Hintergrundbild Epoche

Wer ist die Lausfrau?


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Die langen Zöpfe mussten ab, wenn sich die Läuse einmal eingenistet hatten.
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Solche Zöpfe mussten dann schon einmal ab, wenn sich Läusefamilien darin versteckt hatten.

Bei so manchem älteren Menschen werden bei der Erwähnung der Lausfrau unangenehme Erinnerungen geweckt. Denn diese Frau kam regelmäßig in die Schulen, um zu kontrollieren, ob sich auf den Kinderköpfen vielleicht ein paar Läusefamilien eingerichtet hatten. Ihr wichtigstes Werkzeug war der so genannte Nissenkamm, mit dem man die Nissen - das sind die Eier der Läuse - aus dem Haar streichen konnte.

Die Laufrau war nicht zimperlich

Und da ging die Lausfrau nicht immer zimperlich vor. Wehe dem, der seine Haare nicht ordentlich gekämmt hatte. Da ziepte und zappte es schon einmal ganz schön heftig.

Die Juden mussten wie so oft als Sündenböcke herhalten

Vielen Kindern war es peinlich, wenn die Lausfrau bei ihnen Läuse fand. Gut, damals waren die hygienischen Verhältnisse sicher ganz anders als heute, aber Läuse wollte natürlich keiner haben. Die Vorstellung, es krabbelt etwas auf dem Kopf herum, ist auch nicht gerade angenehm. Oft suchte man Außenseiter als Sündenböcke, die die Läuse eingeschleppt haben sollten. Wie so oft mussten jüdische Kinder herhalten, denen man unterstellte, sie hätten die Läuseplage verursacht. Immer wieder waren die Juden das Opfer für allerlei Spott.

Am Ende blieb oft nur "Haare ab!"

Weil man dachte, die Läuse würden von Kopf zu Kopf hüpfen, rückten die Schülerinnen und Schüler oft auseinander. Manche Eltern griffen am Ende zu radikalen Methoden und schnitten die Haare komplett ab. Bei den Jungen war das nicht so problematisch, aber in einer Zeit, in der die Mädchen meist lange Haare oder Zöpfe trugen, kam das bei diesen nicht so gut an.


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