Frauenpolitik: an Heim und Herd
Frauen im Nationalsozialismus

Die Nationalsozialisten hatten ein festes Bild davon, wie Frauen leben sollten. Nach ihrer Ideologie sollten Frauen vor allem Ehefrauen und Mütter sein. Sie sollten Kinder bekommen, den Haushalt führen und ihre Familie im Sinne der Nationalsozialisten erziehen.
Frauen sollten also nicht gleichberechtigt an Politik, Beruf und Gesellschaft teilnehmen. Sie sollten das NS-Regime vor allem im Alltag stützen: in der Familie, bei der Kindererziehung und in Frauenorganisationen wie der NS-Frauenschaft.
Die Mutterrolle wurde besonders betont
Die Nationalsozialisten stellten Mutterschaft als wichtigste Aufgabe der Frau dar. Sie behaupteten, Frauen würden dem Staat vor allem dadurch dienen, dass sie Kinder bekamen und diese im Sinne der nationalsozialistischen Ideologie erzogen.
Dabei ging es nicht einfach um Familienfreundlichkeit. Die Nationalsozialisten wollten viele Kinder, die nach ihrer rassistischen Ideologie zur sogenannten „Volksgemeinschaft“ gehörten. Jungen sollten später Soldaten werden können. Mädchen sollten selbst wieder Mütter werden.
Kinder, die nicht in das rassistische Weltbild der Nationalsozialisten passten, waren nicht erwünscht. Jüdische Kinder, Kinder von Sinti und Roma oder Kinder mit Behinderungen wurden ausgegrenzt, verfolgt oder sogar ermordet.
Ehestandsdarlehen und Vergünstigungen
Schon 1933 führte das NS-Regime das sogenannte Ehestandsdarlehen ein. Junge Ehepaare konnten Geld bekommen, um sich einen Haushalt aufzubauen. Voraussetzung war zunächst, dass die Frau ihre Arbeit aufgab. Damit wollte das Regime Frauen aus dem Berufsleben drängen und Arbeitsplätze für Männer frei machen.
Bekam ein Ehepaar Kinder, musste ein Teil des Darlehens nicht zurückgezahlt werden. Bei vier Kindern konnte die Rückzahlung ganz entfallen. Außerdem gab es Vergünstigungen für kinderreiche Familien. Auch das diente aber nicht der Gleichberechtigung oder echten Kinderfreundlichkeit, sondern den Zielen der nationalsozialistischen Bevölkerungspolitik.
Später wurde auch das Mutterkreuz eingeführt. Damit wurden Frauen ausgezeichnet, die viele Kinder hatten. Bereits 1939 erhielten Millionen Frauen diese Auszeichnung.
Frauen und Beruf im Nationalsozialismus

Die Nationalsozialisten wollten Frauen zunächst aus vielen Berufen verdrängen. Frauen sollten weniger studieren, seltener hohe Ämter übernehmen und möglichst nicht in Berufen arbeiten, die nach NS-Vorstellung Männern vorbehalten waren. Besonders erwünscht waren dagegen Berufe, die zum traditionellen Frauenbild passten, zum Beispiel Krankenschwester, Erzieherin oder Fürsorgerin.
Ganz aus dem Arbeitsleben verschwanden Frauen aber nie. Viele Frauen arbeiteten weiter, vor allem wenn ihre Arbeitskraft gebraucht wurde. Im Krieg wurde dieser Widerspruch noch deutlicher: Obwohl die NS-Ideologie Frauen vor allem als Mütter und Hausfrauen sah, brauchte das Regime Frauen zunehmend in Landwirtschaft, Verwaltung, Industrie und Kriegshilfsdiensten.
Gertrud Scholtz-Klink
Eine der bekanntesten Frauen im NS-Staat war Gertrud Scholtz-Klink. Sie leitete die NS-Frauenschaft und trug den Titel Reichsfrauenführerin. Damit hatte sie eines der höchsten Ämter, das eine Frau im Nationalsozialismus erreichen konnte.
Trotzdem hatte sie nur begrenzte politische Macht. Die entscheidenden Stellen im NS-Staat waren fast immer von Männern besetzt. Scholtz-Klink war aber nicht bedeutungslos: Sie half aktiv dabei, Frauen für die Ziele des Nationalsozialismus zu gewinnen und das Frauenbild des Regimes zu verbreiten.
Warum war die Frauenpolitik wichtig?
Die Frauenpolitik zeigt, wie stark das NS-Regime in das private Leben eingreifen wollte. Ehe, Familie, Kinder und Beruf sollten nicht frei nach den Wünschen der Menschen gestaltet werden. Sie wurden politisch gelenkt.
Frauen sollten keine gleichberechtigte Rolle spielen, aber sie waren für das Regime trotzdem wichtig. Sie sollten Kinder bekommen, Familien prägen, die Ideologie weitergeben und später auch den Krieg unterstützen.
Die Rolle der Frau im Nationalsozialismus war deshalb nicht einfach nur „Hausfrau und Mutter“. Sie war Teil einer rassistischen und diktatorischen Politik.
Frag doch mal!
Warum war Mutterschaft für die Nationalsozialisten so wichtig?
Frauen sollten viele Kinder bekommen und diese im Sinne des Regimes erziehen.
Galt diese Förderung für alle Familien?
Nein. Gefördert wurden vor allem Familien, die nach der rassistischen Ideologie der Nationalsozialisten als „erwünscht“ galten.
Was war das Ehestandsdarlehen?
Das Ehestandsdarlehen war ein staatliches Darlehen für junge Ehepaare. Es sollte Frauen zunächst aus dem Berufsleben drängen und Familiengründungen fördern.
Warum mussten Ehepaare mit Kindern weniger zurückzahlen?
Das Regime wollte viele Kinder in den als „erwünscht“ angesehenen Familien. Deshalb wurde pro Kind ein Teil des Darlehens erlassen.
Was war das Mutterkreuz?
Das Mutterkreuz war eine Auszeichnung für Frauen mit vielen Kindern. Es sollte die Mutterrolle besonders ehren.
Durften Frauen arbeiten?
Ja, viele Frauen arbeiteten weiterhin. Aber die NS-Ideologie stellte die Mutterrolle über die Berufstätigkeit. Im Krieg brauchte das Regime Frauen dann immer stärker als Arbeitskräfte.
Blick zurück
Schon vor 1933 gab es traditionelle Vorstellungen davon, dass Frauen vor allem für Haushalt und Kinder zuständig seien. Die Nationalsozialisten griffen solche Vorstellungen auf, verschärften sie und verbanden sie mit ihrer rassistischen Ideologie. Aus einem konservativen Rollenbild wurde so ein politisches Werkzeug der Diktatur.
Blick voraus
Der Blick auf die NS-Frauenpolitik macht deutlich, wie gefährlich starre Rollenbilder sein können. Auch heute gibt es politische Strömungen, die ein traditionelles Familienbild als Ideal darstellen. Die AfD-Fraktion forderte zum Beispiel 2025, ein „traditionelles Familienbild“ als Leitbild festzulegen.
Das bedeutet nicht, dass heutige Parteien mit dem Nationalsozialismus gleichzusetzen sind. Aber es zeigt, dass die Frage nach Frauenrollen bis heute politisch umkämpft ist. Wichtig ist deshalb: Niemand sollte vorgeschrieben bekommen, wie er oder sie zu leben hat. Eine demokratische Gesellschaft schützt die Freiheit von Frauen und Männern, eigene Entscheidungen zu treffen — über Beruf, Familie, Kinder und Lebensform.

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