Die Kubakrise

Im Oktober 1962 hielt die Kubakrise die Welt in Atem. Doch was passierte da genau und wieso bedrohte diese Krise die ganze Menschheit?

Was passierte auf Kuba genau?

Kuba ist eine Insel, die etwa 150 Kilometer vor der amerikanischen Küste liegt. Dort herrschte seit dem Jahr 1959 ein Diktator namens Fidel Castro, der von der Sowjetunion und ihrem damaligen Regierungschef Nikita Chruschtschow unterstützt wurde. 

Die Sowjets stationierten auf Kuba Mittelstreckenraketen mit Atomsprengköpfen. Von Kuba aus wäre fast ganz Nordamerika als Ziel erreichbar gewesen. Die Reichweite dieser Raketen erkennst du auf der nebenstehenden Karte.

Die Sowjets leugneten die Stationierung der Raketen

Die Amerikaner fanden durch Aufklärungsflüge Waffenverstecke auf Kuba. Offiziell bekannte sich die Sowjetunion nicht dazu und leugnete die Stationierung der Atomraketen. Noch einige Tage nach der Installation der Waffen behauptete der sowjetische Außenminister, diese Waffen gebe es gar nicht. Doch die Amerikaner sahen in diesen Raketenstellungen eine offene Bedrohung.

Angriff oder Quarantäne?

Die Amerikaner wussten nicht genau, wie sie jetzt reagieren sollten. Man spielte mehrere Möglichkeiten durch, wie zum Beispiel eine Invasion auf Kuba, nachdem man alle Raketen durch Luftangriffe ausgeschaltet hätte. Doch keiner wusste, wie dann die sowjetische Seite reagieren würde. So entschied sich der amerikanische Präsident, der zu diesem Zeitpunkt  John F. Kennedy hieß, für eine Blockade auf See.

Dies bedeutete, dass keine mit Waffen bestückten sowjetischen Schiffe die Insel Kuba anlaufen durften. Diese Blockade wurde auch als "Quarantäne" bezeichnet. Das klang nicht so kriegerisch wie das Wort "Blockade". Somit entschied sich der amerikanische Präsident gegen eine Invasion amerikanischer Truppen auf Kuba. Niemand weiß genau, was passiert wäre, wenn die Amerikaner einen Einmarsch ihrer Truppen befohlen hätten.

Warum sprachen Kennedy und Chruschtschow nicht miteinander?

Warum haben die beiden Staatschef eigentlich nicht miteinander geredet?
Das war damals Anfang der 60er Jahre gar nicht so einfach. Es gab ja noch keine Funkverbindungen und der amerikanische Präsident telefonierte nicht so einfach mit dem sowjetischen Staatsführer. Es gab kein Twitter und keine E-Mails und eine DM per Instagram konnten sich die beiden Politiker auch nicht schicken. Die Wege, Nachrichten zu übermitteln, dauerten sehr viel länger als heute. Auch wollte man immer gut überlegt haben, was denn der nächste Schritt sein sollte und sich keine Blöße geben.

So kam es wiederholt zu Situationen, in denen der eine das Verhalten des anderen irgendwie interpretierte und oft genug falsch verstand. Übrigens war die Folge dieser Situation die Einrichtung des "Roten Telefons" zwischen den USA und der Sowjetunion. Zwischen anderen Staaten hatte es dieses Telefon schon länger gegeben. 

Die Situation drohte mehrfach zu entgleisen

Die UNO wurde eingeschaltet und versuchte zu vermitteln und bat die beiden Großmächte, miteinander an den Verhandlungstisch zu treten. So kehrten mittlerweile auch sowjetische Frachter, von denen man vermutete, sie hätten auch militärisches Material an Bord, auf sowjetischen Befehl um. Doch es gab immer wieder Momente, in denen die Situation zu entgleisen drohte.

Am Ende stand der Rückzug der sowjetischen Raketen von Kuba und damit das Ende der Krise.

Lange Zeit dachten die Historiker, es sei allein die umsichtige Haltung des Präsidenten Kennedys gewesen, die die Situation entschärft hätte. Mittlerweile weiß man allerdings aufgrund neuerer Erkenntnisse, dass auch der russische Präsident Chruschtschow persönlich alles dafür getan hat, den Krieg zu vermeiden.  Doch führende Militärs auf beiden Seiten - der russischen und der amerikanischen - hätten einen Krieg durchaus in Kauf genommen und spielten mit dem Leben von Millionen Menschen. Auch das geht aus den Quellen hervor.

Niemals mehr stand die Menschheit so nah am Rande der großen Katastrophe eines Atomkrieges wie im Oktober 1962.


Blick zurück

Seit Ende des Zweiten Weltkriegs standen sich mit den USA und der Sowjetunion nicht nur zwei Staaten und zwei grundsätzlich unterschiedliche Wirtschaftssysteme gegenüber, sondern auch verschiedene Weltbilder. Da einer den anderen übertrumpfen wollte, entstand ein Rüstungswettlauf. Jeder wollte ausreichend Waffen, um den anderen im Ernstfall vernichten zu können.


Gleichzeitig dachte man, die Waffen würden vor einem Angriff abschrecken. Wer mehr Waffen hatte, besaß auch mehr Macht und konnte sicher gehen, dass die andere Weltmacht vor einem Angriff zurückschrecken würde. So kauften und bauten beide Seiten mehr und mehr Waffen. Lange Zeit konnten die Waffen nur mit Hilfe von Flugzeugen transportiert werden. So fühlten sich beide Seiten so lange sicher, weil ein Warnsystem die Flugzeuge rechtzeitig erkannt hätte.