Architektur in der DDR


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Bauarbeiten an der Karl-Marx-Allee in Berlin 1951
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Sozialistischer Klassizismus in Magdeburg (Ernst-Reuter-Allee, hier 2005)
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Die Weltzeituhr am Alexanderplatz in Berlin mit dem Fernsehturm im Hintergrund.
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Nikolaiviertel in Berlin in historisierender Bauweise

Nach dem Krieg

Im zweiten Weltkrieg waren viele Gebäude zerstört und ganze Städte in Schutt und Asche gelegt worden. So ging es in den ersten Jahren nach dem Krieg und nach der Gründung der DDR vor allem um den Wiederaufbau - genau wie im Westen Deutschlands.

Doch in der DDR ging man einen anderen Weg. Modernes Bauen (Neues Bauen) gab es nur in Ansätzen. Die Architektur des Westens wurde als "formalistisch" abgelehnt. Gefordert wurde eine Architektur, wie sie in der Sowjetunion vorherrschte, im Stil des Sozialistischen Realismus. Viele alte Gebäude wurden abgerissen (siehe: Abriss).

Sozialistischer Klassizismus bis 1955

Als nationale Architektur sollten Stilmittel verwendet werden, die zu dem jeweiligen Land passten. Im Fall der DDR war das vor allem der Klassizismus, der sich die Antike zum Vorbild nahm, darum spricht man hier vom Sozialistischen Klassizismus.

Man spricht auch vom Zuckerbäckerstil, denn wie der Zuckerbäcker die Torte verzierte, so wurden die Gebäude vielfach verziert, getürmt oder mit Säulen ausgestattet. Das geschah oft so übertrieben, dass die Verzierung aufgesetzt und nicht harmonisch wirkte. Vor allem in Sachsen gab es zusätzlich Anklänge an den Barock, z. B. beim Wiederaufbau des Dresdner Altmarkts.

Die Sozialistische Stadt

Die prunkvolle Bauweise fand schon 1955 ein Ende. Nicht nur, dass diese Art zu bauen, teuer war und viel zu wenig Wohnraum schuf, der dringend benötigt wurde - auch die Entstalinisierung führte in der Sowjetunion und dann auch in der DDR zu einer Abkehr vom Zuckerbäckerstil.

Die sozialistische Stadt mit industrieller Bauweise wurde zum neuen Maßstab. Breite Straßen und große Aufmarschplätze gehörten ebenso dazu wie der Bau mit Großblöcken, der schließlich zur Plattenbauweise führte. Sachliche Wohnbauten und flache Pavillons dominierten insbesondere in den Wohnvierteln nun das Bild, das sich damit wieder mehr der Moderne zuwandte. Bestimmte Typen für Wohnhäuser in Plattenbauweise wurden entwickelt. Sie prägen bis heute das Bild vieler Städte in der ehemaligen DDR.

Zur sozialistischen Stadt gehörte seit den 1960er Jahren außerdem ein Turm, der das Bild der Stadt besonders prägen sollte. Der Berliner Fernsehturm am Alexanderplatz, der zwischen 1965 und 1969 erbaut wurde, ist solch eine "Städtedominante". Auch der "Jenturm" in Jena (Bauzeit 1970-1973) ist so ein Bau. Die lockere und großzügige Bauweise ist noch immer in vielen Städten erkennbar, auch wenn nach der Wende starke Eingriffe vorgenommen wurden.

Tendenzen der 1980er Jahre

Nachdem man die Altbauten lange vernachlässigt hatte, begann man nun vorsichtig mit Restaurierungsarbeiten. Daneben wurden auch Plattenbauten weiter vorangetrieben. Statt Typenbauten herrschten nun eine größere Vielfalt und eine aufgelockerte Bauweise. Im Nikolaiviertel in Berlin versuchte man den historischen Baustil in Plattenbauweise nachzuempfinden. Teilweise ging man nun auch dazu über, historische Gebäude zu erhalten und wiederaufzubauen, etwa die Semperoper in Dresden (Wiedereröffnung 1985) oder den Berliner Dom.


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