arbeit war sogar in der Verfassung der DDR verankert. Die Ziele des Sozialismus waren in der Wirklichkeit jedoch nur schwer umzusetzen.

Arbeiter, Bauern und Intelligenz

Die DDR verstand sich als Arbeiter- und Bauernstaat. Die Arbeiterklasse sollte im Bündnis mit den Bauern die Herrschaft übernehmen. Das Ziel war eine klassenlose Gesellschaft und somit der Kommunismus. Entsprechend hoch war die Wertschätzung der Arbeiter.

Neben den Arbeitern und Bauern gab es dann noch die "Intelligenz" (Geistesarbeiter, Studierte, Akademiker). Nachdem das erste Wappen der DDR (siehe Zeitstrahl 1949) nur Hammer und Ährenkranz als Symbol für die Arbeiter und Bauern gezeigt hatte, kam 1955 der Zirkel als Symbol für die Intelligenz dazu. Sie brauchte man, doch sollte sich ihr Nachwuchs vor allem aus Arbeiterkindern zusammensetzen, die zudem linientreu waren.

Arbeit in der Verfassung

Laut Verfassung verstand sich die DDR als "politische Organisation der Werktätigen in Stadt und Land unter der Führung der Arbeiterklasse und ihrer marxistisch-leninistischen Partei" (Artikel 1). Außerdem war in ihr auch das Recht auf Arbeit formuliert: "Jeder Bürger der Deutschen Demokratischen Republik hat das Recht auf Arbeit." In der überarbeiteten Fassung von 1974 kam dazu: "Das Recht auf Arbeit und die Pflicht zur Arbeit bilden eine Einheit."

In der Wirklichkeit

Tatsächlich gab es in der DDR im Prinzip keine Arbeitslosigkeit, die in kapitalistischen Ländern ein großes gesellschaftliches Problem darstellte. Wie schaffte man das? Tatsächlich gab es auch deshalb genügend Arbeitsplätze, weil durch das Hinterherhinken in der modernen Produktion Maschinen und Anlagen zur Automatisierung fehlten. Für die Auslastung der vorhandenen Maschinen war Schichtarbeit notwendig.

Man benötigte also wirklich mehr Arbeiter als für die gleiche Produktion im Westen. Zum anderen schuf man dann eben Arbeitsplätze, auch wenn man sie eigentlich nicht benötigte. So war die Einstellung zur Arbeit dann nicht immer die, die sich der Staat wünschte. Oft stand man nur herum und hatte nichts zu tun, weil z. B. Material oder ein Ersatzteil fehlte. Viel zu viele Beschäftigte schraubten die Personalkosten in die Höhe und der Betrieb arbeitete nicht mit Gewinn.

Die Erfüllung des Plans

Das oberste Ziel der Arbeit war die Erfüllung des Plans (siehe dazu: Planwirtschaft). Jeder Arbeiter wusste, welches das vorgegebene Ziel war. Um die Arbeiter zu motivieren, wurden Ehrenzeichen und Orden verliehen. Besonders häufig wurde, auf unterster Stufe, die Ehrung als "Aktivist der sozialistischen Arbeit" verliehen. Jugendliche in der Ausbildung konnten den Orden als "Jungaktivist" erhalten.

Arbeitszeit und Lohn

Wie sah das Arbeitsleben aus? Die Arbeitszeit betrug 8 3/4 Stunden, nachdem 1967 die Fünf-Tage-Woche eingeführt worden war und der Samstag damit arbeitsfrei blieb (BRD: 40-Stunden-Woche seit 1965, 38,5-Stunden-Woche ab 1984). Schichtarbeiter mussten 8 Stunden am Tag arbeiten. Der Durchschnittslohn betrug 1970 792 Mark und 1988 1280 Mark.

Brigaden

Organisiert waren die Arbeiter der Volkseigenen Betriebe (VEB) und auch der LPG in sogenannten Brigaden. Das waren Gruppen von Arbeitern, die in der gleichen Abteilung arbeiteten und die gleiche Aufgabe in der Produktion hatten. Die Brigade galt als wichtige Kernzelle nicht nur des Arbeitslebens.

Gemeinsam marschierte man z. B. bei den Feiern zum Ersten Mai oder verbrachte Freizeit gemeinsam, indem man z. B. zusammen Theater spielte oder tanzte. Die Brigaden standen auch im Wettbewerb miteinander. Jedes Jahr wurden die besten Brigade ausgezeichnet. Brigaden mit herausragenden Leistungen erhielten zudem einen besonderen Namen wie "Brigade Karl Marx".

Schule und Arbeit

Brigaden übernahmen auch Patenschaften für Schulklassen und wurden so zur Patenbrigade. So sollten die Schüler schon früh an die Arbeitswelt herangeführt werden. Das geschah auch im Unterricht. Ab der 7. Klasse erhielten die Schüler Unterricht in "Produktiver Arbeit" (PA), "Einführung in die sozialistische Produktion" (ESP) und "Technischem Zeichnen" (TZ). Mehr zur Schule in der DDR.


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