Hintergrundbild Epoche

Die ersten Gastarbeiter


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Gastarbeiter beim Unterricht
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Gastarbeiterkinder in der Schule. Viele Arbeiter holten ihre Familien nach oder gründeten in Deutschland eine Familie.
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Eine Familie aus Italien in Deutschland.
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Viele Gastarbeiter arbeiteten im Bergbau, eine Arbeit, die nicht jeder machen wollte

Max Frisch sagte "Wir riefen Arbeitskräfte, und es kamen Menschen". Was soll das heißen?

Italien, die Heimat der ersten Gastarbeiter

Die ersten Gastarbeiter, die in Deutschland ankamen, stammten aus Italien, dem Traumreiseland der Deutschen. So fuhren die Deutschen nach Italien, um dort Urlaub zu machen, und die Italiener nach Deutschland, um dort zu arbeiten.

Ein komischer Begriff

Wobei der Begriff "Gastarbeiter" schon einmal unsinnig ist. Denn einen Gast würde man ja wohl kaum arbeiten lassen, oder? Im Jahr 1955 fuhr Ludwig Erhard - der damalige Minister für Wirtschaft - nach Italien. Er wollte hier Arbeitskräfte "anwerben", so nannte man das. In Deutschland blühte die Wirtschaft. Man produzierte und verkaufte, konsumierte und kaufte fleißig alle möglichen Produkte. Denn nach dem Krieg musste ja das meiste erst wieder auf den Markt gebracht werden. Doch es fehlten Arbeiter, die die Waren, die sich so gut verkaufen ließen, herstellten. So musste man die Arbeiter von anderswo herholen. Italien war nicht so weit weg und den Italienern ging es wirtschaftlich nicht so gut wie den Deutschen.

Deshalb fand es auch die italienische Regierung gar nicht schlecht, wenn ihre Arbeiter in Deutschland arbeiten wollten. Lagen sie dann doch niemandem auf der Tasche, verdienten Geld und das schickten sie meist noch ihren Familien nach Italien, die dann in Italien damit einkaufen gehen konnten und noch dazu die italienische Wirtschaft ankurbelten. Alles prima.

Doch die Gäste blieben

In Deutschland war man der Meinung, die Italiener könnten auch für ein bisschen weniger Geld arbeiten als die Deutschen, sie sollten froh sein, wenn sie überhaupt Geld verdienten. So jedenfalls dachten viele. Jedenfalls kam das Abkommen zustande und so sollten erst einmal 100 000 Gastarbeiter nach Deutschland kommen, nämlich als Gäste. Gäste kommen, aber sie gehen wieder, so dachte man sich das damals. Auch die Gäste wollten das so haben, Geld verdienen und damit dann zu Hause zu ein bisschen Wohlstand kommen. Weitere Abkommen folgten und es kamen immer mehr Arbeiter. Viele blieben länger als gedacht, gründeten ihre Familien in Deutschland und das Zurückgehen war gar nicht so einfach.

Die Gäste wurden oft übel beschimpft

Obwohl sie als  Gäste kamen, wurden sie manchmal so gar nicht willkommen geheißen. Man bezeichnete sie als "Spaghettifresser". Das war ein ziemlich blödes Schimpfwort. Denn die italienischen Teigwaren, die manchmal als Spaghetti, manchmal als Rigatoni oder Tortellini daherkamen, das kannten die Deutschen so gar nicht. Und was man halt nicht so kennt, darüber macht man sich halt einfach erst einmal lustig.  Bis in die 60er Jahre gab es übrigens an manchen Gaststätten Schilder "Kein Zutritt für Italiener". Behandelt man so seine Gäste?

Gastarbeiter aus anderen Ländern rückten nach

Doch es sollte nicht bei den Gastarbeitern aus Italien bleiben. Immer mehr Leute wurden benötigt, um die viele Arbeit erledigen zu können. Anfang der 60er Jahre kamen weitere Anwerbungsverträge zustande und die neuen Gastarbeiter reisten nun auch aus Spanien, aus Griechenland, Portugal, Jugoslawien oder der Türkei an. 1964 kam der einmillionste Gastarbeiter nach Deutschland. Mit der Zeit verschoben sich die Nationalitäten, so dass nicht mehr so viele Italiener mit der Zeit einreisten, sondern sehr viel mehr Gastarbeiter aus der Türkei. 

Menschen aus anderen Kulturen 

Während Italien vielen Deutschen zumindest als Urlaubsland vertraut war, so waren die Menschen, die oft aus den ärmsten Gegenden der Türkei kamen - z.B. aus Anatolien - und einer völlig anderen Kultur entstammten, den Deutschen völlig fremd. Sie übten eine andere Religion aus, waren meist Muslime, auch das etwas, was den Deutschen fremd war und oft genug geblieben ist. Umgekehrt kamen die deutschen Sitten und Gebräuche den Arbeitern aus so fernen Ländern wohl auch erst einmal eigenartig vor. So tauchten Probleme auf, die wir heute immer noch spüren und die wir immer noch nicht bewältigt haben.

So schrieb ein bekannter deutscher Schriftsteller namens Max Frisch einmal im Jahr 1965: "Wir riefen Arbeitskräfte, und es kamen Menschen".


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