Behinderte Menschen im Nationalsozialismus

Dieses Thema ist traurig und schwer. Es zeigt, wie grausam die Nationalsozialisten mit Menschen umgingen, die krank waren oder eine Behinderung hatten.

Menschen mit körperlichen, geistigen oder seelischen Behinderungen wurden von den Nationalsozialisten ausgegrenzt und verfolgt. Sie galten in der NS-Ideologie als sogenanntes „lebensunwertes Leben“. Dieser menschenverachtende Begriff bedeutete: Die Nationalsozialisten behaupteten, dass bestimmte Menschen angeblich nicht leben dürften.

Propaganda gegen behinderte Menschen

Die Nationalsozialisten verbreiteten gezielt Propaganda gegen kranke und behinderte Menschen. Plakate und Filme sollten zeigen, dass diese Menschen angeblich „zu teuer“ für die Allgemeinheit seien. Damit wollten die Nationalsozialisten Mitgefühl zerstören und Zustimmung für ihre Verbrechen erzeugen.

Schon früh nahmen sie Menschen mit Behinderungen ihre Rechte. Ab 1933 wurden viele von ihnen zwangssterilisiert. Das bedeutete: Sie wurden gegen ihren Willen operiert, damit sie keine Kinder bekommen konnten.

Die Nationalsozialisten planten die Tötung

Ab 1939 begann ein geheimes Programm zur Ermordung kranker und behinderter Menschen. Die Nationalsozialisten nannten es „Euthanasie“ oder „Gnadentod“. Diese Wörter sollten harmlos klingen. Tatsächlich ging es um Mord.

Opfer wurden Babys, Kinder, Jugendliche und Erwachsene mit Behinderungen oder schweren Krankheiten. Sie passten nicht in das Bild, das die Nationalsozialisten von einer angeblich „gesunden Volksgemeinschaft“ hatten.

Ärzte und Pflegepersonal waren beteiligt

Auch Ärzte, Hebammen, Schwestern und Pfleger waren an diesen Verbrechen beteiligt. Sie mussten zum Beispiel Kinder mit Behinderungen melden. Manche halfen bei der Auswahl der Opfer oder wirkten direkt an den Tötungen mit.

Zu den verfolgten Menschen gehörten unter anderem blinde und gehörlose Menschen, Menschen mit Epilepsie, Menschen mit körperlichen Behinderungen und Menschen mit psychischen Erkrankungen. Die Nationalsozialisten beschimpften sie als Belastung für den Staat.

Aktion T4: ein Tarnname für Mord

Das Programm wurde später „Aktion T4“ genannt. Der Name leitet sich von der Adresse der Planungsstelle in Berlin ab: Tiergartenstraße 4.

Es gab mehrere Orte, an denen Menschen ermordet wurden, zum Beispiel Grafeneck, Brandenburg, Hartheim, Pirna-Sonnenstein, Bernburg und Hadamar. Viele Menschen wurden mit Bussen dorthin gebracht.

Die Familien erhielten oft falsche Nachrichten über den Tod ihrer Angehörigen. So wollten die Täter ihre Verbrechen verbergen.

Das Programm sollte geheim bleiben

Die Nationalsozialisten versuchten, die Morde geheim zu halten. Doch viele Menschen ahnten, was geschah. In der Nähe der Tötungsorte bemerkten Anwohnerinnen und Anwohner zum Beispiel die ankommenden Busse.

Trotzdem schwiegen viele aus Angst. Andere wollten nichts wissen oder glaubten der Propaganda.

Was bedeutet „Aktion T4“

Aktion T4 war der Tarnname für ein Mordprogramm der Nationalsozialisten. Kranke und behinderte Menschen wurden in spezielle Tötungsanstalten gebracht und dort ermordet. Der Name „T4“ kommt von der Adresse der Planungsstelle in Berlin: Tiergartenstraße 4.

Proteste gegen die Morde

Mit der Zeit gab es Proteste. Besonders bekannt wurde der katholische Bischof Clemens August Graf von Galen. Er verurteilte die Morde 1941 öffentlich in einer Predigt.

Daraufhin wurde die zentrale „Aktion T4“ im August 1941 offiziell gestoppt. Die Tötungen hörten aber nicht ganz auf. Viele kranke und behinderte Menschen starben weiterhin, weil sie absichtlich schlecht versorgt oder weiter getötet wurden.

Die Opfer der Krankenmorde gehörten lange zu den weniger beachteten Verfolgten des Nationalsozialismus. Heute erinnern Gedenkstätten und Denkmäler an sie.

Häufige Fragen

Wie behandelten die Nationalsozialisten behinderte Menschen?

Sie grenzten sie aus, nahmen ihnen Rechte und ermordeten viele von ihnen.

Was war die Aktion T4?

Die Aktion T4 war ein geheimes Mordprogramm gegen kranke und behinderte Menschen.

Warum sprachen die Nationalsozialisten von „Euthanasie“?

Das Wort sollte die Morde verharmlosen. Es klang nach Hilfe, bedeutete aber Mord.

Gab es Proteste gegen die Aktion T4?

Ja. Besonders bekannt wurde der Protest des Bischofs Clemens August Graf von Galen im Jahr 1941.

Hörten die Morde 1941 auf?

Nein. Die zentrale Aktion T4 wurde zwar offiziell gestoppt, aber die Tötungen gingen heimlich weiter.


Blick zurück

Die Verfolgung behinderter und kranker Menschen begann nicht erst mit den Nationalsozialisten. Schon vorher gab es in vielen Ländern die falsche Vorstellung, Menschen seien unterschiedlich „wertvoll“. Manche Wissenschaftler, Ärzte und Politiker glaubten, man könne eine Gesellschaft „verbessern“, indem man bestimmte Menschen an der Geburt von Kindern hinderte. Diese Denkweise nennt man Eugenik.

Die Nationalsozialisten machten daraus eine besonders grausame Politik. Sie teilten Menschen nach angeblichem „Wert“ ein. Wer nicht in ihr Bild einer „gesunden Volksgemeinschaft“ passte, wurde ausgegrenzt, entrechtet und später ermordet.


Blick voraus

Die Verfolgung behinderter Menschen im Nationalsozialismus zeigt, wohin es führen kann, wenn Menschen nach ihrem angeblichen „Wert“ beurteilt werden. Jeder Mensch hat die gleiche Würde — unabhängig von Gesundheit, Leistung, Aussehen oder Behinderung.

Heute sind die Rechte von Menschen mit Behinderungen gesetzlich geschützt. Trotzdem erleben viele noch immer Ausgrenzung oder Benachteiligung. Die Erinnerung an die NS-Krankenmorde macht deutlich, warum Inklusion, Respekt und Menschenrechte so wichtig sind.