Deutscher als deutsch: der Alldeutsche Verband

Alldeutscher Verband im Kaiserreich - Definition?

Der Alldeutsche Verband wurde um 1891 gegründet und war besonders radikal. Bestand hatte er bis zum Jahr 1939. Er strebte nach einem Ausbau eines großen deutschen Kolonialreiches. Die Stellung des Deutschen Reiches als Weltmacht sollte gestärkt werden. Der Verband ging vor allem gegen seine politischen Gegner vor, zu denen Linksliberale, Sozialdemokraten und Juden genauso wie Polen und Dänen zählten. Der Alldeutsche Verband war militaristisch und nationalistisch eingestellt.

Wer gründete den Alldeutschen Verband 1891?

Zu den Gründungsmitgliedern des Alldeutschen Verbanden zählte der Unternehmer Alfred Hugenberg (1865-1951), der später auch zum Wegbereiter des Nationalsozialismus wurde und während der Weimarer Republik die rechten Parteien unterstützte.  Ebenso Carl Peters, der sich schon durch besondere Grausamkeiten in den Kolonien "hervorgetan" hatte. Otto von Bismarck war übrigens Ehrenmitglied im Alldeutschen Verband. Den Namen "Alldeutscher Verband" trug der Verband seit dem Jahr 1894.

Alldeutscher Verband - Ziele

Was soll nun eigentlich "alldeutsch" heißen? Klingt ja irgendwie komisch, heißt das "für alle Deutsche"? Für die Vertreter dieses Verbandes bedeutete "alldeutsch", dass seine Mitglieder deutscher als die Deutschen sein sollten, also eben sehr deutsch und dann nannten sie das eben "alldeutsch". Man musste also eine besondere nationale Gesinnung aufweisen, um als "Alldeutscher" Anerkennung zu finden. Man kann sagen "alldeutsch" ist quasi eine Steigerungsform von "deutsch". Eine Steigerungsform, die es so im Deutschen gar nicht gibt.

Waren die "Alldeutschen" auch eine Partei?

Der Verband wurde nicht zur Partei, auch wenn das einige Mitglieder forderten. Am Ende wollte man dann doch parteiunabhängig bleiben. Das Programm stand von Anfang fest und setzte auf Expansion und den Ausbau der Flotte. Man wollte das Deutschtum fördern und gegen die Minderheiten im Deutschen Reich - vor allem gegen die Polen, die in Westpreußen und Oberschlesien lebten, sowie die Franzosen im Elsass - vorgehen.

Alldeutscher Verband - politische Position

Der Alldeutsche Verband wurde im Laufe der Zeit immer radikaler. Selbst die national eingestellte Politik Wilhelms II. reichte dem Verband noch nicht aus. So stellte man sich sogar gegen den Kaiser und die Reichsleitung. Doch auch innerhalb des Verbandes gab es Konflikte und Meinungsverschiedenheiten. Der wirkliche Einfluss der Alldeutschen auf die Meinung der Deutschen war allerdings gering. Auch wollte man wenig mit anderen Verbänden zusammenarbeiten, selbst wenn diese national eingestellt waren.

Weitere Ziele des Alldeutschen Verbandes

Die Ideen des Sozialdarwinismus, der vermeintliche Glaube an das Recht des Stärkeren, prägten das Denken des Verbandes. Der Wunsch nach "Lebensraum im Osten" und der Ausbreitung der Deutschen Richtung Osten war eines der wesentlichen Ziele des Alldeutschen Verbandes.

Während des Ersten Weltkriegs erhielt der Verband starken Auftrieb. Denn im Krieg ging es auch darum, den Forderungen des Verbandes nachzukommen.


Blick voraus

Die Ideen des Alldeutschen Verbandes kamen Hitlers Weltanschauung schon sehr nahe. Die Idee des Lebensraumprogramms des Alldeutschen Verbandes fand später Eingang in die Ideologie eines Adolf Hitler, der vor allem die Erschließung von Gebieten im Osten, verbunden mit dem "Kampf um Lebensraum im Osten," zu einem seiner wichtigsten Ziele machte. Diese beschrieb er aus ausführlich in seinem Buch "Mein Kampf".