Geiselnahme von Stockholm

24.04.1975

Kommando Holger Meins und die zweite Generation der RAF

Am 24. April 1975 überfielen sechs Terroristen der Rote Armee Fraktion die Deutsche Botschaft in Stockholm.

Die Gruppe, die sich zu dem Überfall bekannte, nannte sich Kommando Holger Meins - nach dem im Hungerstreik verstorbenen Terroristen Holger Meins.

Angeworben hatte sie Meins früherer Anwalt Siegfried Haag. Die sogenannte zweite Generation der RAF war entstanden. Ihr vorrangiges Ziel wurde die Freipressung von Gefangenen.
 

Die Forderung der RAF in Stockholm

Die Terroristen der RAF stürmten das Gebäude der Botschaft in Stockholm, besetzten das Obergeschoss und nahmen zwölf Geiseln. So wie es bei der "Bewegung 2. Juni" bei der Entführung von Peter Lorenz gelungen war, wollten sie nun ebenfalls inhaftierte Terroristen freipressen.

Sie forderten die Freilassung von 26 Personen, darunter Ulrike Meinhof, Andreas Baader, Gudrun Ensslin und Jan-Carl Raspe. Sie drohten mit der Sprengung des Gebäudes, sollte dieses gestürmt werden.
 

Tod von zwei Geiseln in der Botschaft in Stockholm

Die schwedische Polizei besetzte das Untergeschoss der Botschaft. Als diese nach Aufforderung der Terroristen nicht abzog, erschossen sie eine der Geiseln, den Diplomaten Andreas von Mirbach. Daraufhin zog sich die Polizei zurück.

Die Bundesregierung unter Kanzler Helmut Schmidt lehnte noch am gleichen Abend die Forderungen der Terroristen ab. Daraufhin erschossen diese eine weitere Geisel, den Diplomaten Heinz Hillegaart. Sie drohten mit der Erschießung weiterer Geiseln.
 

Die Explosion in der Botschaft

Als in der Nacht eine Sprengladung der Terroristen ungeplant explodierte, erlitten die Terroristen wie auch ihre Geiseln Verbrennungen. Die Geiseln konnten fliehen.

Die RAF-Mitglieder Ulrich Wessel und Siegfried Hausner starben an ihren Verletzungen, die übrigen Terroristen Hanna-Elise Krabbe, Karl-Heinz Dellwo, Lutz Taufer und Bernhard Rössner, wurden am 20. Juli 1977 zu jeweils zweimal lebenslangen Freiheitsstrafen verurteilt.
 

Die RAF ändert ihre Taktik

Als Folge der missglückten Geiselnahme arbeitete die RAF ab nun anders. Sie flohen mit ihren Geiseln an einen unbekannten Ort. Der erneute Versuch, Gefangene freizupressen, erfolgte mit der Entführung von Hanns Martin Schleyer 1977 - der Beginn des Deutschen Herbstes.