Adolf Eichmann - der Pflichterfüller

Adolf Eichmann – der Täter, der sich als “Pflichterfüller” darstellte

Adolf Eichmann war einer der wichtigsten Täter des Holocaust. Er organisierte die Deportation von Jüdinnen und Juden in Ghettos und Vernichtungslager. Später stellte er sich gern als bloßer „Pflichterfüller“ dar. Doch das war eine Ausrede. Eichmann war kein kleines „Rädchen im Getriebe“, sondern ein wichtiger Organisator der nationalsozialistischen Mordpolitik.

In der SS galt Eichmann als „Fachmann für Judenangelegenheiten“. Dieser Begriff war ein menschenverachtender Verwaltungsbegriff der Nationalsozialisten. Gemeint war damit: Eichmann arbeitete daran, jüdische Menschen zu entrechten, zu vertreiben, zu deportieren und schließlich in den Tod zu schicken.

Eichmanns Jugend und Eintritt in die NSDAP

Adolf Eichmann wurde am 19. März 1906 in Solingen geboren. Als Kind zog er mit seiner Familie nach Linz in Österreich. 1932 trat er der österreichischen NSDAP und der SS bei. Nachdem die NSDAP in Österreich verboten wurde, ging Eichmann nach Deutschland. Dort erhielt er eine Ausbildung bei der SS und kam später zum Sicherheitsdienst, kurz SD.

Eichmann im „Judenreferat“

In Berlin arbeitete Eichmann im Sicherheitsdienst der SS. Dort kam er in das sogenannte „Judenreferat“. In dieser Abteilung beschäftigte er sich mit der nationalsozialistischen Verfolgung der jüdischen Bevölkerung.

Eichmann eignete sich Wissen über jüdische Organisationen und Auswanderungsmöglichkeiten an. Er lernte auch etwas Hebräisch. Dieses Wissen nutzte er nicht, um jüdischen Menschen zu helfen, sondern um ihre Vertreibung und später ihre Deportation besser zu organisieren.

Zentralstelle für jüdische Auswanderung?

Der Name klingt harmlos, doch die Wirklichkeit war brutal. Die sogenannte „Auswanderung“ war meist keine freie Entscheidung. Jüdinnen und Juden wurden durch Terror, Drohungen, Berufsverbote, Enteignung und Gewalt zur Flucht gedrängt. Eichmann organisierte diese erzwungene Auswanderung besonders schnell und bürokratisch.

Von der Vertreibung zur Deportation

Die „Zentralstelle für jüdische Auswanderung“ in Wien

Nach dem „Anschluss“ Österreichs im März 1938 wurde Eichmann nach Wien geschickt. Dort leitete er die „Zentralstelle für jüdische Auswanderung“. Viele jüdische Menschen verließen Österreich aus Angst vor der Verfolgung. Eichmann sah diese Vertreibung als Erfolg seiner Arbeit.

1939 übernahm Eichmann wichtige Aufgaben in der Reichszentrale für jüdische Auswanderung in Berlin. Später leitete er im Reichssicherheitshauptamt das Referat IV B 4, das für „Judenangelegenheiten“ und „Räumungsangelegenheiten“ zuständig war. Hinter diesen bürokratischen Begriffen verbargen sich Verfolgung, Deportation und Mord. 

Mit Beginn des Krieges ging es nicht mehr nur um Vertreibung. Eichmann wurde zu einem wichtigen Organisator der Transporte in Ghettos und Vernichtungslager. Er plante Fahrpläne, Transporte und Abläufe. Seine Arbeit am Schreibtisch hatte tödliche Folgen.

Die Wannseekonferenz

Am 20. Januar 1942 fand in Berlin die Wannseekonferenz statt. Dort trafen sich Vertreter der SS, der NSDAP und verschiedener Ministerien. Das Thema war die sogenannte „Endlösung der Judenfrage“.

Auf dieser Konferenz wurde der Holocaust nicht erst beschlossen. Die Massenmorde hatten bereits begonnen. Die Konferenz diente dazu, die Zusammenarbeit der Behörden bei der Ermordung der europäischen Jüdinnen und Juden zu organisieren. Eichmann bereitete Unterlagen vor und schrieb das Protokoll.

Adolf Eichmann war einer der Hauptverbrecher des Nazi-Regimes. Er floh nach Argentinien, wurde dort vom israelischen Geheimdienst gefunden und man machte ihm dort vor Ort den Prozess, der mit einem Todesurteil endete. [ © Bilder wikimedia, Audios original wikimedia, Texte und Vertonung zeitklciks.de ]

Flucht Eichmanns nach Argentinien und Prozess in Israel

Nach dem Zweiten Weltkrieg floh Eichmann unter falschem Namen nach Argentinien. Dort lebte er jahrelang unerkannt. 1960 wurde er vom israelischen Geheimdienst Mossad aufgespürt, gefasst und nach Israel gebracht.

1961 begann in Jerusalem der Prozess gegen Adolf Eichmann. Der Prozess wurde weltweit beachtet. Viele Überlebende des Holocaust sagten dort als Zeuginnen und Zeugen aus. Eichmann wurde wegen Verbrechen gegen das jüdische Volk, Verbrechen gegen die Menschlichkeit und Kriegsverbrechen verurteilt. 1962 wurde er hingerichtet.

Warum ist Eichmann so wichtig?

Eichmann zeigt, dass Täter nicht immer an der Front standen oder selbst mordeten. Er war ein sogenannter Schreibtischtäter. Seine Waffen waren Formulare, Listen, Befehle, Fahrpläne und Transporte. Doch gerade dadurch half er, den Holocaust praktisch durchzuführen.

Seine Behauptung, er habe nur Befehle ausgeführt, war eine Ausrede. Eichmann wusste, was er tat. Er organisierte Deportationen, die für unzählige Menschen den Tod bedeuteten.


Blick voraus

Nach dem Zweiten Welkrieg gelang es Eichmann zu fliehen. Zunächst tauchte er in Deutschland unter, um anschließend 1950 nach Argentinien zu fliehen. Bis dorthin verfolgte ihn der israelische Geheimdienst, der auf seine Spur gekommen war. Er wurde entführt und nach Israel gebracht. Dort wurde Adolf Eichmann der Prozess gemacht. Adolf Eichmann fühlte sich nicht schuldig. Er behauptete bis zum Schluss, er hätte nur Befehle ausgeführt und keine Verantwortung getragen. Doch das nahm ihm niemand ab. Er wurde zum Tode veruteilt und am 1. Juni 1962 in Israel hingerichtet.