Baldur von Schirach - der Jugendliche
Baldur von Schirach – Reichsjugendführer und Chef der Hitlerjugend
Baldur von Schirach wurde am 9. Mai 1907 in Berlin geboren. Er hatte nicht dieselbe Macht wie Heinrich Himmler, Hermann Göring oder Joseph Goebbels. Trotzdem war sein Einfluss groß: Als Reichsjugendführer prägte er Millionen Kinder und Jugendliche im Sinne des Nationalsozialismus.
Schirach war vor allem für die Hitlerjugend wichtig. Er wollte Kinder und Jugendliche früh an Adolf Hitler, die NSDAP und die nationalsozialistische Weltanschauung binden.
Kindheit und Herkunft
Baldur von Schirach stammte aus einer gebildeten Familie. Sein Vater war Theaterintendant, seine Mutter kam aus den USA. Als kleines Kind sprach Schirach zunächst Englisch. Sein Elternhaus war gebildet und kulturell interessiert, aber auch national geprägt. Schirach wuchs also in einer Umgebung auf, die ihm Bildung und kulturelle Eindrücke bot. Das hinderte ihn jedoch nicht daran, sich schon früh dem Nationalsozialismus zuzuwenden.
Gerade das zeigt: Bildung allein schützt nicht davor, sich einer menschenverachtenden Ideologie anzuschließen.
Früher Anhänger Hitlers
Schon als Jugendlicher begeisterte sich Schirach für Adolf Hitler. 1925 trat er mit 18 Jahren in die NSDAP ein. Er studierte später in München Germanistik und Kunstgeschichte, schloss sein Studium aber nicht ab. In der NSDAP machte Schirach schnell Karriere. Er wurde in der nationalsozialistischen Studentenbewegung aktiv und übernahm Führungsaufgaben. 1931 ernannte ihn Hitler zum Reichsjugendführer der NSDAP.
Reichsjugendführer der NSDAP
Als Reichsjugendführer sollte Schirach die Jugend für den Nationalsozialismus gewinnen. Er organisierte und steuerte die Hitlerjugend im Sinne der NS-Ideologie.
Die Jugendlichen sollten lernen, Hitler zu gehorchen, die Demokratie abzulehnen, militärisch zu denken und sich als Teil der angeblichen „Volksgemeinschaft“ zu fühlen. Jungen wurden auf Härte, Gehorsam und späteren Kriegsdienst vorbereitet. Mädchen wurden im Bund Deutscher Mädel, kurz BDM, auf ihre Rolle als Mütter und Unterstützerinnen des NS-Staates vorbereitet.
Schirach stellte sich selbst gern als Vorbild der Jugend dar. Tatsächlich half er dabei, Kinder und Jugendliche politisch zu beeinflussen und für die Ziele der Nationalsozialisten einzuspannen.
Die Hitlerjugend wird zur Pflicht
Nach der Machtübernahme 1933 wurde die Hitlerjugend immer wichtiger. Andere Jugendverbände wurden verboten, aufgelöst oder in die Hitlerjugend eingegliedert.
1933 ernannte Hitler Schirach zum Jugendführer des Deutschen Reiches. Damit erhielt er großen Einfluss auf die gesamte Jugenderziehung im NS-Staat.
1936 wurde die Hitlerjugend zur zentralen Jugendorganisation des Deutschen Reiches. 1939 wurde der Dienst in der Hitlerjugend beziehungsweise im Bund Deutscher Mädel zur Pflicht. Damit konnten sich Kinder und Jugendliche dem Einfluss des NS-Staates kaum noch entziehen.
Auch die Adolf-Hitler-Schulen standen im Zusammenhang mit dem Versuch, Jugendliche besonders früh im Sinne der NS-Ideologie zu erziehen.
Video zur Hitlerjugend: Ein hoher Preis für das Gemeinschaftsgefühl
Was ist ein Gauleiter?
Gauleiter waren hohe Funktionäre der NSDAP. Sie leiteten einen bestimmten Parteibezirk, den sogenannten Gau. Dort setzten sie die Ziele der Nationalsozialisten durch und hatten oft großen politischen Einfluss. Während des Zweiten Weltkriegs wurden viele Gauleiter besonders mächtig, weil sie in ihrem Gebiet auch staatliche Aufgaben übernahmen.
Gauleiter von Wien
1940 verlor Schirach die Leitung der Hitlerjugend an Artur Axmann. Im selben Jahr wurde er Gauleiter und Reichsstatthalter von Wien. In Wien hatte Schirach politische Macht. Er war dort mitverantwortlich für die Deportation der jüdischen Bevölkerung. Jüdinnen und Juden wurden aus Wien in Ghettos und Lager im besetzten Osten verschleppt. Viele wurden dort ermordet.
Schirach sprach über diese Deportationen in einer menschenverachtenden Weise. Er stellte sie sogar als angeblichen Beitrag zur „europäischen Kultur“ dar. Das zeigt, wie sehr er die Verbrechen der Nationalsozialisten unterstützte.
Schirach bei den Nürnberger Prozessen
Nach dem Krieg wurde Baldur von Schirach bei den Nürnberger Prozessen angeklagt. Dort versuchte er, sich von einigen Verbrechen der Nationalsozialisten zu distanzieren. Er bekannte eine allgemeine Schuld, stellte seine eigene Verantwortung aber kleiner dar.
Das Gericht verurteilte ihn wegen Verbrechen gegen die Menschlichkeit zu 20 Jahren Haft. 1966 wurde er aus dem Gefängnis Spandau entlassen. Er starb 1974.

Hitlers Helfer 

