Es lebe der Sport!

Sport in der DDR

Der Sport wurde in der DDR besonders hoch schätzt. Das galt für die Bevölkerung genauso wie für die Regierenden. So wurde der Breitensport auch von Staatsseite besonders gefördert, während in der Bundesrepublik der Vereinssport vorherrschte.

Talente für den Leistungssport wurden intensiv gesucht und dann ebenso konsequent gefördert. So erreichte die DDR bei internationalen Wettkämpfen Spitzenleistungen. Bei Weltmeisterschaften oder Olympischen Spielen heimste sie regelmäßig eine Vielzahl an Medaillen ein. Damit wuchs auch ihr internationales Ansehen.
 

Breitensport in der DDR

Walter Ulbricht hatte schon 1959 die Losung ausgegeben: "Jedermann an jedem Ort - einmal in der Woche Sport", später abgeändert zu "mehrmals in der Woche Sport"! Sport wurde für jedes Lebensalter gefördert. Das begann in Kindergärten und Schulen und wurde in Betrieben weitergeführt.

Es gab zahllose Sportgemeinschaften, in denen kostenlos oder für wenig Geld Sport betrieben werden konnte, so auch in den Betriebssportgemeinschaften (BSG) und Schulsportgemeinschaften (SSG).

Sportverbände im Deutschen Turn- und Sportbund (DTSB)

Der Deutsche Turn- und Sportbund war eine der Massenorganisationen der DDR. Unter seinem Dach entstanden die Sportverbände für die verschiedenen Sportarten, so z. B. auch der Deutsche Fußball-Verband.

3,7 Millionen Menschen und somit mehr als 20 Prozent der Bevölkerung gehörten dem DTSB im Jahre 1989 an. Besonders beliebt waren Fußball, Turnen, Leichtathletik, Handball, Volleyball und Tischtennis.

Sportwettkämpfe: Spartakiaden und Betriebssportfeste

Sportliche Wettkämpfe wurden in den Schulen, Kreisen, Bezirken und landesweit zahlreich ausgetragen. Sie sollten den Anreiz zum Sport fördern, dienten aber auch dazu, neue Sporttalente zu finden. Das galt auch für die Kinder- und Jugendspartakiaden, die ab 1966 regelmäßig stattfanden. Später kamen für Kindergartenkinder die Bummispartakiaden dazu.

An den Kreisspartakiaden 1983 nahmen 997.000 Kinder und Jugendliche im Sommersport und 30.600 im Wintersport teil. Die arbeitende Bevölkerung maß sich bei Betriebs- und Kreissportfesten.
 

DDR-Leistungssport: Talentsuche

Auf Wettkämpfen, aber auch in Schulen und sogar Kindergärten wurde gezielt nach neuen Talenten gesucht. Für jedes Kind sollte die Sportart gefunden werden, in der es die besten Leistungen erbringen könnte.

Als Leistungszentren waren ab 1954 Sportclubs gegründet worden. So trennte man den Breiten- vom Leistungssport. 1969 beschloss das Politbüro der SED, bestimmte Sportarten besonders zu fördern, andere wie Basketball oder Hockey wurden aus der Förderung herausgenommen (das war der "Leistungssportbeschluss").

Sportlich besonders talentierte Schüler kamen nach einem Sichtungs- und Eignungstest auf eine Kinder- und Jugendsportschule. Ab den 1970er Jahren wurden viele dieser Schulen als Internate geführt. 1989 gab es 25 dieser Schulen.

Die DDR-Sportler stellten zahlreiche Rekorde auf und gewannen regelmäßig viele Medaillen bei Weltmeisterschaften oder den Olympische Spielen. Insbesondere beim Schwimmen, in den Wintersportarten, im Radsport, in der Leichtathletik und beim Gewichtheben waren sie sehr erfolgreich.
 

Doping im DDR-Sport

Dass die hervorragenden Leistungen der DDR-Sportler nicht nur auf die gute sportliche Förderung, sondern auch auf verbotene, leistungssteigernde Mittel zurückzuführen waren, stellte sich nach der Wende 1990 heraus. Teilweise ohne ihr Wissen wurden DDR-Sportler von ihren Ärzten und Trainern gedopt. Die Anordnung dazu war von ganz oben abgesegnet (Beschluss des ZK der SED 1974).

Besonders häufig kam "Oral-Turinambol" zum Einsatz, teilweise wurde es schon 13-Jährigen gegeben. Das Medikament bewirkt eine Gewichtzunahme und Leistungssteigerung, hat aber gefährliche Nebenwirkungen und der Einsatz ist natürlich verboten.
 

Sport und Politik in der DDR

Der Sport wurde in der DDR auch deshalb so gefördert, weil man auf diese Weise die Überlegenheit des Sozialismus beweisen wollte.

Auch das internationale Ansehen stieg mit den Erfolgen der DDR. Ein wichtiger Erfolg aus DDR-Sicht war darum auch, als 1972 bei den Olympischen Spielen zum ersten Mal die eigene Nationalhymne gesungen wurde und die eigene Flagge zu sehen war.

Immer wieder kam es vor, dass DDR-Sportler sich bei Wettkämpfen im Westen von ihrer Gruppe absetzten und dort blieben. Obwohl man nur verlässliche Reisekader mitnahm, nutzten zwischen 1952 und 1989 immerhin 615 Sportler diese Gelegenheit zur Flucht.