Homosexuelle im Nationalsozialismus
Homosexuelle Menschen passten nicht in das Weltbild der Nationalsozialisten. Die Nationalsozialisten wollten eine Gesellschaft, in der Ehe, Familie und möglichst viele Kinder eine große Rolle spielten. Vor allem Männer sollten nach ihrer Vorstellung Soldaten und „starke Kämpfer“ sein.
Besonders homosexuelle Männer wurden deshalb verfolgt. Die Nationalsozialisten behaupteten, sie seien eine Gefahr für das „deutsche Volk“. Diese Vorstellung war falsch und menschenverachtend.
Homosexualität war bei Männern strafbar
Schon vor der NS-Zeit gab es in Deutschland den § 175. Dieser Paragraf stellte sexuelle Beziehungen zwischen Männern unter Strafe. Die Nationalsozialisten verschärften das Gesetz 1935. Nun konnten noch mehr Männer verfolgt, angezeigt und verurteilt werden.
Auch lesbische Frauen wurden diskriminiert und bedroht. Viele mussten ihr Leben verbergen. Sie wurden jedoch nicht so systematisch nach einem eigenen Strafgesetz verfolgt wie homosexuelle Männer. Besonders gefährdet waren lesbische Frauen, wenn sie zusätzlich aus anderen Gründen verfolgt wurden, etwa als Jüdinnen, politische Gegnerinnen oder als Frauen, die nicht in das Frauenbild der Nationalsozialisten passten.
Einige Nationalsozialisten waren selbst homosexuell oder wurden dessen verdächtigt. Ein bekanntes Beispiel ist Ernst Röhm, der Führer der SA. Das schützte ihn jedoch nicht. 1934 wurde er beim sogenannten Röhm-Putsch ermordet. Danach verschärfte sich die Verfolgung homosexueller Männer weiter.
Was war der Rosa Winkel?
Der Rosa Winkel war ein Stoffzeichen, das homosexuelle Männer in manchen Konzentrationslagern tragen mussten. So konnten die SS und andere Häftlinge sie sofort erkennen. Das Zeichen wurde später zu einem Symbol der Erinnerung an die Verfolgung homosexueller Menschen im Nationalsozialismus.
Viele Homosexuelle landeten im KZ

Zwischen 1933 und 1945 wurden Zehntausende Männer wegen des § 175 verfolgt, verhaftet oder verurteilt. Mehrere Tausend kamen in Konzentrationslager. Dort mussten viele den Rosa Winkel tragen. Dieses Zeichen kennzeichnete sie als homosexuelle Häftlinge.
In den Lagern waren sie oft besonderen Schikanen, Gewalt und Demütigungen ausgesetzt. Viele mussten schwere Zwangsarbeit leisten. Manche wurden auch Opfer medizinischer Experimente. Wie viele homosexuelle Männer in Konzentrationslagern starben, lässt sich nicht genau sagen. Häufig werden etwa 5.000 bis 15.000 Männer genannt, die in Konzentrationslager kamen; viele von ihnen überlebten die Haft nicht.
Lange wurde kaum darüber gesprochen
Nach 1945 endete die Ausgrenzung nicht sofort. In der Bundesrepublik galt der § 175 noch lange weiter. Viele Betroffene schwiegen deshalb aus Angst oder Scham über ihre Verfolgung. Erst viel später wurde stärker daran erinnert, dass auch homosexuelle Menschen Opfer des Nationalsozialismus waren.
Heute erinnert zum Beispiel das Denkmal für die im Nationalsozialismus verfolgten Homosexuellen in Berlin an diese Opfer.
Blick zurück
Die Ausgrenzung homosexueller Menschen begann nicht erst mit den Nationalsozialisten. Schon vorher stellte der § 175 sexuelle Beziehungen zwischen Männern unter Strafe.
Die Nationalsozialisten griffen alte Vorurteile auf und verschärften sie. Männer sollten nach ihrem Weltbild Soldaten und Väter sein, Frauen Mütter. Wer nicht dazu passte, wurde ausgegrenzt und verfolgt.
Der Blick zurück zeigt: Diskriminierung entsteht oft dort, wo Vorurteile durch Gesetze und staatliche Gewalt gestützt werden.
Blick voraus
Die Verfolgung homosexueller Menschen im Nationalsozialismus zeigt, wie gefährlich es ist, wenn ein Staat Menschen wegen ihrer Liebe oder ihrer Lebensweise abwertet und bestraft.
Heute sind gleichgeschlechtliche Beziehungen in Deutschland erlaubt. Trotzdem erleben queere Menschen auch heute noch Vorurteile, Ausgrenzung oder Gewalt. Der Blick auf die Geschichte hilft zu verstehen, warum gleiche Rechte und Respekt für alle Menschen wichtig sind.

Wer wurde verfolgt? 

